Lörrach Jüdische Gemeinde feiert 20-jährige Wiedergründung

Tradition unterbrochen, aber nicht abgebrochen. OB Lutz und Landrätin Dammann betonen Wichtigkeit der Gemeinde für das kulturelle und religiöse Leben in Lörrach

20 Jahre ist es her, dass in Lörrach wieder eine jüdische Gemeinde gegründet wurde. Mit einer Vielzahl von Gästen feierte die Gemeinde am Sonntag dieses Jubiläum. Vertreter von Stadt und Landkreis betonten, die israelitische Kultusgemeinde sei ein fester und unverzichtbarer Bestandteil der Gesellschaft und gehöre zu Lörrach.

„Was kann uns mehr Freude machen, als zu sehen, dass hier eine jüdische Gemeinde gewachsen ist, dass sie stark geworden ist und seit 20 Jahren lebt“, sagte Rabbiner Moshe Flomenmann bei der Begrüßung im Hebelsaal des Dreiländermuseums. Genau an diesem Ort trafen sich im März 1995 35 Menschen jüdischen Glaubens und gründeten die Gemeinde. Damals konnte man sich nicht vorstellen, dass sie sich so positiv entwickeln würde, meinte Flomenmann. Auch nicht, dass 2008 eine neue Synagoge eröffnet werden würde. Heute sind viele Kinder in der Sonntagsschule, es gibt mit Heiners Backparadies eine Bäckerei mit koscherem Angebot, die Eröffnung einer Kinderkrippe und eines koscheren Cafés sind geplant. In erster Linie ist die jüdische Gemeinde eine Religionsgemeinschaft, stellte Flomenmann fest. Aber sie engagiert sich auch sozial, kulturell, in der Jugend- und in der Öffentlichkeitsarbeit, etwa mit vielen Führungen.

Viele Mitglieder kommen aus der ehemaligen Sowjetunion, wo Religion nicht gelebt werden konnte. Die Menschen haben sich in die deutsche Gesellschaft gut integriert. „Wir sind eine sehr offene Gemeinde und leben die Toleranz“, betonte Flomenmann. Tatsächlich ist es fast 350 Jahre her, dass in Lörrach eine erste jüdische Gemeinde gegründet wurde. Mit den Verbrechen der Nazizeit kam jüdisches Leben jedoch zum Erliegen. Rabbiner Flomenmann wünschte sich, dass man weiter gut und friedlich miteinander leben könne, dass in weiteren 20 Jahren wieder Neues erreicht sein werde und die Synagoge nicht zum Museum werde, sondern ein offenes Haus für alle bleibe. Zu den wichtigsten Aufgaben eines Museums gehöre es, Menschen auf der Suche nach ihrer Identität Angebote zu machen, sagte Museumsleiter Markus Moehring. Der Islamische Staat IS, der unter anderem Zeugnisse der Jahrtausende alten assyrischen Kultur vernichtet, verfolge dasselbe Ziel wie die Nationalsozialisten, nämlich die Identität von Menschen zu zerstören. Moehring erinnerte daran, dass nach dem Abriss der Synagoge auch der jüdische Friedhof zerstört werden sollte. Denkmalpfleger Wilhelm habe das etwa mit Argumenten des Naturschutzes verhindert. Anfang der 90er Jahre wurde das Museum zum Treffpunkt der zugewanderten Juden, die hier von der jüdischen Vergangenheit Lörrachs erfuhren. „So wurde auch den Zuwanderern deutlich: Jüdisches Leben war hier nicht fremd, es gehört zu Lörrach, es besitzt hier eine zwar unterbrochene, aber eine lange Tradition. Auch für mich waren es bewegende Momente, wie historische Objekte dabei helfen konnten, das Gefühl, willkommen zu sein, zu verstärken“, sagte Moehring.

„Die jüdische Gemeinde ist Teil unserer Kultur und unserer Geschichte“, stellte Landrätin Marion Dammann fest. Sie freute sich, dass jüdisches Leben mitten unter uns ist, wies aber auch auf die Kluft von zwei Generationen und unterschiedliche Lebenserfahrungen hin, die zwischen der früheren jüdischen Gemeinde und der heutigen liegen. 1806 wurde in der Teichstraße eine Synagoge gebaut, 1875 gab es 248 Bürger jüdischen Glaubens in Lörrach. „Wir freuen uns besonders, dass nach der Zäsur durch den Holocaust die jüdische Gemeinde wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, sagte Marion Dammann.

Auch Oberbürgermeister Jörg Lutz betonte den festen Platz, den die jüdische Gemeinde wieder in der Stadt besitzt. Er freute sich, dass es den Nationalsozialisten nicht gelungen ist, jüdisches Leben in Lörrach nachhaltig zu zerstören, dass vielmehr die Kraft des Glaubens stärker ist. Im Hinblick auf neue Zuwanderer sagte Lutz, man wolle alle friedliebenden Menschen in der Stadt willkommen heißen und ein Klima der Toleranz schaffen.

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