Das Staatliche Schulamt Lörrach und das Regierungspräsidium Freiburg forcieren die Digitalisierung in den Schulen, und zwar in einem übergreifenden Ansatz von der Grundschule bis zu den Gymnasien und beruflichen Schulen. Im aktuellen Projekt geht es darum, Lehrer zu sensibilisieren für die Chancen digitaler Hilfsmittel. Im Alltag seien diese inzwischen zwar weit verbreitet, der Einsatz im schulischen Alltag aber stehe noch am Anfang, räumte Schulamtsdirektor Hans-Joachim Friedemann im Pressegespräch ein. Ein Fachtag soll da Impulse setzen.

Im Wintersport hat Deutschland bei den Olympischen Spielen in vielen Disziplinen ganz vorne mitgespielt. In der Disziplin Digitalisierung aber hinkt das Land international weiter hinterher. Gerade beim Transfer in das Bildungssystem sehe es im Vergleich „düster aus“, schildert Friedemann. Polen zum Beispiel gehe bereits dazu über, das klassische Schulbuch durch im Internet abgelegte Open Eductional Resources (ORE) zu ersetzen. Frankreich spreche gleich von der Révolution numérique, ergänzt der im Schulamt für Digitalisierung zuständige Schulrat Rudolf Schick. Genau darum aber gehe es – um revolutionäre Prozesse.

Hans-Joachim Friedemann (links) und Rudolf Schick blicken auf die Digitalisierung der ­Schulen. <em>Bild: Michael Baas</em>
Hans-Joachim Friedemann (links) und Rudolf Schick blicken auf die Digitalisierung der ­Schulen. Bild: Michael Baas

Deutschland aber habe da Nachholbedarf. Das beginnt mit fehlender Hardware und schlechter Infrastruktur. Da wird mit dem Digitalpakt des Bundes und dem Breitbandausbau, wie ihn der Zweckverband im Kreis gerade betreibt, derzeit zwar nachgebessert. Aber es fehlt auch am IT-Support für Schulen, ein Service, der viele Schulen überfordere. Friedemann könnte sich diesen perspektivisch denn auch als zentrale Dienstleistung an seiner Behörde angedockt vorstellen. Vor allem aber fehlt es an Bewusstsein und Know How – der Software sozusagen.

Hier setzt der Fachtag an, den das Schulamt mit dem Regierungspräsidium (RP) Freiburg und der Fachhochschule Nordwestschweiz Mitte März in Bad Säckingen ausrichtet und für den bereits 100 Anmeldungen vorliegen. Dabei gehe es zum Einen um eine breite Information und den Einstieg in digitale Fortbildung der Lehrerschaft, schildert Schick. Denn tatsächlich eröffneten digitale Techniken zusätzliche Optionen, beschleunigten und erleichterten Lernprozesse und böten neue pädagogische Spielräume. Diese reichten vom differenzierteren und individualisierten Lernen über eine einfachere und schnellere Erfolgskontrolle bis zum didigitalen Coaching außerhalb des Unterrichtes, skizziert Friedemann.

Ein zweites Ziel der Veranstaltung, zu der unter anderem Professor Frank Thissen von der Stuttgarter Hochschule für Medien angesagt ist, sei eine schulübergreifende Vernetzung. So soll der Blick für Schnittstellen zwischen Schultypen, zwischen Grund- und weiterführenden Schulen, zwischen Mittel- und Oberstufe durchlässiger werden und Brücken gebaut werden zu Ausbildungsträgern wie der Gewerbeakademie des Handwerks und der Industrie- und Handelskammer. Grundsätzlich sei das Ziel, auch im digitalen Kosmos nahtlose Übergänge zu schaffen, erläutert Schick. Dass mehr digital bessere Leistungen stimuliert, sei dagegen nicht absehbar. „Da ist nichts erwiesen“, sagt Friedemann. Einen Automatismus gebe es sicher nicht. Lernen müssten alle so oder so weiter selbst. Doch es wäre fahrlässig, das, was technisch möglich ist, nicht anzubieten. Das gilt für Schulen wie die ganze Gesellschaft. Da folge die Pädagogik der Technik wie die Medizin und andere Disziplinen.

Fachtag: „Schule digital“ 14. März, 14.30 bis 18.10 Uhr, Hauswirtschaftliche Schulen Bad Säckingen. Anmeldungen für Lehrer sind noch möglich beim Schulamt Lörrach.