Im vergangenen Jahr wurde die Orgel von der Unesco als „immaterielles Kulturerbe der Menschheit“ anerkannt; jetzt wurde parallel zum Tag des offenen Denkmals der achte deutsche Orgeltag in Lörrach zum Anlass für ein Orgelfestival. Bezirkskantor Herbert Deininger wollte die „Königin der Instrumente“ stärker ins Bewusstsein rücken. Originell war, dass in der Stadtkirche nicht nur die angestammte Kirchenorgel zum Klingen gebracht wurde, sondern auch eine Drehorgel mit Pfeifen und zwei Truhenorgeln. Drehorgel? Da denkt man doch eher an Leierkasten, Jahrmarkt oder die Dreigroschenoper mit der Moritat von Mackie Messer. Aber an Vivaldi und Bach?

Drehorgel kann mehr als Jahrmarkt-Gedudel

Es war die Idee des ehemaligen Musiklehrers Jürgen Braun, die leicht verachtete Drehorgel in den Bereich der klassischen Musik zu bringen. Seine Bearbeitungen für Drehorgel und Querflöte (feinsinnig gespielt von Annette Bronner) waren originell, zumal die Spulen, auf denen die Musik aufgezeichnet wird, zurückgespult und gewechselt werden mussten. Braun nimmt für sich in Anspruch, den Reichtum der Bachschen Musik auf seiner mechanischen Orgel, die von der Tonerzeugung genauso funktioniert wie eine Kirchenorgel, darstellen zu können. Dies demonstrierte er im „Italienischen Konzert“, einer Bearbeitung des Concertos nach italienischem Gusto, bei dem die Solostimme dem Soloinstrument Flöte übertragen wurde.

Famos und lustig

Famos waren Rameaus Gavotte mit Variationen für Drehorgel solo sowie die „Variations on America“ von Charles Ives auf die Melodie der englischen Nationalhymne, die in vielen Ländern geläufig und in Amerika unter dem Namen „America“ bekannt ist. Ives wollte sich über die Melodie lustig machen. Die Zuhörer, die beim Konzert kommen und gehen konnten, sollten das Stück auch nicht zu ernst nehmen.

Mehrere Orgeln für eine Kirche

Die Organisten Herbert Deininger und Dieter Lämmlin bewegten mal solistisch an der Hauptorgel und mal gemeinsam die Finger an zwei Truhenorgeln vierhändig. Das sollte nicht zuletzt daran erinnern, dass es in vielen größeren Kirchen zwei oder drei Orgeln gibt und zum Musizieren auf Seitenemporen auch kleinere Instrumente eingesetzt werden. In Lörrach waren es Pfeifenorgeln, in Truhen verpackt, auf denen Händel, Mozart und ein Originalwerk in opernhaftem italienischem Stil gespielt wurden: Also fast eine kleine Orgelnacht.