Wenn die Stadt ihr Ziel erreichen will, 2050 klimaneutral zu sein, muss sich auch beim Thema Mobilität einiges bewegen. Weniger Autos, mehr Rad- und Fußverkehr, eine stärkere Nutzung des Nahverkehrs – was die Stadt tut, um dahin zu kommen, war jetzt Gegenstand eines Pressetermins. Gebe es weniger Autos in der Stadt, so nütze das nicht nur dem Klima, sondern es schaffe auch Platz, so Oberbürgermeister Lutz. Darum, versprach er, werde man das Thema energisch angehen.

  • Fußgänger: Immerhin 28 Prozent der Wege werden in Lörrach zu Fuß zurückgelegt. Der Fußverkehrscheck von 2018 in Teilen der Stadt, den das Land finanziell unterstützte, sei sehr gut angekommen, sagt Klaus Dullisch, Leiter des Fachbereichs Verkehr. Nun würden die Ergebnisse nach und nach umgesetzt. Zusätzliche Zebrastreifen und Fußgängerampeln, Sitzgelegenheiten, damit Ältere pausieren können, breitere Gehwege und abgesenkte Bordsteine, bessere Sichtbeziehungen und Beleuchtung brächten mehr Sicherheit und Komfort für die Fußgänger. Einiges sei da seit dem Check schon passiert, anderes folgt, wie demnächst in der Franz-Ehret-Straße in Brombach. Die Stadt bewirbt sich auch für das Landesprogramm „1000 Zebrastreifen für Baden-Württemberg“.
  • Radfahrer: 17 Prozent der Wege, wies die Modal Split-Erhebung 2016 aus, werden in Lörrach mit dem Rad zurückgelegt – und es sollen erklärtermaßen noch mehr werden. Dafür reicht es nicht, Zähler hinzustellen, wie sie am Freibad und Hauptbahnhof existieren – doch die Daten, die sie bringen, seien mitunter gute Argumentationshilfen, sagt Dullisch. Ein Rückschlag war, dass das Land die Pendlerroute Ost von Lörrach ins Wiesental nicht finanziell unterstützt. „Das kann und darf aber nicht das letzte Wort sein“, sagt Lutz. Mit den anderen Gemeinden im Wiesental will man besprechen, was trotzdem umzusetzen ist, auch in Lörrach das eine oder andere verbessern.

Auf den neuen Gemeinderat setzt der Oberbürgermeister, was den Radweg rechts der Wiese in Stetten angeht. Ausgebaut werden müsse aber auch der Wiesenradweg insgesamt von Tumringen bis Stetten, hier werde es immer wieder eng. Freilich müsse das mit dem Naturschutz abgestimmt sein, sagt Britta Staub-Abt, Leiterin des Fachbereichs Umwelt. Das Tüllinger Vogelschutzgebiet reicht teilweise bis zur Wiese. Bei der Verkehrsinfrastruktur fürs neue Klinikum werde der Radverkehr berücksichtigt, wegen des Schichtdienstes sei das auch das Thema Beleuchtung wichtig.

  • Bus und Bahn: Das Ein-Euro-Ticket ist ein Renner. 9500 Vierertickets, also 38 000 Fahrten wurden in den ersten fünf Wochen verkauft. Da wird mancher, der Bus und Bahn eh schon nutzte, einfach billiger fahren, aber Lutz zeigt sich überzeugt, dass auch neue Kunden gewonnen werden. Bei der S-Bahn sei ein Ausbau der Infrastruktur für den neuen Halt am Klinikum und den durchgehenden Viertelstundentakt unabdingbar. Niemals ein vierspuriger Ausbau der Wiesentalstraße, dafür ein zweispuriger Ausbau der S-Bahn – dahin muss laut Jörg Lutz die Reise gehen.
  • Autoverkehr: Es gelte, das Auto nicht zu verteufeln, sagt Lutz, aber die Alternativen zu stärken. Der Klimaschutz, aber auch die häufigen Staus ließen nichts anderes zu. Eine Motivation, das Auto stehen zu lassen, sei der knappe Parkraum – der mit dem Wegfall des Conrad-Areals mit rund 400 Parkplätzen bald noch knapper werde. Das werde einen Aufschrei geben, doch in Straßen und Parkplätze zu investieren, heize den Autoverkehr an. Lieber investiere man in andere Formen der Mobilität.
  • Elektromobilität: Ein Förderantrag beim Land, die Elektromobilität mit einem Konzept zu unterlegen, wurde bewilligt. Von den 100 000 Euro, die das kostet, zahlt das Land 80 Prozent. Nun wird erarbeitet, wo der städtische Fuhrpark umgestellt und wie das Ladenetz verdichtet werden kann.