Wegen gewerbsmäßigen Diebstahls, in einem Fall sogar eines Diebstahls mit Waffen, hat eine 29-jährige Frau sich vor Gericht verantworten müssen. Sie hatte in Lörracher Märkten teure Gegenstände gestohlen, um sie zu verkaufen und damit ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Jetzt wurde sie zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Am 19. April 2017 war die Angeklagte in einen Elektronikmarkt gegangen, hatte eine 200 Euro teure Spielkonsole genommen, die Diebstahlsicherung entfernt und damit den Laden verlassen. Bereits drei Tage später kam sie in denselben Markt zurück und stahl ein weiteres dieser Geräte. Am 26. Mai ging sie in ein Warenhaus, wo sie teure Parfums, eine Handtasche und ein Set Kinderbesteck im Gesamtwert von 493 Euro einsteckte und den Laden verließ, ohne die Waren zu bezahlen. Am 29. Mai 2017 suchte die Frau wieder den Elektronikmarkt auf. Dieses mal steckte sie zwei Geräte für zusammen 400 Euro ein. Doch in diesem Fall wurde sie auf frischer Tat ertappt. Die Diebstähle gab sie zu.

„Ich hatte damals eine sehr schwere Zeit“, sagte die 29-Jährige vor Gericht aus. Sie hatte kein Einkommen, bezog keinerlei Unterstützung und musste ihre beiden Kinder ernähren. Auch vom Vater ihrer Kinder hatte sie keine Hilfe zu erwarten, er saß zu dieser Zeit im Gefängnis.

Die Angeklagte hatte einst die Hauptschule besucht und einen recht guten Abschluss geschafft, doch mit 16 Jahren war sie ins Drogenmilieu abgerutscht. Der jahrelange Konsum von Drogen löste bei ihr eine schwere chronische Krankheit aus, später steckte sie sich noch mit einer weiteren Krankheit an. Inzwischen nimmt die 29-Jährige keine Drogen mehr, bekommt aber vom Arzt Methadon als Drogenersatz.

Bereits im Warenhaus war die Frau vom Ladendetektiv beobachtet worden, der sie gestellt hat. Sie gab den Diebstahl zu, das Diebesgut blieb im Geschäft. Deshalb ging sie drei Tage später wieder in den Elektronikmarkt, wo die Diebstähle einen Monat früher geklappt hatten. Doch sie wurde dort von der Polizei festgenommen.

Bereits ihre ersten beiden Diebstähle dort waren auf Video aufgenommen worden, doch war der Verdacht der Polizei anhand der Aufzeichnungen zunächst auf eine andere Person gefallen. „Jetzt zeigte sich, dass es auch sie war, die die früheren Diebstähle begangen hat“, berichtete ein Polizist während der Verhandlung.

Die Angeklagte stand zu ihren Taten. Während das Diebesgut des letzten Falles sichergestellt wurde, hatte sie die beiden Spielgeräte aus den ersten beiden Diebstählen bereits zu Geld gemacht. Sie habe damals kein Hartz IV beantragt, weil sie mit allem überfordert gewesen sei und sich geschämt habe. Inzwischen habe sie aber gelernt, Hilfe anzunehmen und habe ihr Leben besser im Griff.

Erschwerend kam allerdings hinzu, dass die Angeklagte, als sie im letzten Fall von der Polizei gestellt wurde, ein Messer in ihrer Handtasche hatte. Das habe sie dabei gehabt, weil ein Bekannter ihr blödsinnigerweise eingeredet habe, es sei immer besser, ein Messer zur Selbstverteidigung bei sich zu führen, so sagte sie aus. In diesem Moment habe sie aber gar nicht mehr an das Messer gedacht, und sie hätte es auch niemals benutzt, versicherte sie.

Dass sie nicht daran gedacht hatte, nahm man ihr im Gerichtssaal aber nicht ab. Auch wenn das Messer nicht benutzt wird, bedeutet es eine abstrakte Gefährlichkeit, und wenn man es bei einem Diebstahl bei sich trägt, wird das als „Diebstahl mit Waffen“ strenger bestraft. Staatsanwältin Theresa Barth forderte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten. Diese könne zur Bewährung ausgesetzt werden, da die Frau noch nie zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war und sich ihr Leben einigermaßen stabilisiert hatte. Die 29-Jährige war wegen zwei Drogendelikten und eines Diebstahls vorbestraft.

Verteidiger Thomas Stump hielt den Antrag der Staatsanwaltschaft für human und angemessen. Er schloss sich ihm an und betonte, die Angeklagte sei auf einem guten, wenn auch steinigen Weg.

Auch das Gericht hielt dieses Strafmaß für richtig, zumal die Taten lange zurücklagen, seither keine neuen Delikte vorgefallen sind und die Angeklagte sich damals in einer schwierigen Situation befunden hatte, wie Richter Dietrich Bezzel feststellte. Er unterstellte die Frau allerdings der Aufsicht eines Bewährungshelfers.