Für die städtischen Mitarbeiter seien die sogenannten Netten Toiletten eine Zumutung, führte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) aus. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Die AUT-Mitglieder versprachen sich auch von der ins Auge gefassten Videoüberwachung keine Besserung.

Seit vielen Jahren sind die öffentlichen Toiletten im Rathaus ein schwieriges Thema. Die Stadtverwaltung unternahm in der jüngsten Vergangenheit mehrere Versuche, um für eine Besserung zu sorgen, das blieb jedoch erfolglos. Die Kosten für die Instandhaltung sind laut Annette Buchauer, der Leiterin des Fachbereichs Gebäudemanagement, in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegen. Nun sind im Erdgeschoss des Rathauses, wo sich die von Besuchern stark frequentierte Bürgerinsel befindet, getrennte Toiletten für Besucher und städtische Mitarbeiter eingerichtet worden.

Die Besucher-WCs im Erdgeschoss sind aber weiterhin oft geschlossen, weil sie gesäubert werden oder Handwerker sie wieder instand setzen müssen. Die Toiletten in den oberen Stockwerken können ebenfalls von Besuchern benutzt werden. Dafür müssen sie jedoch bei den städtischen Mitarbeitern die Schlüssel holen. Diese Regelung funktioniere gut, stellt die Stadtverwaltung fest. Problematisch seien die öffentlich zugänglichen WCs in der ersten und dritten Etage.

Ausschussmitglieder aller Fraktionen, die sich zu Wort meldeten, zeigten Verständnis für die häufigen Schließungen, die die Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Linken-Stadträtin Sabine Schumacher ausführlich erklärte. Sie hatte im Juli um Auskunft gebeten, warum die Toiletten Besuchern so oft nicht zur Verfügung stünden. Im Ausschuss bestand auch Einigkeit darüber, dass Besuchern des Rathauses öffentliche WCs angeboten werden sollen. Ein Patentrezept für das weitere Vorgehen hatte jedoch niemand.

Hebelpark sollte attraktiver werden

CDU-Stadträtin Ulrike Krämer erinnerte daran, wie die Stadtverwaltung bei der Umgestaltung des Hebelparks im vergangenen Jahr darauf hingewirkt habe, dass die dortigen Stammgäste ihren Treffpunkt vor das Rathaus verlegen mögen. Das sollte dazu dienen, dass der Park für andere Besucher attraktiver als früher werde und die Stadtverwaltung die problematische Klientel besser im Auge habe. Krämer mahnte, es sei weiterhin die Verantwortung der Stadt, diesen Menschen einen Ort für ihre Bedürfnisse zu bieten, was niemand im Ausschuss in Zweifel zog.

Bessere Vorschläge als die Versuche der Stadtverwaltung, wie dies allgemein verträglich geregelt werden könnte, gab es nicht. Von der Videoüberwachung, die im Bereich der Toiletten im Erdgeschoss des Rathauses und später in der im Zuge des Baus des Wohn- und Geschäftshauses Lö auf dem ehemaligen Postareal geplanten Tiefgarageneinheit Rathaus, Bahnhof und Landratsamt vorgesehen ist, erwartet niemand aus dem Ausschuss eine Lösung. Als notwendig erachten sie aber alle.

Die öffentlichen Toiletten im Erdgeschoss des Rathauses sind oft geschlossen, weil sie verdreckt oder defekt sind.
Die öffentlichen Toiletten im Erdgeschoss des Rathauses sind oft geschlossen, weil sie verdreckt oder defekt sind. | Bild: Peter Gerigk

Die Stadtverwaltung entwickelte in den vergangenen Monaten mehrere Strategien. Erfolgreich waren sie jedoch nicht, wie Neuhöfer-Avdic und Buchauer einräumten. Immerhin sei mit den neuen Toiletten für Rathausbesucher, die einen Abfluss am Boden haben, um besser gereinigt werden zu können, nun gewährleistet, dass städtische Mitarbeiter nicht der Belastung durch die Hinterlassenschaften der Rathausbesucher ausgesetzt sind.

Die Häufigkeit, dass diese wegen Beschädigungen oder Verschmutzung unbenutzbar sind, habe sich damit jedoch nicht geändert. Die Bilder der Toiletten, die die Stadtverwaltung im Ausschuss zeigte, seien im Gegensatz zum häufig angetroffenen Zustand der Einrichtungen harmlos, betonte Neuhöfer-Avdic. Man habe damit nicht schocken wollen, sagte sie, was immerhin eine Vorstellung davon vermittelte, wie es dort oft aussieht.

Das Problem mit den öffentlichen Toiletten ist altbekannt. Schumacher erinnerte daran, dass die Stadtverwaltung früher Münzen an die Menschen, die sich nun täglich vor dem Rathaus treffen, ausgegeben habe. So konnten sie die öffentlichen Toiletten in der Nähe des Rathauses nutzen, ohne Geld für die Benutzung zahlen zu müssen. Dies sei eine praktikable Lösung gewesen, bis diese Münzen irgendwann nicht mehr in die Automaten der Toiletten gepasst hätten. Neuhöfer-Avdic war damals noch nicht bei der Stadtverwaltung und kündigte an, zu prüfen, ob dies erneut möglich sei.