Lörrach Gericht: Geldstrafe für Betreiber einer Shisha-Bar

Im März erleidet eine 19-Jährige in der Bar eine Kohlenmonoxid-Vergiftung. Zu viele Shishas, zu wenig Frischluft und deaktivierte Melder.

Kohlenmonoxid ist ein tückisches Gift. Der Mensch kann es weder sehen noch riechen, im schlimmsten Fall erstickt er aber innerlich daran. In einer Lörracher Shisha-Bar erlitt eine 19-Jährige im März vergangenen Jahres eine Kohlenmonoxid-Vergiftung und wurde bewusstlos. Das Amtsgericht hat nun gegen die beiden Betreiber der Shisha-Bar Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung erlassen. Ein Betreiber legte Einspruch ein, der andere willigte ein, die Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu zahlen.

Der Vorfall löste im März 2017 einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr aus. Die Rettungskräfte brachten die bewusstlose 19-Jährige ins Krankenhaus, wo sie nach einem Tag entlassen werden konnte. Insgesamt wurden 27 Personen evakuiert. Neben der 19-Jährigen stellten die Sanitäter bei zwei weiteren Personen leicht erhöhte CO-Werte im Blut fest.

Sie wurden mit Sauerstoff behandelt. Kohlenmonoxid entsteht in Shisha-Bars, wenn die Kohle für die Wasserpfeifen vorbereitet und angezündet wird und beim Rauchen. Die Ermittlungen der Polizei ergaben, dass zu wenig frische Luft in die Bar geblasen wurde und dass im Verhältnis zur Frisch- und Abluft zu viele Shishas gleichzeitig geraucht wurden.

CO-Melder bewusst deaktiviert

Außerdem seien die Kohlenmonoxid-melder bewusst deaktiviert worden, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Die Polizisten stellten fest, dass die Beschäftigten der Bar nicht über die Gefahren unterrichtet worden seien und auch keine Gefährdungsbeurteilung stattgefunden habe. Nach dem Vorfall durften die Betreiber vorübergehend keine Shishas mehr ausgeben.

Die Behörden ordneten an, den Abzug im Gastraum instand zu setzen, die Zuluft neu zu dimensionieren und in Zukunft nicht mehr Shishas auszugeben, als die Lüftung zulasse. Pro Shisha muss eine Lüftung mindestens 130 Kubikmeter Raumluft pro Stunde nach außen befördern. Außerdem musste die Dunstabzugshaube in dem Raum, wo die Kohlen angezündet werden, instand gesetzt und neue CO-Warngeräte angebracht werden. Laut Polizei haben die Betreiber die Maßnahmen umgesetzt.

Beim Antrag auf den Strafbefehl berücksichtigte die Staatsanwaltschaft, dass die nachweisbare Kohlenmonoxid-Konzentration in der Luft der Bar mit 35 ppm sehr deutlich am unteren Rande gelegen habe, sodass dauerhafte Gesundheitsschäden nicht erweislich waren. Die Staatsanwaltschaft vermutet zwar, dass die tatsächliche Konzentration höher gewesen sein dürfte. Aber letztendlich zähle nur, was erwiesen werden könne. Nachdem der zweite Betreiber Einspruch eingelegt hat, wird das Amtsgericht nun einen Termin für die Hauptverhandlung anberaumen. Die Betreiber wollten sich zu den Vorgängen nicht mehr äußern. Das Shisha-Rauchen gilt allgemein als gesundheitsgefährdend. Auch der Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung nimmt darauf Bezug. Dort steht: „Eine Wasserpfeifensitzung entspricht für jeden Teilnehmer dem Rauch von 100 Zigaretten.“

In einem Bericht des Spiegel über Kohlenmonoxidvergiftungen in deutschen Shisha-Bars sagte Sven Dreyer von der Uniklinik Düsseldorf, dass Shisha-Rauchen „ähnlich gesund sei, wie am Auspuff zu nuckeln“.

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