Manuel Müller begleiteten zwiespältige Gefühle, als er seine neue Arbeitsstelle antrat. Die Turbulenzen in der Lörracher Feuerwehr unter seinem Vorgänger trübten Müllers Vorfreude darauf, sein Hobby zum Beruf machen zu können. Doch das ist längst Geschichte. Nach mehr als sieben Monaten als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr sagt er: „Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem ich es bereut hätte und ich nicht stolz auf diese Feuerwehr war.“ Hier blickt er auf wichtige Aufgaben voraus und schildert seine Eindrücke von der Wehr.

„Kompliment, was sie geleistet haben. Das Kommando hat die zwei Jahre gerockt“, lobte Müller beim Besuch dieser Zeitung in der Feuerwache an der Weiler Straße seine acht haupt- und vor allem die vielen ehrenamtlichen Kameraden für ihre Leistung, als sie ohne Müllers Vorgänger Christian Heske auskommen mussten. Müller lobt den sehr guten Kontakt mit dem stellvertretenden Kommandanten Stephan Schepperle und Kommandanten der Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr. Es herrsche ein offener, ehrlicher Umgang miteinander – nicht nur unter Kameraden: Müller lobt Klaus Dullisch (Straßen, Verkehr, Sicherheit): „Ich habe noch nie einen so guten Fachbereichsleiter kennengelernt. Auch unser Vorstand, Oberbürgermeister Jörg Lutz und Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic, hat immer ein offenes Ohr für uns.“

Entscheidungen sind bereits gefallen, vor allem für die Fortbildung und Mitgliederwerbung. Eine Überlegung ist auch, die Infrastruktur mit vier Feuerwachen in Lörrach, Brombach, Haagen und Hauingen zu verändern. Es könnte eine Zentralisierung im Norden der Stadt anstehen – beschlossen ist das noch lange nicht. Das wäre eine große Baustelle, nicht nur hinsichtlich der Akzeptanz in der Wehr, sondern auch für den Haushalt.

Einsatz in der Spitalstraße (2018): Die Feuerwehr rückt täglich etwa dreimal aus.
Einsatz in der Spitalstraße (2018): Die Feuerwehr rückt täglich etwa dreimal aus. | Bild: Manuel Eckert

Bei der Feuerwehrbedarfsplanung für die nächsten fünf Jahre geht es um die nötige Entwicklung. Dazu gehöre diese Frage: „Macht es Sinn, die Feuerwachen in Haagen, Hauingen und Brombach aufrechtzuerhalten oder brauchen wir im nördlichen Bereich eine große, gemeinsame Feuerwache für diese Abteilungen?“ Müller meint, bei einer Zentralisierung könne man Synergien nutzen.

Im Ausschuss für Umwelt und Technik des Gemeinderats wies Müller im April darauf hin, dass der Fuhrpark erneuert werden muss. Bis 2025 summiert der Bedarf sich, wie er dort vortrug, auf 1,5 Millionen Euro, Müller schätzt ihn insgesamt auf mehr als 3 Millionen Euro. „Wir hinken bei Investitionen etwas hinterher.“ Beispielsweise werde der Oldtimer (Baujahr 1980) der Absturzsicherungsgruppe nun ersetzt. Es seien keine Ersatzteile für so alte Fahrzeuge mehr zu bekommen.

Der bei der Klausur auf dem Gisiboden gemeinsam entwickelte „Rote Faden“ diene dazu, Formen der Zusammenarbeit zu entwickeln. „Transparenz für die Gesamtwehr ist mir sehr wichtig“, betont Müller. „Ich wollte nicht herkommen und Änderungen anordnen, sondern dieses Wochenende mit dem Kommando verbringen, um eine Strategie zu entwickeln“, sagt er. Er habe Stadtverwaltung und Wehr mitgeteilt, dass seine Tür immer offen stehe. Das trifft auf die Landesfeuerwehrschule in Bruchsal nur bedingt zu. Da deren geringe Kapazität Wartezeiten von bis zu drei Jahren verursacht, „müssen wir selbst die Leute schulen“, begründet Müller die neue Personalstelle, für die es drei Bewerber aus Lörrach gibt. Bei etwa drei täglichen Einsätzen könne das Ehrenamt nicht auch noch damit belastet werden – zumal Müller anerkennt: Die Unterstützung von Arbeitgebern für ehrenamtliche Feuerwehrleute „ist hier in der Region stark ausgeprägt“. Auch Müller fehlt noch ein Jahr in der Brandinspektor-Ausbildung. Ziel sei es, im April 2020 damit zu beginnen. „Wir könnten damit aber auch noch ein weiteres Jahr warten.“ Zunächst wolle er seine Projekte starten.

Etwa die Mitgliederwerbung. Ihm schwebe ein großer statt vieler kleiner Schritte vor: „Ich will kein Stückwerk, sondern eine Kampagne.“ Sogar einen Imagefilm soll es geben. „Nach den schlechten Schlagzeilen, die für Neubewerber nicht attraktiv waren, wollen wir begeistern.“