In den 60 Jahren der Kammerkonzerte Efringen-Kirchen hat es noch nie ein Harfen-Solorecital gegeben. Nachgeholt hat diese Premiere Sarah O‘ Brien, lange Jahre Soloharfenistin in renommierten Orchestern, die an der Musikakademie Basel und in Zürich lehrt und in der Region wohnt. O‘ Brien trat im Museum Alte Schule in einem grünen Kleid auf, ein kleiner Hinweis, dass sie familiär irische Wurzeln hat.

Besondere Kostproben

Irische Musik spielte sie jedoch nicht; nicht „O‘ Carolan‘s Harp“, also kein klingender Whiskey von der Grünen Insel, sondern klassische Konzertharfe. Statt irischer Melodien des blinden Harfenisten erklangen Originalwerke aus der Frühklassik und dem 20. Jahrhundert, Klassiker der Moderne und französische Impressionisten. Bei diesen Kostproben des Harfenrepertoires musste O‘ Brien auch auf Bearbeitungen von Scarlatti und Couperin zurückgreifen. Überrascht hat originale Harfenmusik vom empfindsamen Stil des schwierigen Originalgenies Carl Philipp Emanuel Bach, und zwar eine der allerersten überlieferten originalen Harfensonaten, deren Continuobegleitung verschollen ist, die sich aber auch alleine sehr schön spielt und anhört.

Vielseitige Harfenistin

Dass Sarah O‘ Brien eine vielseitige Harfenistin mit hoher Kunstfertigkeit ist, die sich mit zeitgenössischer Musik beschäftigt und einiges von Berio, Kagel und Rihm uraufgeführt hat, bewies ihre Hindemith-Sonate und Originales von Nino Rota. Sie agiert mit großer Meisterschaft sensibel in den feinen Schwebungen, plastisch in den Glissandi- und Arpeggien-Strukturen, dynamisch in der klanglichen Staffelung und präsentiert ihr Instrument, eine 80 Jahre alte Doppelpedalharfe, im besten Licht seiner Stil- und Spielmöglichkeiten. Und da die Stücke das ganze stilistische Spektrum der Harfenliteratur bis zu Fauré und Gabriel Pierné vorführten, war das ein anregender Überblick über die Musik für Harfe, zumal über die Blütezeit der französischen Harfenmusik.