Der Anteil der über 60-Jährigen, der in Lörrach derzeit bei knapp 26 Prozent liegt, wird wohl bis 2030 auf mehr als 30 Prozent steigen. Zugleich gibt es immer mehr Hochbetagte und Pflegebedürftige. Ein Bericht des Fachbereichs Bürgerdienste, der am Donnerstag im Hauptausschuss vorgestellt wurde, thematisiert diese Entwicklung und die Konsequenzen. Auch die Fraktionen haben den demografischen Wandel im Blick, CDU, SPD und Grüne stellten im vergangenen Jahr Anträge dazu.

Der Bericht verdeutlicht, wie sehr das Thema demografischer Wandel auch vor Ort unter den Nägeln brennt. Schon heute fehlten in Lörrach Plätze in Pflegeeinrichtungen. 400 Plätze für Langzeitpflege gibt es in fünf Einrichtungen, gebraucht würden rund 670. Viele müssen auf das Umland ausweichen.

Da es ab September 2019 nur noch Einbettzimmer geben darf, fallen Plätze weg, freilich gibt es Pläne für Neubau und Erweiterung. Das wird freilich nicht annähernd reichen, um den wachsenden Bedarf zu decken. Dringend fehlen auch Plätze für die Kurzzeitpflege, um Angehörige zu entlasten, und in der Tagespflege, damit pflegende Angehörige ihrem Beruf nachgehen können. Ambulant betreute Wohngemeinschaften gibt es bisher nicht. Dass auf dem Areal Conrad demnächst zwei entstehen, ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch seniorengerechte Wohnungen mit Betreuungsangeboten wird es in Zukunft mehr brauchen. Bis 2030, heißt es in dem von Geraldine Dannecker unterzeichneten Bericht, sollten 360 betreute Seniorenwohnungen zur Verfügung stehen.

Der Landkreis hat bereits im Mai 2017 einen Teilhabeplan IV-Senioren verabschiedet, der die unterschiedlichen Handlungsfelder zwischen Wohnen, Alltag, Soziales und Mobilität als Querschnittsaufgabe beschreibt. Eine ganze Reihe von Handlungsfeldern ergibt sich daraus auch für die Stadt Lörrach. So gilt es die Pflegeinfrastruktur in den unterschiedlichen Formen auszubauen. Vor allem in den Ortsteilen fehlen stationäre Einrichtungen bisher ganz, vermerkt der Bericht. Hier ist ein Teil des Neubaugebietes Neumatt-Brunnwasser zwischen Haagen und Hauingen als mögliche Fläche angedacht. Ambulante Netzwerke und alternative Wohnformen gelte es zu fördern.

Freilich sei auch ein „Umdenken von einer Versorgungsgesellschaft hin zu einer Mitwirkungsgesellschaft erforderlich“ – sprich: Im Rahmen von Quartiersentwicklung müsse auch auf gegenseitige Hilfe gesetzt werden. Dies könne dazu beitragen, dass Menschen länger zu Hause bleiben können. In Tumringen und Stetten gibt es bereits gute Ansätze. Beim Land kann eine Förderung der Quartiersentwicklung beantragt werden, das ist für Stetten bereits in Arbeit.

Begegnungsorte in allen Stadtteilen, Einbinden von Ehrenamt, Bewegungsangebote, eine wohnortnahe Versorgung etwa mit Geschäften oder Ärzten, guter Nahverkehr – all das müsse berücksichtigt werden und mache den demografischen Wandel zu einer Herausforderung auf vielen Ebenen.