Lörrach (wik) Dass jemand jahrzehntelang bei einem Arbeitgeber bleibt, kommt heutzutage nur noch selten vor. Helmut Ressel ist seit 37 Jahren bei der Lebenshilfe Lörrach, seit 2008 als Geschäftsführer. Zum Monatsende geht er in den Ruhestand. Seine Arbeit prägte das Gesicht der Lebenshilfe. In dieser Zeit vollzog sie eine enorme Entwicklung. Und wie geht es bei der Einrichtung weiter? Neuer Geschäftsführer wird Philipp Bohner, der schon seit zehn Jahren bei der Lebenshilfe arbeitet und zurzeit den Bereich Arbeit leitet. Für Kontinuität dürfte also gesorgt sein.

1964 von Eltern geistig behinderter Kinder als Selbsthilfe-Verein gegründet, ist die Einrichtung heute ein Betrieb mit 250 Mitarbeitern. Die selbst gestellten Aufgaben und Arbeitsbereiche sind gewachsen, weiter entwickelt worden, neu entstanden. So zum Beispiel die Werkstatt für Behinderte, die viele Jahre in der Robert-Bosch-Straße war. Im Herbst 2008 zog die Werkstatt nach Haagen auf das Gelände der alten Weberei – ein Meilenstein in der Geschichte der Lebenshilfe. 350 Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung arbeiten heute in den Werkstätten in Haagen und in der Tumringer Straße.

Ein weiteres großes Projekt war die Gründung des Café „Glashaus“ am Chesterplatz: Der Integrationsbetrieb wurde 2006 eröffnet. Zwar dauerte es eine Zeit lang, bis sich das „Glashaus“ etabliert hat. „Aber dass es so gut angenommen wird, ist auch ein Zeichen dafür, wie offen die Lörracher für ein Projekt wie dieses sind“, so Ressel. Überhaupt wären viele Projekte gar nicht möglich gewesen, wenn die Menschen in der Region nicht stets eine so große Bereitschaft zur Inklusion gezeigt hätten. Für Außenarbeitsgruppen oder Wohngruppen mit der ambulanten Wohnbegleitung braucht es Akzeptanz.

Auch der Bereich „Wohnen“ hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Wohnheimplätze gibt es bei der Lebenshilfe nur noch 24. Aber 120 weitere Personen werden in Privatwohnungen betreut. Sie leben entweder allein oder in Wohngemeinschaften. In der Wohnanlage Kreuzstraße am Niederfeldplatz ist zudem eine Wohnschule, in der das Wohnen gelernt werden kann. Zurzeit baut die Lebenshilfe zudem ein Mehrfamilienhaus mit 14 Wohneinheiten. In elf davon werden Menschen mit Behinderung einziehen, drei Wohnungen werden frei vermietet. Wenn im Juli die ersten Mieter an der Kolpingstraße in der Nordstadt einziehen, ist Ressel bereits in Rente.

Sehr stark hat sich zudem der Kinder- und Jugendbereich entwickelt. Neben klassischen Angeboten wir Frühförderung ist die Begleitung von Kindern im Kindergarten und Schulen ein wichtiges Aufgabengebiet. 70 Mitarbeiter begleiten autistische Kinder und Jugendliche täglich zur Schule, weitere 40 Kinder werden im Kindergarten einzeln begleitet. Schon der frühere langjährige Geschäftsführer Christoph Meyer habe stets die Menschen im Blick gehabt, für die die Lebenshilfe arbeitet, erinnert Ressel. „Er hat immer die Strukturen an der Frage orientiert, was tut den Menschen gut. Und das ist bis heute so geblieben.“

Dankbar ist Ressel über die große Kooperationsbereitschaft der zahlreichen Partner, mit denen die Lebenshilfe zusammenarbeitet, darunter Wohnbau, Gevita, Altenwerk, SAK, Nellie Nashorn, Migros, Musikschule. Und dankbar ist er auch für den engagierten Verein, der bis heute das Fundament der Lebenshilfe ist.

Termin: Lebenshilfe-Tour mit Projekt von Morgan Finlay, Dienstag, 25. Juni, 13.30 Uhr, Lebenshilfe-Werkstatt in Haagen, Industriestraße 4.