Es war der Lebenshunger der Nachkriegsjahre, auch der Nachholbedarf an Kunst des 20. Jahrhunderts und das Schaffen eigener künstlerischer Positionen, die Gerta und Alfred Haller umtrieben. Beide Künstler waren an der ersten Nachkriegsausstellung „Moderne Kunst“ im Frühjahr 1947 in Lörrach und Müllheim beteiligt, zusammen mit dem Maler Paul Ibenthaler. Drei regionale Ausstellungshäuser würdigen nun mit parallelen Werkschauen das Künstlerpaar. Beide haben nach dem Zweiten Weltkrieg wichtige Impulse im Kunstleben des Dreiländerecks gesetzt und ein reichhaltiges künstlerisches Erbe hinterlassen.

Die beiden Künstler

An den Bildern von Alfred Haller (1921-1957) sieht man, dass er sich mit den Strömungen der neuen Zeit wie dem Expressionismus, Kubismus und der Abstraktion auseinandergesetzt hat. Bei ihm nehmen die Landschaften breiten Raum ein, auch Themen aus dem industriellen Bereich und Figurenszenen hat er gestaltet. Gerta Haller (1919-2004), deren Bilder bereits 1954 zusammen mit denen Gabriele Münters gezeigt wurden, lässt sich stilistisch hingegen nie genau einordnen, da sie stets versuchte, ihren eigenen Weg zu gehen. Die Künstlerin ist viel gereist, war oft unterwegs, das heißt in ihrem Fall also auch offen für neue Erfahrungen, die sie sowohl literarisch als auch bildnerisch umgesetzt hat. Ganz aus dem poetischen Bild lebt ihre Lyrik, etwa die Aufzeichnungen und Beobachtungen von unterwegs, die 1999 in der Edition Isele erschienen sind: „Im Maul des Kamels“, ein Büchlein mit Prosa, Lyrik und Grafik.

Überblick über Werke

Das Markgräfler Museum Müllheim gibt bis März 2019 einen Überblick über das Werk beider Künstler, die auf dem Feld des expressiven Realismus ihren Ausdrucksstil suchten. Das Dreiländermuseum in Lörrach präsentiert bis 9. Dezember Werke der Malerin und Grafikerin und stellt neben Gemälden auch ihr Schaffen als Schriftstellerin und Gebrauchsgrafikerin vor. Im Ibenthaler Haus ist ebenfalls bis März eine Gegenüberstellung der beiden befreundeten Maler Alfred Haller und Paul Ibenthaler (1920-2001) zu entdecken, die der gegenständlichen Malerei verpflichtet blieben. (js)

Die Ausstellungseröffnungen finden am 9. September um 11.15 Uhr im Markgräfler Museum im Blankenhorn-Palais Müllheim, 16 Uhr im Lörracher Ibenthaler Haus und 17 Uhr im Hebelsaal des Lörracher Dreiländermuseums (mit szenischer Lesung von Gedichten Gerta Hallers) statt.