Schopfheim/Wehr – Schopfheim, Wehr und Lörrach bekommen den Blues. Im Rahmen des 3. Dreyland Bluesfestivals werden am letzten Augustwochenende namhafte Blues-Musiker bei insgesamt fünf Konzerten zu erleben sein.

Die Herzen von Josef Wagner, Klaus Deuss, Manfred Bockey und Klaus Fleck schlagen für den Blues. Sie sind die Aktiven im Schopfheimer Verein „Jazz und Blues Südbaden – exBluesive e.V.“ und die Initiatoren eines in seiner Konzeption einzigartigen regionalen Blues-Festivals. Auf einem von ihnen gemeinsam mit Bürgermeister Dirk Harscher anberaumten Pressetermin erläutern sie kürzlich ihre Beweggründe.

Bis ins Jahr 2022 soll anhand der geladenen Künstler und ihrer Musik die Geschichte des Blues für das Publikum erleb- und hörbar gemacht werden. So lag im Vorjahr der musikalische Schwerpunkt des Festivals auf dem urwüchsigen Blues des Mississippi-Deltas, der US-amerikanischen Geburtsstätte des Blues. Im Zuge der in den 1930er Jahren einsetzenden Abwanderung der verarmten schwarzen Bevölkerung gelangten viele Musiker in den bereits industrialisierten Norden, vornehmlich nach Chicago und Detroit. Auf dem diesjährigen Dreyland-Bluesfestival erfährt die Geschichte des Blues folgerichtig eine Fortsetzung, unter dem Motto „Aus dem Delta nach Chicago“. So sind auch die aktuell verpflichteten Musiker allesamt Vertreter des Chicago Blues, einer seit Ende des Zweiten Weltkriegs elektrifizierten Variante des akustischen Delta Blues.

Das 3. Dreyland Bluesfestival startet am Freitag, 23. August, um 20 Uhr im Stadtpark Schopfheim mit einem Konzert des US-Amerikaners Toronzo Cannon. Der 1968 in Chicago geborene Künstler ist eines der musikalischen Highlights dieses Festivals. Sein kraftvoll virtuoses Gitarrenspiel und seine soulige Stimme erinnern an Giganten wie Jimi Hendrix und B.B. King, die er auch als seine Vorbilder benennt. Das 2013 mit dem Titel „John the Conqueror Root“ veröffentlichte dritte Album von Toronzo Cannon war als bestes Rock Blues Album des Jahres für den Blues Music Award nominiert.

Anschließend werden um 22 Uhr Tail Dragger & The Robbert Fossen Band die Bühne betreten. Der 1940 im amerikanischen Süden geborene Bluessänger Tail Dragger wurde nach seiner 1966 erfolgten Übersiedlung nach Chicago rasch zu einem festen Bestandteil der dortigen Clubszene. Da er häufig zu spät zu seinen Auftritten erschien, verpasste ihm sein Idol und langjähriger Spielpartner Howlin‘ Wolf den Künstlernamen Tail Dragger („to drag one‘s tail“ bedeutet im Slang soviel wie „herumtrödeln“).

Erst mit 56 Jahren – also ebenfalls leicht verspätet – veröffentlichte er sein erstes Album „Crawlin Kingsnake“. Seine Musik steht für den klassischen Chicago Blues der 1950er Jahre. In seinem Schopfheimer Konzert werden ihm Robert Fossen und seine Band zur Seite stehen. Der Niederländer Robert Fossen ist ein begeisterter Fan des Chicago Blues. Seine Formation gilt als eine der wenigen europäischen Bands, die in der Lage sind, diese Musik so zu spielen, wie sie klingen soll. Er war häufig in Chicago und hat mit Tail Dragger bereits etliche Tourneen bestritten.

Das Schopfheimer Konzert von Toronzo Cannon wird das einzige in Deutschland sein, das von Tail Dragger sogar das einzige in Europa. Schon allein diese Tatsache macht beide Auftritte zu etwas Einzigartigem. Auf dem Talschulplatz in Wehr werden am 24. August um 20 Uhr Ignaz Netzer & Mojo Kilian zu hören sein. Ignaz Netzer, Gewinner des German Blues Award 2015, wurde von der Presse als „Bluesmagier“ tituliert.

Er präsentiert eine interessante musikalische Melange aus Blues, Ragtime, Folk und Gospel sowie prägnante Eigenkompositionen. Mit ihm spielt der Frankfurter Mundharmonikaspieler Klaus „Mojo“ Kilian. Es folgen um 22 Uhr Willie Buck & The Muddy Waters Tribute Band. Der im US-Bundesstaat Mississippi geborene und nach Chicago gezogene Willie Buck steht für klassischen Chicago Blues. Er wurde in die Blues Hall of Fame aufgenommenen. In Chicago wurde sogar eine Straße nach ihm benannt: der „Honorary Blues Legend Willie Buck Way“.

Zum Abschluss des Dreyland Bluesfestivals wird allen Blues-Enthusiasten im Alten Wasserwerk Lörrach ein Zusatzkonzert mit der Mike Wheeler Band geboten. Sie zählt zu den derzeit angesagtesten Bands in Chicago. Bei einer Tour traf der Bandleader auf den deutschen Bluesmusiker Kai Strauss. Es folgten weitere gemeinsame Auftritte und die Produktion eines Kai Strauss-Albums, bei der Mike Wheeler als Gastmusiker mitwirkte. Beim Lörracher Konzert nun wird Kai Strauss als Special Guest mit der Mike Wheeler Band auf der Bühne stehen. Eine Besonderheit hat das diesjährige Festival zu bieten: Einen Bluesgottesdienst mit Ignaz Netzer in der Schopfheimer Kirche St. Michael (Sonntag, 15. August, 10 Uhr). Hier ist der Eintritt frei.

Nach Aussage von Klaus Deuss war und ist es dem Verein „Jazz und Blues Südbaden – exBluesive“ wichtig, musikalische Acts von hoher Qualität in die Region zu bringen. „Es ist uns nach wie vor ein großes Anliegen, nicht ‚irgendein‘ Festival zu machen, sondern das bestmögliche.“

Natürlich muss sich ein solch ambitioniertes Festival auch rechnen. Nach Aussage von Manfred Bockey erhofft sich der Verein allein in Schopfheim einen Zustrom von etwa 350 Besuchern bei einem moderaten Eintrittspreis von 15 Euro für jedes der Festivalkonzerte, um ohne Defizit aus dem Festival herauszukommen.