In seinem Geburtsort Rümmingen galt Hermann Scherer als wunderlich. In der Kunstwelt fand der Bauernsohn und spätere große Expressionist aus dem Markgräflerland dagegen früh Beachtung. 1920 waren in der Basler Kunsthalle erstmals 23 Arbeiten des damals 27-Jährigen zu sehen. Ein Jahr später brach er für sich mit dem vorherrschenden Kunstverständnis. Die Kunsthalle zeigt ihn gleichwohl wieder, wenn auch mit Vorbehalten. Zum 125. Geburtstag würdigt jetzt das Lörracher Dreiländermuseum Hermann Scherer mit einer kleinen Ausstellung.

Museumsleiter Markus Moehring konnte aus dem eigenen Bestand schöpfen, der im Falle des Rümmingers nicht weniger als 119 Arbeiten umfasst. Gezeigt werden im Hebelsaal des Museums jetzt aber nur 25 Werke, darunter mit dem „Bildnis des Künstlerkollegen Otto Staiger“ (1925) auch das Scherer-Hauptwerk der Sammlung. Staiger gehörte im Mai 1927 zu den Grabrednern des im Alter von 34 Jahren an den Folgen einer Infektion verstorbenen Freundes. Ein knappes Jahr später widmete die Basler Kunsthalle Hermann Scherer eine Gedächtnisausstellung mit nicht weniger als 225 Exponaten, darunter zahlreichen Skulpturen, die im Werk des Künstlers einen hohen Rang einnehmen und auf dem Kunstmarkt heute sechsstellige Summen erzielen. Leider besitzt das Dreiländermuseum kein eigenes Beispiel. Gezeigt werden stattdessen Fotos, aber auch Skizzen und vor allem Holzschnitte, elf davon als Abzüge von eigener Hand aus den 1920er Jahren.

Scherer, der zunächst eine Steinmetzlehre in Lörrach absolviert hatte, um im Anschluss unter anderem für den Basler Bildhauer Carl Burckhardt an den beiden bis heute erhaltenen Brunnen-skulpturen vor dem Badischen Bahnhof zu arbeiten, suchte künstlerisch bald seinen eigenen Weg. Wegweisend waren für ihn vermutlich der Besuch einer Ausstellung Edvard Munchs im Kunsthaus Zürich 1922, vor allem aber die Begegnung im Jahr darauf mit Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938). Es folgten längere Besuche in dessen Domizil in Davos. Zurück in Basel bekennt sich Scherer jetzt ganz offen zum neuen Kunstverständnis und gründet Silvester 1924 zusammen mit Albert Müller und Paul Camenisch die expressionistischen Idealen verschriebene Künstlergruppe „Rot-Blau“, deren explosive (Primär-)Farbigkeit sich auch im Lörracher Otto-Staiger-Portrait niederschlägt.

Ohne Widerstand geht Scherers künstlerische Entwicklung in Richtung Avantgarde indes nicht vonstatten. Sein Freund und Mentor Kirchner, von dem er viel gelernt hat, wendet sich 1925 von ihm ab und wirft ihm „sklavische Nachahmung“ vor. In einer Ausstellung der Gruppe „Rot-Blau“, die wieder die Basler Kunsthalle ausrichtet, provozieren gleichzeitig einzelne Skulpturen aus Scherers Atelier. Sie werden als moralisch anstößig gewertet und ins Magazin verbannt.

Der Streit mit Kirchner, aus dessen Schatten er sich nie ganz hat befreien können, legt sich indes wieder und die beiden stellen 1926 erstmals zusammen in Dresden aus. Weitere Beteiligungen folgen, regelrecht wiederentdeckt wird Scherer nach seinem Tod aber erst in den 1980er Jahren, als der Stuttgarter Kunstverein ihm eine große Ausstellung ausrichtet und auch in Lörrach, sowohl im Vorgängerbau des heutigen Museums als auch in der Villa Aichele seine Werke gezeigt werden.

Auch in Rümmingen besinnt man sich des großen Sohnes wieder. Allerdings wurde sein zwar denkmalgeschützes Geburtshaus als wirtschaftlich nicht sanierbar eingestuft und 2014 abgerissen. Bürgermeisterin Daniela Meier bedauert das und möchte neben der heute bestehenden Hermann-Scherer-Straße gerne mehr tun. Markus Moehring konnte sich indes bereits über einen Neuzugang freuen. Der Museumskreis hat eine auf 1923 datierte Radierung von Ernst Ludwig Kirchner gekauft und sie dem Museum geschenkt. Dargestellt ist Hermann Scherer, den Blick wie in sich versunken.

Hermann Scherer, 24. Februar bis 22. April, Hebelsaal des Dreiländermuseums Lörrach: Di-So 11-18 Uhr; Vernissage: Freitag, 23. Februar 18 Uhr, Führung mit Martin Schwander, Scherer-Spezialist und Kurator bei der Riehener Fondation Beyeler. Mehr Infos: www.dreilaendermuseum.eu