Was, bitteschön, heißt SAK? Vor 50 Jahren stand dieses Kürzel für Sozialer Arbeitskreis. Heute soll die Buchstabenkombination keine Abkürzung mehr sein, vielmehr ein Markenzeichen für Sozialpädagogik, Jugendkultur und Beschäftigungsinitiativen. Aus deren Reihen hat einmal jemand SAK mit „So arbeitet keiner“ übersetzt. Geschäftsführer Jürgen Rausch gefällt das. Auch wenn sich der SAK zum Sozialunternehmen gemausert hat, gebe es ihn durchaus, den typischen SAK-Geist, sagt Rausch im Gespräch zum 50-jährigen Bestehen der Einrichtung.

Die längste Zeit war der SAK geprägt von den beiden Gründerfiguren Sitterle und Wiesenhütter, aber Jürgen Rausch hat in den vergangenen acht Jahren zwischenzeitlich auch einen beträchtlichen Teil der 50-jährigen SAK-Geschichte gestaltet. Früher, sagt Rausch, habe der SAK als „Einrichtung für Schmuddelkinder“ gegolten und sei selbst „in der Schmuddelkinderecke“ gestanden. Heute verbergen sich hinter den drei Buchstaben ein Trägerverein, zwei gemeinnützige Gesellschaften und die fünf Arbeitsfelder Altes Wasserwerk, Schule, Zeit & Wissen, Land & Bau sowie Quartier.

Weg zum mittelständischen Betrieb

Insgesamt 170 Mitarbeiter kümmern sich um (sozial)pädagogische Angebote für Kinder, um Schulsozialarbeit, um Betreuungsangebote an Schulen, um Stadtteilarbeit, um Bildung und um den wissenschaftlichen Hintergrund, um Jugendkultur im Alten Wasserwerk und darum, problembeladene Menschen wieder zurück in Arbeit und Normalität zu führen.

Der SAK beackert ein weites Feld: Die Abteilung für Arbeitsbeschaffung produziert Saft von Streuobstwiesen.
Der SAK beackert ein weites Feld: Die Abteilung für Arbeitsbeschaffung produziert Saft von Streuobstwiesen. | Bild: Martin Schulte-Kellinghaus, SAK

„Ein Arbeitskreis sind wir gewiss nicht mehr“, sagt Rausch, der größten Wert auf Professionalisierung der Arbeit legt und auf die Einordnung von sozialem Engagement in den wissenschaftlichen Kontext – und somit auf die Objektivierbarkeit von Nächstenliebe. „Das Individuelle, Freie, ist gewichen“, erklärt der Geschäftsführer den Wandel des SAK von der spontanen Initiative aus dem Umfeld der früheren Pädagogischen Hochschule zum mittelständischen Betrieb.

Früher habe auch schon Vieles mit Vielem zusammengehangen, erklärt Rausch, „aber die Fäden waren dünn.“ Damals war die Arbeit auf die Gründerpersönlichkeiten Sitterle und Wiesenhütter zugeschnitten gewesen, heute brauche es Konzepte. Und doch gebe es ihn noch immer, den besonderen Spirit, den der SAK auch im Leitmotiv „Mut für Soziales“ ausdrücken möchte: Rausch spricht von produktiver Dynamik, vom Mitgestalten und sichtbar Machen.

Dieser typische Geist aus 50 Jahren unterscheide den SAK von anderen Einrichtungen. Er selbst, der es nach einer handwerklichen Lehre und sozialpädagogisch-religionswissenschaftlichen Studien zum Doktor der Erziehungswissenschaften und zum Hochschullehrer gebracht hatte, war innerhalb von zwei Wochen davon infiziert. Und seither erlebt er als Geschäftsführer, wie sich auch die Mitarbeiter schnell das typische SAK-Gen einverleiben.

Im Alten Wasserwerk gibt es Kultur für junge Leute.
Im Alten Wasserwerk gibt es Kultur für junge Leute. | Bild: JANOSCH KRUG

Für Rausch ist das ein wichtiger Faktor am Übergang von der 50-jährigen Geschichte zur Zukunft. Auf der einen Seite stehen handfeste Fakten. Wo auch immer der SAK tätig wird, sei es als Dienstleister auf der Basis von Verträgen mit kommunalen oder öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder auf Spendenbasis, muss stets „ein Nachweis der bestmöglichen Wirksamkeit“ (Rausch) erbracht werden.

Für den SAK-Geschäftsführer gehört solche Transparenz zur professionellen Arbeit dazu. Auf der anderen Seite denkt er, man müsse sich vielleicht auch wieder etwas aus den allzu engen Fesseln lösen und neben dem unternehmerischen Selbstverständnis die SAK-typischen Besonderheiten pflegen: Ideen zulassen, auch einmal unbequem sein, Demut zeigen, nicht glauben, alles besser zu wissen, sagen, was man kann und auch, was man nicht kann und die ethische Haltung zu pflegen, Fürsprecher der Kinder und Jugendlichen oder derjenigen zu sein, die vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind.

Für Rausch sind dies Elemente jener „produktiven Dynamik“, die den SAK „zukunftsfest“ machen kann. Zu diesem Wechselspiel aus ideellen und unternehmerischen Ansätzen gehört aber auch, das richtige Maß bei der Betriebsgröße zu finden. Zwar ist Rausch klar, dass bei immer mehr Mitarbeitern und bei den zahlreichen geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen das SAK-Ethos nicht von allen verkörpert werden kann.

Der Geschäftsführer des SAK Lörrach, Jürgen Rausch.
Der Geschäftsführer des SAK Lörrach, Jürgen Rausch. | Bild: SAK Lörrach

Mehr Unabhängigkeit als Ziel

Trotzdem glaubt er, der SAK müsse noch mehr wachsen, um die kritische Größe zu erreichen. Zu sehr sei der SAK noch von den Leistungsvereinbarungen mit den Städten Lörrach und Rheinfelden abhängig. Je mehr Auftraggeber hinzukämen, desto unabhängiger wäre der SAK etwa in den Geschäftsfeldern Schulkinderbetreuung, Schulsozialarbeit oder Quartiersarbeit, wenn einzelne kommunen einmal wieder zum Rotstift greifen müssen.

Eine ähnliche Entwicklung gab es bereits bei den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. In Zeiten der Vollbeschäftigung haben die Träger die Maßnahmen heruntergefahren. Der SAK gehört zwar zu den Dienstleistern, die noch präsent sind, wenn bei drohendem Abschwung vielleicht wieder mehr Maßnahmen gefördert werden. Aber auch hier hätte Rausch gerne eine breitere Basis.

Aber zunächst wird Ende des Monats gefeiert. Nicht mit vielen Reden, sondern mit einem zünftigen Oktoberfest, zu dem viele Ehemalige eingeladen sind, sei es aus der Jugendarbeit oder aus den Beschäftigungsprogrammen. Das Fest soll niederschwellig sein, auch neue Schichten mit dem SAK in Kontakt bringen und zeigen: So arbeitet keiner.

Termine: Oktoberfest zum 50-jährigen Bestehen mit Festzelt beim Schwimmbad am 28. und 29. September und am 3. Oktober.