Im vorigen Jahr hat es nicht geklappt, im Schuljahr 2016/17 wollen Karl-Rolfus-Schule (KRS) und Freie Evangelische Schule (FES) in der Wallbrunnstraße wieder eine erste Inklusionsklasse einrichten. Da in den nächsten Wochen die Infoveranstaltungen und Anmeldungen anstehen, rücken beide Schulen ihr besonderes Angebot wieder in den Fokus. Auf Eltern nicht behinderter Kinder kommt es an, dass die Inklusionsklasse zustande kommt.

Im vorigen Schuljahr hatten nicht genügend Eltern nicht behinderter Erstklässler an der FES den Mut, ihr Kind für die Inklusionsklasse anzumelden. Bei der Frage nach den Vorbehalten, die man in einem Workshop mit Expertenbegleitung auf gearbeitet hat, so Nathanael Pantli, Schulleiter der FES-Grundschule, wird die Sorge genannt, dass das Kind nicht genügend lernen könnte, aber auch Standort und organisatorische Aspekte werden angeführt. „Meist ist es aber ein Bauchgefühl“, meint Niklas Engler, Vater einer behinderten Tochter in einer der beiden Inklusionsklasse der KRS. In derselben Klassen sind auch die nicht behinderten Zwillinge von Jeanny Weippert. Beide Elternvertreter sind von dem Inklusionsmodell an der Karl-Rolfus-Schule überzeugt und erzählen von den guten eigenen Erfahrungen und denen ihrer Kinder. Sozialkompetenz, die Stärkung des Teamgeistes, Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung führt Jeanny Weippert für die KRS ins Feld. Ihre älteren Kinder haben die Schule bereits durchlaufen, für die würde sie sich im Nachhinein diese Inklusionserfahrung auch wünschen. Niklas Engler hebt aus seiner beruflichen Erfahrung die Bedeutung der Sozialkompetenz heraus, die oft aufwändig in Schulungen trainiert werden müsse. Und er fügt hinzu: „Die Individualisierung ist herausragend.“

Dafür haben beide Projektpartner in der Karl-Rolfus-Schule die Voraussetzungen geschaffen: räumlich, weil den kleinen Klassen viel Platz für gemeinsames und differenziertes Lernen zur Verfügung steht; personell, weil beide Schulen je einen Klassenlehrer einbringen und die KRS zusätzliches pädagogisches Fachpersonal. Ein vierköpfiges Team arbeitet mit der Inklusionsklasse.

Zum Start der KRS Lörrach, der Außenstelle der KRS des St. Josefs-Hauses Herten, wurde die erste Inklusionsklasse gebildet, im Schuljahr drauf die zweite erste Klasse. Fünf behinderte Kinder sind mit neun beziehungsweise zehn nicht behinderten Kindern zusammen. Idealerweise wünschen sich Pantli und Sonja Benz-Peiszan, Leiterin der KRS in Lörrach, ein Verhältnis von fünf zu 15. Für die fünf Plätze der KRS sei die Nachfrage da, für die 15 Plätze, die die Freie Evangelische Schule belegt, wird noch eifrig geworben.

Das machen am besten die Eltern, ist Pantli überzeugt, weshalb Jeanny Weippert und Niklas Engler auch in Kindergärten gehen und künftigen Grundschuleltern von ihren Erfahrungen erzählen. Auch eine Postkartenaktion mit fünf Motiven unterstützt die Werbung. Pantli erzählt, dass ein Motiv mit fünf Kindern und dem Satz „Uns ist wichtig, dass unser Kind lernt, dass alle Menschen besonders sind“ auf Facebook in kürzester Zeit viel Zustimmung erhalten habe. Sonja Benz-Peiszan bietet interessierten Eltern an, nach Absprache die Arbeit in der KRS durch Schulbesuch kennenzulernen.

Inklusionsklasse: Infoabend am Mittwoch, 24. Februar, 18 Uhr, in der Karl-Rolfus-Schule Lörrach; Tag der offenen Tür am Sonntag, 6. März, KRS Lörrach, 13 bis 17 Uhr. Infoabend der FES Grundschule am Mittwoch, 9. März, um 18 Uhr.