Die Kunstwelt blickt in dieser Woche nach Basel. Da nutzte Albert Schöpflin, mit Künstlernamen „Scopin“, die Chance, im Vorfeld der Kunstmesse Art einen prominenten Gast in sein Atelier auf dem ehemaligen Schöpflin-Areal Brombach zu holen: Professor Harald Falckenberg, international bekannter Kunstsammler und -kenner, der in Hamburg eine Privatsammlung von Kunst der Moderne und zeitgenössischer Kunst aufgebaut hat, die mehr als 2000 Arbeiten umfasst und in Fachkreisen als eine der 200 besten der Welt gilt.

Dem 75-jährigen Juristen und Unternehmer, der mit 50 begann, Kunst zu sammeln, und das Buch „Aus dem Maschinenraum der Kunst“ herausgebracht hat, eilt der Ruf eines streitbaren Geistes voraus. Ein „Visionär des Andersdenkens, ein Bad Boy des Sammelns, eigenwillig, unkonventionell“: So nannte ihn Dirk Luckow, der Intendant der Deichtorhallen Hamburg.

150 Zuhörer, darunter Künstler, Galeristen, Mitglieder von Kunstvereinen und Kunstfreunde aus der Region, füllten die riesige Werkstatthalle. Schöpflin fragte und Falckenberg, der auf einem Podium vor den eindrucksvollen Asphaltbildern Scopins saß, bot provokante, unbequeme, entlarvende und ironische Insiderblicke in das Geschäft mit der Kunst. Die Art Basel bezeichnete er als die weltweit beste Messe. Die Autonomie, die sie sich von vornherein auserkoren habe, sei ein Schlüssel zum Erfolg dieser Messe. Falckenberg erinnerte an die Ursprünge der Art Basel 1969 und die Anfänge der Art Cologne (1967). Zwischen beiden Messen habe es einen „wilden Konkurrenzkampf“ gegeben, doch „Basel hat das Rennen ganz klar gemacht.“

Reiner Kunsthandel im Vordergrund

Der globale Markt und das Messegeschäft seien schwieriger geworden, weil „viel zu viele Messen auf der Welt“ stattfänden. Für Galeristen seien Messe-Touren von Shanghai, Hongkong, Miami bis Basel „eine ziemliche Tortur“. Der Einfluss, den das auf die Auswahl der Künstler habe, sei anders als früher. 1967 und 1969 habe man „aus dem elitären Kreis der Kunst“ ausbrechen wollen. Dann habe es geheißen: „Kunst ist für alle da.“ Die Galeristen hätten es sich zur Aufgabe gemacht, „jeder begleitet einen Künstler von der Wiege bis zur Bahre, also sein Leben lang.“ Dieses Galeristen- und Künstlermodell habe sich gewandelt und aufgelöst. Heute stehe „reiner Kunsthandel“ im Vordergrund, so Falckenbergs Einschätzung des Marktes. Seit den 1990er Jahren seien große Auktionshäuser ins Geschäft mit der Gegenwartskunst eingestiegen. Falckenberg schilderte an konkreten Beispielen von Künstlern, mit welchen Mitteln und Manipulationen gearbeitet werde, um Preise für Kunstwerke gezielt hochzutreiben. Er beschrieb, wie Damien Hirst 2008 bei Sotheby‘s 150 Millionen erzielt habe, just zu der Zeit, als die Lehman Brothers Bank Pleite gegangen sei. Auch die 91 Millionen Dollar, die jüngst für Jeff Koons „Rabbit“ gezahlt wurden, dienten als Beispiel für die exorbitanten Riesensummen auf dem Kunstmarkt. Zwar werde ein Hype um Koons Werk gemacht. Doch während alle über übertrieben hohe Preise redeten, sei der Kunstmarkt vielfältiger, als das oft in der Presse dargestellt werde. „Man kann auch Kunst zu ganz normalen Preisen kaufen“, so Falckenberg.

Heute gelte in der Kunst ein „anything goes“, auch was den Geschmack betreffe. „Ein Scheich in Dubai hat einen anderen Geschmack als ein chinesischer Sammler, der in Shanghai sitzt.“ Für ihn sei gute Kunst Ausdruck von gesellschaftlichen Entwicklungen. „Ich glaube, die Kunst ist nicht tot, sondern wird sich immer wieder neu generieren“, sagte Falckenberg.

Gefragt, was ihn zum Kunstsammeln bewogen hat, brachte Falckenberg viele Motive bei Sammlern ins Spiel: Geltungssucht, Spekulieren mit Kunst, wie in New York in den letzten Jahren, Angeben, aber auch das Fördern von Kunst. Ob er sich schon mal in ein Kunstwerk „verliebt“ habe? „Bin ich verrückt? Nein! Im Grunde hasse ich Kunst“, so Falckenbergs provokante Antwort, „darum kaufe ich zum großen Teil hässliche Werke, die sagen viel besser etwas über die Gesellschaft aus als schöne Werke. Das sind für mich Zeitdokumente.“ Falckenbergs streitbar-provokante Äußerungen, die vielfach zum Widerspruch anregten, boten viel Gesprächsstoff für das Kunstpublikum.