Die meisten Freizeitgärtner im Außenbereich der Stadt entspannen sich auf ihren Grundstücken beim Gärtnern, Grillen und Chillen in der Illegalität – rein baurechtlich betrachtet. Wenige Gärten entsprechen den Bauvorschriften. Die Stadtverwaltung betreibt großen Aufwand damit, zu prüfen, ob Hütten genehmigt sind, sie abreißen zu lassen oder um Gärten genehmigungsfähig zu machen und Flächen mit Standorten auszuweisen, wo diese Bauten erlaubt sind. Auffallend dabei ist, dass die wenigsten Besitzer gut informiert sind.

Jürgen Böhler freut sich, wenn ein Kleingartenbesitzer bei ihm im 14. Stockwerk des Rathauses anruft, um sich nach gesetzlichen Bestimmungen zu erkundigen. Oder wenn jemand das auf der Website der Stadt hinterlegte Formular mit einer Anfrage für die Errichtung von Hütten ausfüllt und an den Fachbereich Stadtplanung, Baurecht und Umwelt sendet. Denn die Wenigsten wissen, was zu beachten ist. Böhler ist als Sachbearbeiter fürs Baurecht zuständig und beschäftigt sich etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit allein mit diesem Thema.

Gerätehütten lautet die Bezeichnung für die Bauten in einfachster Ausführung, weil sie nicht einmal stundenweise für den Aufenthalt darin geeignet sein dürfen – was fernab der Realität liegt, wie ein Blick dorthin zeigt, wo solche Hütten stehen: beispielsweise in Stetten Am Alten Weg, oberhalb davon auf dem Tüllinger Berg und auf dem Hünerberg Süd in Lörrach, auf dem Bühl in Brombach sowie in den Gebieten Stutz/Brendle und Schnellberg/Steinkeller in Haagen. „Wir kapitulieren nicht“, sagt Böhler auf Anfrage dieser Zeitung, was angesichts der Vielzahl an ungenehmigten Bauten trotzig erscheint. Denn von den Hütten, die das Trinationale Umweltzentrum (Truz) aus Weil am Rhein im Jahr 2008 allein auf der Lörracher Seite des Tüllinger erfasste, „sind die wenigsten genehmigungsfähig“, stellte Böhler nach der Überprüfung von knapp 60 davon fest.

Ein kurioser Fall von vor einigen Monaten beschreibt das fehlende Bewusstsein: Da mieteten Lörracher ein Grundstück im Außenbereich von jemandem, dem dieses Fleckchen Erde gar nicht gehörte und der dazu nicht berechtigt war. Sie schafften Gartengeräte an und bauten an der Hütte an. Erst als sie angezeigt wurden, flog der Schwindel auf.

Erfolgreich ist das Engagement der Stadt am Tüllinger dennoch: Etwa 20 Hütten wurden abgebaut. „Das erreichten wir mit gutem Zureden“, betont Böhler. „Wir versuchen das gütlich zu regeln.“ Dies sei zwar wie die Prüfung der baurechtlichen Situation sehr aufwändig, biete aber einen großen Vorteil, sagt Fachbereichsleiterin Regine Held: „Bauherren akzeptieren dies besser als ein Urteil eines Richters.“ Die Stadt gewann schon mehrere gerichtliche Auseinandersetzungen, will diese nun aber vermeiden. Sie führten oft zu Vergleichen und Gnadenfristen für den Abbau.

Wildwuchs in Außenbereichen ist kein Lörracher Phänomen. Der Kampf der Behörden gleicht dem gegen Windmühlen: „Geht man einem Hinweis nach, findet man drei andere überprüfenswerte oder bedenkliche Sachverhalte“, ist Böhlers Erfahrung. Dabei geht es nicht nur um die zulässige Größe der Hütten von höchstens 20 Kubikmetern, sondern auch um Zäune und Sichtschutzwände, die unerwünschte Barrieren bilden.

Diese Eingriffe in die Natur tragen zur Zersiedlung der Kulturlandschaft bei. Was einzelnen Freizeitgärtnern Genuss bringt, wirkt sich negativ aufs Landschaftsbild und die ökologische Funktion aus und mindert die Erholungswirkung der Landschaft für die Allgemeinheit, erklärt die Stadtverwaltung die Vorschriften. Auf dem Tüllinger überlappen sich zwei naturschutzrechtliche Zonen, die dazu dienen, die Kulturlandschaft zu bewahren: Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet schützt die Vögel und ist dort größer als das Landschaftsschutzgebiet.

Die Stadt weist auch stetig Flächen für Gartenhäuser aus. Sie stellt Bebauungspläne mit klaren Regeln dafür auf. Dies geschah zuletzt im Gebiet First/Schlatt am Hünerberg Süd; das Gebiet Am alten Weg soll in Richtung Wiese erweitert werden, obwohl es teilweise im Landschaftsschutzgebiet liegt. Ob damit das Ziel erreicht wird, städtebauliche Ordnung zu gewährleisten und der Erstellung von Gartenhäusern im sonstigen Außenbereich entgegenzuwirken, ist kaum messbar.

Die Gartenhausgebiete überwacht die Stadt Lörrach nicht. „Die Situation dort ist teilweise haarsträubend“, sagt Böhler.