Lörrach – Äsche, Barbe und Lachs sollen in Zukunft durch die Wiese schwimmen können, flussaufwärts wie flussabwärts. So sieht es das Wasserhaushaltsgesetz vor. Doch bisher hindern die Stauwehren die Fische daran. Die Betreiber der Wasserkraftwerke müssen nun Aufstiegs- und Abstiegsanlagen einbauen, was mit hohen Kosten verbunden ist. Am Brombacher Wehr wird aktuell gebaut. In Haagen hingegen sträubt sich der Betreiber – trotz eines rechtskräftigen Urteils.

Große Baumaschinen sind am Brombacher Stauwehr im Einsatz, um einen sogenannten Vertical Slot Fischpass zu bauen. Das ist eine Treppe, über die Fische den Höhenunterschied des Stauwehrs bewältigen können. Beim Aufstieg schwimmen die Tiere durch vertikale Schlitze in den Trennwänden von Becken zu Becken. Einer Veröffentlichung des Umweltbundesamtes zufolge können sich die Fische in den Becken gut orientieren und ausruhen.

Eine weitere Anlage dient dem Abstieg. „Auch dabei orientieren sich die Fische am stärksten Strom“, sagt Hannes Nieder vom Landratsamt Lörrach. Die Anlage ist folgendermaßen konstruiert: Vor der Turbine, wo die Fische hinschwimmen, befindet sich ein Rechen. Der hat zwei Öffnungen an den Seiten. Die Fische fallen hinein und werden in die Abstiegsrinne geleitet. Die Anlage wurde im Jahr 1985 komplett umgebaut. Das Landratsamt erteilte 2015 eine neue wasserrechtliche Zulassung und knüpfte diese an gewässerökologische Anforderungen. „Das heißt, dass beim künftigen Anlagenbetrieb die Durchgängigkeit für auf- und absteigende Fische sowie der Fischschutz sicherzustellen ist“, teilt das Landratsamt mit. Der Inhaber der Anlage wollte sich gegenüber der Badischen Zeitung nicht äußern. Auch beim Wasserkraftwerk in Haagen muss gebaut werden. Doch der Betreiber sträubt sich. Manfred Lüttke hält alle Anteile an der Wuhrgenossenschaft Haagen und ging bereits vor Gericht gegen die neuen Verpflichtungen des Landratsamtes vor. Lüttke möchte keine Abstiegsanlage bauen. Seine Argumentation war, dass die Maßnahme nicht erforderlich sei, weil der Lachs ausgestorben und die Wiederansiedlung trotz jahrzehntelanger Versuche nicht gelungen sei.

Das Verwaltungsgericht Freiburg wies die Klage ab und gab dem Landratsamt recht. Doch Lüttke beharrt auf seiner Position. „Absteigende Lachse sind Phantomgebilde. Genauso könnten sie versuchen, den Säbelzahntiger wieder anzusiedeln, das wird nicht funktionieren.“ Die Anforderungen des Landratsamtes seien zu hoch und griffen in den Besitzstand ein. Aber: „Ich bin daran interessiert, eine Lösung zu finden“, sagt Manfred Lüttke. Er weist außerdem darauf hin, dass die Stauwehren gebaut wurden, um die Schleppkraft der Wiese zu verringern. Damit sorgten sie dafür, dass der Fluss sich nicht eingrabe und den Grundwasserspiegel absacken lasse.

Die Vorgaben entspringen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die durch das Wasserhaushaltsgesetz in deutsches Recht umgesetzt worden ist. Ziel ist, den „guten ökologischen und chemischen“ Zustand der Oberflächengewässer zu erreichen. Ein Fluss wird als ökologisch gut ausgewiesen, wenn er seinem natürlichen Zustand sehr nahe ist. Kriterien dafür sind unter anderem die Struktur von Ufer und Gewässersohle, die Durchlässigkeit, die Konzentration giftiger Stoffe, der Sauerstoffgehalt und die Temperatur.