Lörrach (gra) „Wir sind für jeden da, der in einem professionellen, niederschwelligen Rahmen einen neutralen Gesprächspartner sucht für Lebens- und Beziehungsfragen, der Impulse gibt“, sagt Dietmar Schimmer. Die Psychologische Beratungsstelle für Ehe-, Lebens- und Familienfragen (EFL) in Lörrach, eine von 15 Stellen in der Erzdiözese, habe für alle ein offenes Ohr, versichert der 63-Jährige, der Ende März in den Ruhestand tritt und die Leitung nach fast 20 Jahren zum 1. April an Susanne Fattah abgibt.

Die Nachfrage nach Beratung der 1976 von Pfarrer Schaft gegründeten Stelle, die seit 1989 hauptamtlich geleitet wird, sei stetig gestiegen, sagt Schimmer mit Blick auf die vergangenen 19 Jahre als Leiter. 2001 gab das Team der Beratungsstelle in Waldshut Starthilfe; 2013 wurde in Fahrnau eine Außensprechstunde eingerichtet. Den Übergang aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – aktuell sechs Berater und zwei Verwaltungskräfte – nennt Schimmer als weiteren Meilenstein.

Getragen wird die Einrichtung mit einem Jahresbudget von rund 350 000 Euro und einem Deputat von rund 2200 Beraterstunden von der Katholischen Kirchengemeinde Lörrach & Inzlingen; sie finanziert sich überwiegend aus Kirchensteuern des Erzbistums. Die Beratung ist aber konfessionell oder religiös offen. Evangelische und katholische Christen sowie Nichtreligiöse, meist aus einer Kirche Ausgetretene, machen je rund 30 Prozent aus.

Jeder zehnte Ratsuchende ist Moslem oder gehört einer anderen Religion an. Zunehmend kommen Menschen, die als Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind, stellt Schimmer fest. Auch sonst gebe es seitens des Trägers keinerlei Restriktionen. Die EFL hat auch Klienten aus der Schweiz und dem Elsass – nicht nur bei binationalen Paaren. „Bei uns ist im Sinne von Seelsorge erst einmal niemand falsch.“ Wer flexibel ist, wartet im Schnitt zwei Wochen auf einen Termin.

Natürlich schlage sich im Klientel die sich verändernde Familiensituation nieder, mit Patchwork-Familien und vielem mehr. „Bunt wie das Leben“, sagt Susanne Fattah. Die Diplom-Psychologin mit diversen Zusatzqualifikationen, die seit bald 20 Jahren in Südbaden zu Hause ist, aber zuletzt eine EFL in Hamburg geleitet hat, übernimmt zum 1. April die Leitung der EFL in Lörrach. Die 49-Jährige, die in Freiburg lebt, war vor dem Studium als Krankenschwester und Logopädin tätig, danach als Schulpsychologin im Schulamt Offenburg.

Klienten sind gehalten, pro Sitzung ein Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens als Eigenbeteiligung zu leisten. Der Landkreis hat die EFL wie das evangelische Pendant bei der Diakonie mit pauschal 15 000 Euro pro Jahr bezuschusst. Bis Mitte des Jahres wird eine leistungsbezogene Vergütung erprobt. Bei Trennung und Scheidung können bis zu vier Gespräche abgerechnet werden. Bei Paaren, die zusammen bleiben wollen – „unser Lieblingsgeschäft“ (Schimmer) – nur eine Stunde. Die EFL fühle sich durch die Neuregelung zu sehr eingeengt, bekennt deren scheidender Leiter, dessen Team von der Neuregelung mäßig begeistert sei, weil der Kreis als Zuschussgeber nicht nur bestimmen will, wer, sondern auch was und wie beraten wird. „Wenn wirklich das Kindeswohl im Zentrum steht, müssten auch Väter und Mütter, die alleine und nicht als Paar Rat suchen, bezuschusst werden“, findet Schirmer.

Termin: „Mann trifft Frau – Orgel trifft Film“, Lukas Grimm (Freiburg/Stuttgart) improvisiert zum Abschied von Dietmar Schimmer am heutigen Mittwoch, 20. März, 18 Uhr, an der Orgel der Bonifatiuskirche in Lörrach zu Kurzfilmen über Beziehungsthemen.