Lörrach Entwicklung der hausärztlichen Versorgung ist besorgniserregend

Eine Bedarfsanalyse belegt drohenden Hausärztemangel in bestimmten Gebieten im Landkreis. Förderung soll den Beruf attraktiver machen.

Der Landkreis Lörrach ist im städtisch geprägten Süden mit Hausärzten gut versorgt, im Oberen Wiesental sogar sehr gut. In Schopfheim und dem Mittleren Wiesental gibt es jedoch zu wenig Hausärzte. Und das Problem wird sich in den nächsten Jahren vergrößern: 45 Prozent der Hausärzte im Landkreis sind 60 Jahre und älter und gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand.

Die Ausgangslage: Aufgrund eines Antrags aus der Gesundheitskonferenz hat der Kreistag im November 2016 beschlossen, eine kleinräumige Bedarfsanalyse der hausärztlichen Versorgung zu erstellen. Dazu wurden alle 149 Hausärzte angeschrieben, 70 Prozent von ihnen haben an der Befragung teilgenommen. Insgesamt ist der Kreis mit Hausärzten gut versorgt. Schaut man genauer hin, ergibt sich ein unterschiedliches Bild. Der Raum Lörrach-Weil-Markgräflerland und und der westliche Teil des Oberen Wiesentals sind mit 114 beziehungsweise 115 Prozent sehr gut versorgt. Mit 105 Prozent ist auch der Hochrhein gut versorgt. Der Westteil des Oberen Wiesentals Richtung Feldberg ist mit 191 Prozent sogar deutlich überversorgt. Im Mittleren Wiesental liegt die Versorgung hingegen bei mageren 78 Prozent. Das liegt auch nach den Kriterien der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) an der Grenze zur Unterversorgung.

Während man von 95,8 Prozent der Flächen des Landkreises innerhalb von zehn Minuten einen Hausarzt erreichen kann, muss man von Schopfheim aus schon längere Wege in Kauf nehmen, um zu einem Hausarzt mit freien Kapazitäten zu gelangen. Weil Ärzte ihre Tätigkeit beenden, wird die Versorgung im Mittleren Wiesental in den kommenden Jahren sogar auf 59 Prozent abfallen. Deshalb sind inzwischen alle drei Mittelbereiche geöffnet, es können sich dort sieben Hausärzte niederlassen. 32 Hausärzte wollen in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis aufgeben. Nur fünf haben einen Nachfolger. Zwei Drittel der Hausarztpraxen im Kreis sind Einzelpraxen – eine Form, die junge Ärzte oft nicht wünschen. Zudem lassen sich Ärzte meist dort nieder, wo sie ihre Facharztausbildung absolviert haben, und das sind im Kreis unterdurchschnittlich wenige. Auch die hohe und unregelmäßige Arbeitszeit schreckt junge Ärzte ab, ebenso die Bürokratie sowie ein nicht angemessenes Einkommen, angesichts eines hohen Risikos von Regressforderungen.

Viele wünschen sich Investitionshilfen zur Praxisgründung, einen Zuschlag für Landärzte oder eine gute kommunale Infrastruktur mit Kinderbetreuung, Kultur oder einer positiven Aufnahme in der Gemeinde. Der Fachbereich empfiehlt, diesen Wünschen nachzugehen. Weiterhin soll die Weiterbildung für Allgemeinmediziner gestärkt werden. Konkret soll mit 30 000 Euro jährlich eine Rotationsstelle Allgemeinmedizin geschaffen werden, da die Ausbildung von Allgemeinmedizinern für Krankenhäuser weniger interessant ist. Zudem sollen Weiterbildungsassistenten gefördert werden. Gezielt will der Landkreis schon bei Medizinstudenten Werbung machen. Dem hat der Ausschuss zugestimmt. Bei der KV soll ein Antrag auf Förderung für Hausärzte im Raum Schopfheim gestellt werden. Gemeinschaftspraxen und Ärztehäuser sollen unterstützt werden.

Die Stadt Schopfheim werde in dieser Hinsicht bereits aktiv und bittet den Kreis um Unterstützung, sagte Bürgermeister Christof Nitz (CDU). Er lobte die Bestandsaufnahme. Für Gabriele Weber (SPD) zeigt sie, dass sich gewisse Sorgen sehr greifbar erklären lassen. Man müsse die KV daher in die Pflicht nehmen. „Richtig besorgniserregend“ nannte Willibald Kerscher (Unabhängige) die Ergebnisse. Die Bürokratie und die immer stärkere Einengung der Kompetenz nannte er als Grund, weshalb der Hausarztberuf nicht mehr so attraktiv sei. Das sei kommunalpolitisch nicht zu beeinflussen, aber vor Ort könne man Maßnahmen treffen, um Ärzte zu unterstützen, sagte Margarete Kurfeß (Grüne). Klaus Eberhardt (SPD) regte an, die Einrichtung kommunaler Gesundheitszentren zu forcieren.

Fachärzte im Blick

Die Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz soll nun auch die fachärztliche Versorgung im Landkreis Lörrach analysieren, mit einem Schwerpunkt auf Psychiater. Dies hat der Verwaltungsausschuss dem Kreistag einstimmig empfohlen. Wie die Hausärzte unterliegen auch die meisten Fachärzte Zulassungsbeschränkungen und der Bedarfsplanung. Sie wird teils für den Landkreis, teils für die gesamte Region Hochrhein-Bodensee erstellt. In zwei Facharztgruppen ist derzeit eine Niederlassung möglich, nämlich eine Hautarzt-Stelle im Kreis Lörrach und 2,5 Stellen für Kinder- und Jugendpsychiater in der Region. Da die ambulante psychiatrische Versorgung äußerst heterogen ist, auch wegen der Differenzierung zwischen Nervenärzten, Psychiatern und Psychotherapeuten, soll hier eine vertiefte Analyse stattfinden.

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