„Es macht süchtig“, sagt der 29-Jährige Michael Hoffmann über seinen extrem schnellen und actionreichen Sport. Um ihn bekannter zu machen, hat er in Lörrach den German Ice Cross Downhill-Verband gegründet. Ziel ist, bei den Olympischen Spielen in Peking 2022 starten zu können.

„Es ist der Mix aus Wintersport, Geschwindigkeit und Adrenalin.“ Das sagt Michael Hoffmann. Der Reiz liegt daran, sich auf Schlittschuhen mit einem Tempo von mehr als 80 Stundenkilometern eine mehrere Hundert Meter lange Eisbahn hinunterzustürzen, hinweg über Sprünge und eingebaute Hindernisse, über Wellen, durch enge Kurven, und das zeitgleich mit drei anderen Fahrern, die wissen, wie sie sich Platz verschaffen auf der Bahn. Ice Cross Downhill ist kein Sport für Zaudernde.

Im Ice Cross geht es nicht gerade zimperlich zu. Bild: Privat
Im Ice Cross geht es nicht gerade zimperlich zu. Bild: Privat | Bild: Flo Hagena

Gefahren wird auf künstlichen Bahnen, die sich eindrucksvoll mitten durch Städte winden, oder auf Natureisbahnen. Das sieht dann aus, als ob die Fahrer auf Schlittschuhen einen Skihang hinunterbrettern. „Natureis ist immer sehr wellig und schwieriger zu fahren“, erklärt Hoffmann. Ihm liege das, sagt er. Er fahre gerne auf Natureis. Überhaupt bevorzuge er die schnellen und steilen Strecken mit vielen Sprüngen. Zwischendrin skaten zu müssen, das mag er nicht so. „Aber jede Strecke ist anders.“ Beim Rennen in Marseille im Januar zum Beispiel hatten die Streckenmacher ein fast senkrechtes Stück eingebaut, einen acht Meter tiefen Drop. „Aber alles in allem war das eine sehr technische Strecke.“

Das erste Rennen fand 2001 in Stockholm statt. Damals war Hoffmann, heute 29, noch ein Kind, aber ebenfalls schon auf dem Eis unterwegs. In Villingen-Schwenningen aufgewachsen, spielte er schon mit fünf Jahren Eishockey bei den Schwenninger Wild Wings. „Ich war nie der Beste am Stock, aber der Schnellste“, erinnert er sich. Nach dem Abi und einem Jahr im Ausland kam er nach Lörrach, um an der Dualen Hochschule BWL zu studieren und spielte nebenbei beim EHC Rheinfelden. 2010 fuhr er erstmals Ice Cross auf einer ebenen Strecke bei einem Obstacle Race und stellte fest: „Es macht süchtig.“ Ein Jahr später startete er bei der WM.

In die Wertung fließen hauptsächlich die vier Läufe der Red Bull Crashed Ice-Serie. Wie immer, wenn der Getränkehersteller einen Trendsport promotet, dann als Riesenspektakel. 150 000 Zuschauer säumten die Strecke in Saint Paul am 20. Januar beim Auftakt der Serie in dieser Saison, der Kurs startet direkt vor einer beeindruckenden Kathedrale. „Es ist eine unglaubliche Atmosphäre“, sagt Michael Hoffmann. Zudem gibt es eine Serie von sechs Rider’s Cups, die von nationalen Verbänden organisiert werden, und deren Ergebnisse zu einem kleinen Teil in die WM-Wertung einfließen. Diese seien wichtig, um die Sportart bekannter zu machen, sagt Hoffmann. Während in den vier großen Wettkämpfen nur die 64 Besten plus jeweils zwei Fahrer aus den teilnehmenden Ländern starten dürfen, sind die Rider’s Cups offen für alle, die es sich zutrauen.

Die Rider’s Cups sind für Hoffmann, der aktuell auf Platz 64 der Rangliste liegt, aber auch aus einem anderen Grund wichtig: „Mehr Zeit auf dem Eis.“ Vor den Läufen kann auf den Strecken trainiert werden. Trainingsmöglichkeiten zu finden ist nicht einfach, Permanent Tracks zum Üben gibt es nur in einigen Ländern, darunter in Österreich und der Schweiz, aber noch nicht in Deutschland. Im Sommer trainiert Michael Hoffmann auf Pumptracks, spielt Eis- und Inlinehockey, fährt Mountainbike-Downhill, Wasserski und Wakeboard. „Wir hoffen, bis in zwei Jahren einen Permanent Track in Deutschland zu haben“, sagt Hoffmann. Dieser sollte in einem Skigebiet sein, erklärt er. Der Feldberg sei durchaus eine Option. Und eine Naturrodelbahn könnte eine gute Basis für eine Strecke sein.

Ice Cross steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen, aktuell starten vier Fahrer in der Rennserie. In Kanada, der Schweiz, den USA und in Finnland ist der Sport weiter. Im vergangenen Jahr hat Michael Hoffmann mit Unterstützung von Heinz-Josef Böhme, dem Vater von Hoffmanns Teamkollegen Jannik Böhme, den deutschen Verband German Ice Cross Downhill gegründet. Hoffmann ist zwar zwischenzeitlich in die Schweiz gezogen und arbeitet in Zürich als Projektleiter und Business Development Manager, doch der Sitz des Verbandes ist in Lörrach. Nun sind Hoffmann und seine Mitstreiter auf der Suche nach Sponsoren. „Ein paar kleine gibt es schon, aber es wäre schön, wenn wir national präsente Sponsoren finden könnten“, sagt er.

Ice Cross Downhiller Michael Hoffmann. <em>Bild: Privat</em>
Ice Cross Downhiller Michael Hoffmann. Bild: Privat | Bild: Mihai Stetcu

Hoffmann hofft auch, Eishallen und Eissportvereine zu finden, um dort mit kleinen Events Ice Cross vorstellen zu können. Vor allem an Jugendlichen und Frauen mangelt es noch. Luca Engler, der aktuell als einziger an den Junior-Rennen teilnimmt, wird ab 2019 in der Herren-Klasse fahren. Und die einzige deutsche Fahrerin, Katharina Buesch, konnte in diesem Jahr aus zeitlichen Gründen nur an einem Rennen teilnehmen.

Ice Crosser sollten nicht nur furchtlos Schlittschuh laufen können und keine Angst vor Stürzen haben, sondern auch eine Eishockey-Schutzausrüstung besitzen und, wie Michael Hoffmann sagt: „Spaß an Action haben“. Der Verband begleite gerne Leute, die Ice Cross bei einem Obstacle Race oder bei einem Rider’s Cup ausprobieren möchten. Bei letzteren gebe es auch die Möglichkeit, mit professionellen Fahrern zu trainieren, sie würden gerne ihre Tipps weitergeben. Überhaupt seien die Ice Cross Downhiller wie eine Familie. Bei Wettkämpfen mieten sie gemeinsam Unterkünfte an, um Geld zu sparen, sie reisen auch zusammen. Trotzdem ist es für die Athleten ein teurer Sport. Die Rennen finden in den USA, Russland, Finnland, Frankreich, Kanada und sonst wo statt, und nur die Besten schaffen es, mit den Siegprämien und Sponsorengeldern ein bisschen Geld zu verdienen.

Die Ice Cross Downhiller möchten, dass ihr Sport in Peking 2022 erstmals olympisch stattfindet. Kontakt zum IOC bestehe bereits, sagt Michael Hoffmann. Um bei Olympia antreten zu können, braucht es aber mindestens25 Landesverbände. Immerhin: Der internationale Dachverband ATSX hat sich bereits gegründet, im kommenden Jahr sollen erstmals Rennen in Japan und China stattfinden. Die Olympischen Spiele in Peking sind auch Michael Hoffmanns großes sportliches Ziel. Dann wäre er 33 Jahre alt.