Digitalisierung – was ist das eigentlich genau? Dieser und noch vielen weiteren Fragen sind die Studierenden des Studiengangs International Business mit der „Digicon International Conference – Experts in Digitalization“ an der Dualen Hochschule (DHBW) in Lörrach nachgegangen. Sie haben diese Fachtagung weitgehend selbst auf die Beine gestellt. Professoren und Unternehmer zeichneten dabei in ihren Vorträgen ein differenziertes Bild der Digitalisierung.

„Als Unternehmen kommt man an der Digitalisierung nicht vorbei“, sagt Ralph Gerdes von der Schopfheimer Firma Dreistern. Von der „Industrie 4.0“, also dem Zukunftsprojekt zur umfassenden Digitalisierung der industriellen Produktion, seien die regionalen Betriebe teils noch weit entfernt, meint Gerdes. Eine Firma, die für den Weg in die Zukunft einem Konzept, einer „Digital Story“, folgt, ist Endress+Hauser. Bisher herrschen in den Unternehmen noch Insellösungen vor, also voneinander getrennte Bereiche, die bereits digitalisiert sind. Diese miteinander zu verbinden und weitere zu erschließen sei Aufgabe der Zukunft, meint Managing Director Pieter F. de Koning. An der „Digicon“ habe er aus dem Vortrag von Heinrich Weber „Wie geht Produktentwicklung 4,0“ wichtige Impulse für eine Strategie zur Verbindung der einzelnen Elemente erhalten. „Das Format der Digicon ist klasse, die Vorträge waren kurzweilig und haben ein breites Publikum aus Mittelstand und Industrie erreicht“, meint Stefan Hagn (Head of Division, Human Resources bei Endress+Hauser).

Digitalisierung fördert auch Kaufrausch

Während die meisten Menschen in Deutschland bei der Digitalisierung wohl zuerst ans papierlose Lernen, an Videokonferenzen oder Telefonroboter in Unternehmen denken, treibt diese anderswo ganz andere Blüten: Am 11. November wird in China der „Singles Day“ begangen. Eigentlich ist es ein Tag für Alleinstehende, zu dem junge Chinesen Partys organisieren, um neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen. Inzwischen ist es aber auch der größte Onlineshopping-Tag der Welt. Bei diesem Kaufrausch gehen innerhalb von 24 Stunden 700 000 Transaktionen pro Sekunde durchs Netz. Erzielt wird dabei ein Umsatz von 30 Milliarden US-Dollar. Am nächsten Tag müssen etwa 800 Millionen Pakete quer durch China geschickt werden. „Das wäre ohne digitale Lösungen in der Logistikbranche nicht möglich“, sagt Professor Eckhart Hanser, Leiter des Kompetenzzentrums für agile IT-Prozesse an der DHBW in seinem Vortrag „Disruption durch Digitalisierung – Warum sich Firmen ändern müssen“. Darin führt er aus, dass Digitalisierung die Schnelllebigkeit weiter vorantreibe und dafür sorge, dass sich Aufgabenfelder sowie personelle Strukturen verändern.

Und weil die Digitalisierung eben in aller Munde ist und jeder der 15 Studierenden des Studiengangs International Business in den Partnerunternehmen unterschiedliche Erfahrungen dazu gemacht hat, war das Thema schnell gefunden.

Die Idee eine Tagung auszurichten, entstand im Lernalltag der Hochschule. Zunächst einmal theoretisch beschäftigte sich das Zweitsemester mit dem Aufbau und der Ausrichtung von Konferenzen und Tagungen, wie die beiden Mitorganisatorinnen Pilar Kaitinnis und Melanie Lang schildern. „Es ist toll, dass wir im Drittsemester an der DHBW nun die Chance hatten, die Theorie in die Praxis umzusetzen und eine Tagung zu organisieren“, sagt Melanie Lang. Die Fachhochschule habe die Studierenden bei ihrem Vorhaben tatkräftig unterstützt, allen voran Sebastian Feichtmair, Studiengangsleiter BWL-International Business, und Klaus Obert, Dozent im Marketingprojektmanagement. „Man lernt am besten, wenn man etwas macht und dafür auch die Verantwortung übernimmt“, sagt Feichtmair und ist nach der Expertentagung zufrieden mit der Veranstaltung sowie der Konzeption, Planung und Durchführung von den Studierenden. Zufriedenheit herrscht auch unter den Besuchern: „Es war wirklich eine schöne Tagung mit tollen Inhalten“, war beim Abschluss am späten Nachmittag zu hören. Nicht nur die Hände von Dozenten und Sebastian Feichtmair, sondern auch die der Studierenden werden zum Dank mehrmals geschüttelt.

Die Organisatoren des Studiengangs International Business um Melanie Lang und Pilar Kaitinnis hoffen wie Unternehmer und Verantwortliche der DHBW, dass es Tagungen dieser Art weiterhin an der Hochschule geben wird. Schließlich sind es solche Veranstaltungen, die das Credo der DHBW abbilden, nämlich theoretische Inhalte der Hochschule mit der Praxis in Partnerunternehmen zu verbinden.