Eine neue Plattform für lokale Lebensmittelerzeuger will das Berliner Unternehmen Marktschwärmer in Lörrach etablieren. Über eine Internetseite bestellen Kunden Lebensmittel und können sie an einem Abend an einem zentralen Ort abholen. Am 25. September gibt es auf dem Fabric-Gelände in Brombach einen Infoabend für Anbieter und Kunden. Und ganz wichtig: Es wird noch ein Gastgeber vor Ort gesucht.

„Der Bienenkorb, der Ja sagt – La Ruche Qui Dit Oui!“ war 2010 der Anfang. Die französischen Gründer wollten nachhaltigen Konsum fördern, gleichzeitig Transparenz und Kontakt zwischen Erzeuger und Kunden stärken. Mittlerweile gibt es allein in Frankreich mehr als 800 Schwärmereien . 2014 wurde das Projekt auf Spanien, Italien, Belgien und Deutschland ausgedehnt, 2016 kamen die Schweiz und die Niederlande hinzu. In Basel und in Freiburg gibt es bereits Marktschwärmereien. Bei der jüngsten Schwärmerei in Freiburg konnten die Kunden aus 179 Produkten von elf lokalen Anbietern wählen: Gemüse, Käse, Brot, aber auch Bier oder Gin, Chutneys und Kaffee.

So wird marktgeschwärmt: Die Anbieter stellen ihre Produkte auf eine Internetseite, der lokale Gastgeber eröffnet den Verkauf fünf Tage vor dem Termin; bis zwei Tage davor können die Kunden bestellen. Am Termin haben sie anderthalb Stunden Zeit, ihre Produkte beim jeweiligen Produzenten auf einem zentralen Markt abzuholen. Je nach Jahreszeit und Saison variieren die Anbieter, erklärt Jacques Wecke, Standortleiter für Deutschland. Eine Quote von 40 Prozent Bioware ist erwünscht, aber keine Pflicht. Die Anbieter, die aus dem nahen Umkreis kommen, dürfen keine zugekauften Produkte anbieten.

Aktuell gibt es 64 bestehende Schwärmereien in neun Bundesländern, 44 weitere seien in Planung, teilt Wecke auf BZ-Nachfrage mit. Die Marke der registrierten Nutzer liege bei mehr als 90 000, 14 000 Kunden seien regelmäßig aktiv. 1118 Erzeuger sind in Deutschland registriert – durchschnittlich sind sie 27,3 Kilometer von der jeweiligen Schwärmerei entfernt. Als Standort für die Schwärmerei hat Wecke das Fabric-Gelände der Schöpflin Stiftung in Brombach im Blick, wo auch die Infoveranstaltung stattfinden wird. Die Regie für die Marktschwärmerei soll aber nicht beim Fabric-Team liegen, sondern bei einer örtlichen Gastgeberin oder einem Gastgeber. „Dieser ist der Hauptansprechpartner für die Kunden und die Produzenten“, erklärt Jacques Wecke. Er fügt die Produzenten zur Homepage hinzu und schaltet den Verkauf frei. Ist es überhaupt sinnvoll in Lörrach, wo es mehrere Wochenmärkte in der Kernstadt und den Teilorten gibt und die Produzenten in der nahen Umgebung auch Hofläden haben? „Wir sprechen eine komplett andere Zielgruppe an“, sagt Wecke, der die Schwärmerei als sinnvolle Ergänzung sieht, da die Abholzeiten abends sind, und so auch von Leuten nach Feierabend genutzt werden können: „Lörrach hat auf jeden Fall Potenzial.“

Termin: Für Kunden, Erzeuger und potenzielle Gastgeber gibt es am Mittwoch, 25. September, 18.30 Uhr, eine Infoveranstaltung auf dem Fabric-Gelände, Franz-Ehret-Straße 2, Brombach.