In Lörrach öffnet ein Gratis-Restaurant. Auswärts essen ohne eine Rechnung serviert zu bekommen: Das gibt es nach Kenntnis des Initiators Kreuzweg, dem Verein für Diakonische Stadtarbeit, nirgendwo in Deutschland. Das Vorbild liegt aber ganz nahe: In Basel betreibt der Verein Elim dies seit langem erfolgreich. Verwirklicht wird das ungewöhnliche Projekt an der Teichstraße 24 im Stadtzentrum. Dort soll es auch Livemusik, ein Lerncafé, Kunsttherapie und Sozialarbeit geben. Der Betrieb ist finanziell gesichert, noch fehlt Geld für den laufenden Umbau.

Das Café und Restaurant

Wo Jochen Ballin im „Sounds“ bis Juli CDs und Schallplatten verkaufte, wird es weiter Musik geben, auch live. Der Plan sieht vor, den Gastronomiebetrieb von 19 bis 22 Uhr zu öffnen. „Wir wollen keinen Billigladen“, erklärt Robert Horvath vom Verein, „sondern es soll anspruchsvoll sein, eine Mischung aus englischem Pub und Kulturcafé, wo sich alle Bevölkerungsgruppen wohlfühlen, nicht nur Bedürftige.“ Hauptsächlich ehrenamtliche Mitarbeiter, auch aus Kirchengemeinden des Landkreises, bereiten das Essen zu.

Rechnungen werden den Gästen für ihren Konsum nicht ausgestellt; Spenden sind zwar willkommen, dazu aufgefordert werde jedoch nicht, „denn wir stehen nicht unter finanziellem Druck.“ Mit einer Einschränkung: Als Anschubfinanzierung fehlen noch 80 000 Euro, so viel wie der Verein selbst dafür bereits aus seiner eigenen Kasse einbrachte. Horvath betont: „Wir wollen kein Defizitbetrieb sein, dessen Loch in der Kasse die Stadt auffüllt.“ Wenn der Laden nach dem Start im Frühjahr mal läuft, greife das schlüssige Konzept, sind die Initiatoren sicher.

Das Gratis-Modell lebt vor allem von der Kooperation mit dem Verein Tafel Dreiländereck Lörrach-Weil am Rhein. Mit dessen Vorsitzendem Reinhard Ihl sei vereinbart, dort übriggebliebene Lebensmittel ans (noch namenlose) Gratis-Restaurant abzugeben. Nur die Abholung oder Lieferung hat Kreuzweg noch nicht organisiert. „Wir erhalten natürlich nur das, was übrig ist, aber selbst der Tafelladen bekommt nicht alle Ware weg“, sorgt Horvath sich nicht um den Wareneinsatz der Küche. Mal werde es Nudeln mit Sauce geben, mal einen Gemüseeintopf – was die Tafel so hergibt. „Wir wollen damit auch einen Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung leisten“, verweist Horvath auf tonnenweise Lebensmittel, die in Deutschland täglich weggeworfen werden. Der Basler Verein Diakonische Stadtarbeit Elim ist mit seinem Café Elim am Claragraben 143 in Kleinbasel das Vorbild, wobei er neben den Basler Tafeln von mehreren Stiftungen finanziell unterstützt wird. Horvath ist sicher: „Das schaffen wir auch.“

Was sonst noch angeboten wird

Als weitere Angebote geplant sind im sich im Umbau befindenden Haus an der Teichstraße nachmittags ein Lerncafé für Schüler, die von Pädagoginnen begleitet und gefördert werden, und kunsttherapeutisches Arbeiten. Die fachliche Kompetenz dafür besitzt der Verein: Vereinsvorsitzende Ellen Müller, die diese Sparte leitet, und Mitglied Lisa Gonlag sind Kunsttherapeutinnen. Im Obergeschoss des Gebäudes wird ein Büro eingerichtet, wo unter anderem ein Sozialpädagoge seinen Arbeitsplatz hat. Er wird die Bewohner der beiden Kreuzweg-Wohnprojekte im Nachbargebäude an der Spitalstraße und in einem Haus an der Mozartstraße betreuen.

Die Finanzierung des Projekts

In dem Haus wird eine 450-Euro-Kraft überwiegend pädagogisch arbeiten, aber auch praktisch mit anpacken wie auch ein Mitarbeiter mit einer weiteren 60-Prozentstelle. Für die Personalkosten und die Anschaffung von Inventar steht die Aktion Mensch ein. Anfang September erhielt Horvath, der beim Verein den Start des Projekts leitet, die Zusage dafür. 230 000 Euro sollen so in fünf Jahren als Unterstützung für den Verein Kreuzweg fließen. Die Stadt zahlt ihm für seine soziale Arbeit jährlich einen Zuschuss von 5400 Euro. So bleibt Kreuzweg nur der Ausgleich der Neben- und laufenden Kosten wie Benzin.

Miete muss er nicht zahlen. Die Eigentümergemeinschaft mit Robert und seiner Frau Angelika Horvath sowie Niki Malenica stellt das Gebäude kostenlos zur Verfügung. Sie bauen das Untergeschoss außerdem als Proberaum für Musiker aus.