Mit dem November hat für die Einzelhändler das Weihnachtsgeschäft begonnen – verbunden mit der Hoffnung auf gute Umsätze. Die sind nach einem aus Sicht des Einzelhandels schlechten Sommer nötig, gerade im Textil- und Schuhbereich ging es von der Frühjahrs- direkt in die Wintersaison. Hans-Werner Breuer, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Pro Lörrach, spricht von fehlender Frequenz in der Innenstadt, die gegenwärtig generell ein Problem sei und sich durch die Sommerhitze verstärkt habe.

„Es ist fatal, dass wir mit zwei langen Ferien arbeiten und leben müssen“, stellt Breuer fest und spricht dabei von allen Branchen. Was das zweitägige Herbstfest mit Kürbismarkt betrifft, kann Pro Lörrach in diesem Jahr wenigstens ein außerordentlich positives Resümee ziehen. Zum einen, und das sei der springende Punkt, habe den Einzelhändlern das Wetter in die Karten gespielt. Zum anderen sei die Kundenfrequenz insgesamt, also in der Stadt und in den Geschäften, höher gewesen als bei vergleichbaren Veranstaltungen. Beim Kürbisschnitzwettbewerb hätten sich mehr Kinder beteiligt denn je. Auf der Agenda der Änderungen, über die derzeit bei der Aktionsgemeinschaft nachgedacht werden, stehen Kürbismarkt und -schnitzwettbewerb also auf keinen Fall. „Das bleibt wie es ist“, versichert Breuer.

Der starke Umsatzrückgang der Sommermonate konnte nichtsdestotrotz nicht ausgeglichen werden. Beim Herbstfest hatte Pro Lörrach erneut einen Versuch gestartet, die Grabenstraße zu beleben. Der etwa auf der Hälfte der Achse positionierte Kletterturm wurde sehr gut angenommen. Bis zu diesem Punkt sei die Straße auch bevölkert gewesen, hat Peter Vogl von Sportmüller beobachtet. Auch, weil beim Café Family die Gastronomie auf die Straße ausgeweitet wurde, wie Hans-Werner Breuer hinzufügt. Wenn Aktivität da sei, kämen die Leute. Das müsse man erweitern und die Menschen binden, über Gastronomie oder andere Angebote. Dann habe man die Grabenstraße relativ schnell und unproblematisch belebt und im Griff. „Man muss trommeln. Wer trommelt, bekommt Frequenz“, so Breuers Fazit.

Die Gedanken, die man sich über die Grabenstraße macht, gehen freilich über die Feste hinaus. Bürgermeisterin Monica Neuhöfer-Avdic hat einen Gesamtkatalog aufgestellt, wie man das Straßenbild insgesamt korrigieren könnte – etwa im Hinblick auf Beschilderung, Papierkörbe, Stadtmöblierung, um da einen Stil hereinzubekommen. Auch Poller gehörten zu diesem Plan. „Im Moment gilt nach wie vor der Satz: Wenn die Grabenstraße nicht eine richtige Fußgängerzone wird, hängen wir da immer irgendwie zwischen Baum und Borke.“ Die Stadt, so findet Breuer, müsse jetzt einfach handeln.

Pro Lörrach engagiert sich auch für eine einheitliche Onlinepräsenz ihrer Mitglieder. Die Aktionsgemeinschaft hatte Informationen und einen Fragenkatalog verschickt und um Mitarbeit gebeten. Breuer zeigt sich im Gespräch mit dieser Zeitung enttäuscht über den Mangel an Rückmeldungen. Es tue sich wenig, stellt er fest. Die Fragen würden schleppend oder gar nicht beantwortet. Man wisse nicht einmal warum – ob die Mitglieder das Thema nicht angehen wollen, was ihnen missfalle. Ist es zu teuer, zu aufwändig? „Darüber müssen wir sehr ernsthaft nachdenken“, stellt der Pro Lörrach-Vorsitzende fest.

Als positives Beispiel nennt er eine kleine Händlerin in der Grabenstraße, die dem Thema lange Zeit skeptisch entgegenstand. Sie fragte sich, ob sie das finanziell stemmen könne und wie der Rücklauf sein werde. Mit der für Pro Lörrach arbeitenden Kommunikationsagentur Unknown erstellte sie eine neue Internetseite.

Der Erfolg gebe ihr Recht. Die Kunden, auch neue, die sich online kundig gemacht haben, kommen. Ein zweiter Schritt in diese Richtung wäre der Verkauf über Internet. Hier sieht Breuer Chancen – gerade auch in Zeiten des Klimawandels. Abends auf der Terrasse am Computer zu schauen, was man braucht und wo man es kriegt, sei angenehmer, als bei 35 Grad in den Laden zu gehen.