Welche Rolle spielt die wissenschaftliche Forschung an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg? Darüber streiten sich die DHBW, ihre Professoren und das Wissenschaftsministerium. Jetzt haben sich auch die Studierenden zu Wort gemeldet: Das Gutachten denunziere die Hochschule und deren Professoren, schreibt die Verfasste Studierendenschaft in einem offenen Brief an Winfried Kretschmann.

Losgetreten wurde die Diskussion durch eine Verfassungsbeschwerde von 34 Professoren der DHBW, unter anderem auch aus Lörrach. Die Professoren fordern mehr Freiheit der Wissenschaft. Daraufhin hat das Wissenschaftsministerium ein Gutachten erstellen lassen, in dem erklärt wird, die DHBW stehe im Hinblick auf Forschung „am Ende der Skala“.

Die Professoren der Dualen Hochschule seien mit ausbildungsbezogener Forschung in Zusammenarbeit mit den Partnerfirmen beauftragt – im Gegensatz zu anderen Hochschulen mit einem umfassenden Forschungsauftrag. Dagegen wehrt sich die DHBW. Theodor Sproll, Rektor der DHBW in Lörrach, hält das Gutachten für „absolut nicht nachvollziehbar“. Es entspreche nicht den Tatsachen, zumal immer mehr Praxisnähe in der Forschung gewünscht werde, sagt Sproll.

Nun äußert sich auch die Verfasste Studierendenschaft der DHBW. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann schreiben die Studierenden: „Die akademische Qualität der Hochschule im Hinblick auf akademische Lehre UND Forschung kann nicht angezweifelt werden.“ Vom Gutachten des Ministeriums seien die Studierenden „entsetzt und enttäuscht“. Es greife die Qualität der Abschlüsse an und denunziere die Hochschule und deren Professoren.

Weiter schreiben sie: „Die ProfessorInnen, MitarbeiterInnen und Studierenden der DHBW leisten trotz der ausbleibenden oder nur marginal vorhandenen Finanzierung von Forschung auch in diesem Bereich Bemerkenswertes.“ Die Studierenden könnten nicht nachvollziehen, „wieso die Landesregierung der DHBW offensichtlich bewusst Schaden zufügt.“ So sagt auch Maximilian Efinger, Studierendensprecher in Lörrach, er sei nicht davon begeistert, „dass man unsere Hochschule als drittklassig bezeichnet“. Das werte unter Umständen die Abschlüsse der Studierenden ab.

Zur Forschung an der DHBW sagt Rektor Sproll auf Nachfrage: „Wir müssen uns nicht verstecken.“ Anfangs habe der Schwerpunkt mehr auf der Lehre gelegen, aber seit Jahren sei auch die kooperative Forschung ein klarer Auftrag – praxisnah und angewandt. In Lörrach würden derzeit etwa 1,2 Millionen Euro Drittmittel für Forschungsprojekte verwendet, so Sproll. Darunter seien Projekte mit Unterstützung der Eberle-Stiftung oder in Kooperation mit dem Fraunhofer Institut. In Lörrach werde etwa am autonomen Fahren geforscht oder an der Arbeitswelt der Zukunft. In Kooperation mit der Universität Kassel wolle man zu einem Kompetenzcluster im Bereich Cyber Security werden.

Sproll sagt aber auch: „Wir sind keine Hochschule im neutralen Raum, sondern wir sind sehr stark im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext verankert und leisten da unseren Beitrag“. Zur Verfassungsbeschwerde und der Forderung einiger Professoren nach mehr Freiheit sagt er, die Stärke der DHBW sei gerade die Verbindung von Praxis und Theorie in enger Kooperation mit den Unternehmen. „Deshalb sollten wir auch offen sein für Vorschläge von unseren Partnern.“