Zusätzliche Akzente bei der erfolgreichen Tanz-Reihe, reichlich jazzige Töne bei der Musik und viel Beethoven zu dessen 250. Geburtstag – das sind Kennzeichen der Burghof-Saison 2019/2020. Burghof-Chef Markus Muffler stellte das neue Saisonprogramm, das wie im vergangenen Jahr rund 100 Veranstaltungen bietet, bei einer öffentlichen Veranstaltung vor. Mit der nächsten Saison möchte Muffler möglichst an die eben abgelaufene Spielzeit anknüpfen, die von einem guten Publikumszuspruch geprägt war.

Zahlen 2018/19 als solide Basis

Der Blick auf die neue Burghof-Saison erfolgt aus komfortabler Warte: Ein Drittel aller Veranstaltungen der abgelaufenen Spielzeit waren ausverkauft oder zumindest so gut wie voll. Er sei noch ganz überwältigt, sagte Burghof-Chef Markus Muffler bei der Präsentation des neuen Programms. Die Bestätigung, dass Resonanz beim Publikum nicht gleichzeitig Programmverflachung voraussetzt, liefert die Tanzreihe. Trotz des ambitionierten, genrebedingt oft artifiziellen Ansatzes ziehen diese Veranstaltungen „500 Leute Minimum“, wie Muffler betont.

Und wenn es läuft, muss man nicht allzu viel ändern. Deswegen hat der Burghof nur wenige Stellschrauben verstellt und dort, wo der Erfolg erwartbar ist, noch einige kleine Windungen weitergedreht, etwa bei Tanz, Kabarett und Klassik. Schwerpunkt im Programm bleibt die Musik, die Muffler nun bereits im zweiten Jahr nicht mehr in (klassische) E-Musik und (unterhaltende) U-Musik unterteilt. Die Genres bleiben trotzdem erkennbar, bei der Klassik kommen dann die zusätzlich separat geführten Reihen „Kammermusik“ und „Junges Podium“ hinzu.

Kooperationen und Pakete

Vor allem bei der Klassik erntet der Burghof die Früchte von vieljähriger Zusammenarbeit mit einzelnen Künstlern oder großen, in der weiteren Region ansässigen Ensembles. Das gilt vor allem für das Sinfonieorchester Basel, das gleich zweimal mit großen Konzerten im Programm vertreten ist, ebenso für das Barockorchester Freiburg oder das Kammerorchester Basel. Unüberhörbar spielt sich in der Saison 2019/20 der Jazz in den Vordergrund. Das spiegelt sich auch bei einem der Abende, die als fertig geschnürtes Tournee-Paket in den Burghof kommen.

Erstmals gastieren die „Jazznights“ in Lörrach. Dabei handelt es sich um einen fertig arrangierten Abend mit Traditional Jazz, zusammengestellt vom bekannten Konzertveranstalter Karsten Jahnke. Dieser Abend ist sonst nur in großen Häusern wie der Elbphilharmonie, dem Münchener Gasteig-Kulturzentrum oder dem Festspielhaus Baden-Baden zu hören. Nach dem gleichen Muster funktioniert „Irish Spring“, eine Art Mini-Festival mit Irish Folk. Von Kooperationen profitiert der Burghof auch in der Tanz-Reihe. Mit zwei Produktionen ist das Haus im Frühsommer 2020 deutscher Spielort des Schweizer Festivals „Steps“.

Eigenproduktionen

Auch einige Eigenproduktionen hat der Burghof im neuen Programm. Die erfolgreiche, aber nur einmal gespielte szenisch-musikalische Lesung „Die Welt von gestern“ nach Stefan Zweig wird für eine weitere Vorstellung wieder aufgenommen. Außerdem beteiligt sich der Burghof an einer Kindertheaterproduktion und schließlich plant Markus Muffler ein dreitägiges Frank-Zappa-Event, bei dem es wie schon beim Fassbinder-Projekt um eine Annäherung an eine eigenwillige Künstlerpersönlichkeit geht.

Schwerpunkt Klassik

Auch wenn dieses Genre nicht mehr eigens ausgewiesen ist, so bildet die Klassik doch einen stabilen Pfeiler im Programm. Ein Höhepunkt wird das Gastspiel des Basler Sinfonieorchester, das ein Programm zu Beethoven und Mendelssohn Bartholdy bringt. Frank Peter Zimmermann ist Stargast an der Violine und die aus Freiburg stammende Schauspielerin Johanna Wokalek trägt Texte vor. Auch das zweite Konzert des Sinfonieorchesters Basel mit dem Titel „Beethoven 250“ wird mit Text kombiniert. Sprecher dabei ist Peter Simonischek. Regional und doch von internationaler Qualität ist das Barockorchester Freiburg, das in der kommenden Saison zusammen mit dem Ensemble Recherche nach Lörrach kommt und unter dem Titel „Venus und Adonis“ ganz alte und ganz neue Musik kombiniert. Ein vertrautes Ensemble neu zu entdecken gibt es beim Artemis Quartett, das erstmals ohne Eckart Runge im Burghof spielt. Vielversprechend ist das Konzert von Robert Neumann im Jungen Podium. Der junge Musiker aus Freiburg gilt als Ausnahmetalent am Klavier.

Nichtklassische Musik

Wer Jazz mag, hat in der kommenden Spielzeit häufiger einen Anlass, in den Burghof zu gehen. Die besagten „Jazznights“ sind ein Höhepunkt, das Gastspiel des Pasadena Roof Orchestras dürfte ein weiterer werden. Jazzig wird es auch beim Michael Wollny Trio, bei Sebastian Studnitzky, bei David Helbrock und sogar bei Juan de Marcos, der kubanischen Sound in diese Richtung interpretiert. Mit Wenzel und Ringsgwandl bringt der Burghof zwei Musiker, die nicht so recht in ein Klischee passen und in die Rubrik Entdeckungen passen zwei deutsche Frauen: Lisa Bassenge mit fast schwarzer Blues-Stimme und Yasi Hofer, eine bayrische E-Gitarren-Virtuosin. Eine Marke für sich ist Chilly Gonzales, ein in Köln lebender Klavier-Maniker, dessen Konzerte zuweilen Stunden dauern und gerne einmal im Bademantel gegeben werden.

Profil mit Tanz

Stark profilbildend ist die Reihe Tanz. Auch wegen der Kooperation mit dem Festival „Steps“ kann der Burghof in diesem Genre sieben Veranstaltungen bieten. Zwei rote Fäden verknüpfen die Veranstaltungen: Die Gastspiele in der kommenden Saison bieten häufig narrative Elemente und sind somit Tanztheater im eigentlichen Wortsinn. Und zweimal, bei Ballet Black und bei Philadanco, geht es um den Blick auf afrikanische oder afroamerikanische Kultur. Nicht fehlen dürfen die Klassiker: Vor Weihnachten gastiert das Russische Nationalballett mit „Schwanensee“ und „Dornröschen“ in zwei getrennten Aufführungen.

Kabarettreihe

Einen umfangreichen Teil des Programmhefts füllt die Kabarett-Reihe. Sissi Perlinger, Mathias Richling, Alfons, Jochen Malmsheimer, Urban Priol, Andreas Rebers Hagen Rether und natürlich die regelmäßigen Gäste Florian Schroeder und Volkmar Staub (letzterer gleich zweimal) stehen auf der Liste bekannter Namen. Weil ihr Auftritt in der vergangenen Saison schnell ausverkauft war, kommt die Newcomerin Hazel Brugger ein zweites Mal nach Lörrach und Abdelkarim bringt in bissiger Form die Migrantensicht auf die deutsche Gesellschaft auf die Bühne.

Kinderkultur

Kinder seien das ehrlichste Publikum, weshalb Kindertheater immer Theater vom Besten sein müsse, weil die kleinen Zuschauer sonst unruhig würden. Diese Erkenntnis stellte Birgit Degenhardt ihrer Präsentation der Kinderszene voran. Unter diesem Namen firmiert beim Burghof die Reihe aus Kindertheaterstücken. Ein Teil der Gastspiele wird im Herbst innerhalb der Kinderbuchmesse gezeigt.

Theater und Literatur

Nur noch „Theater und Literatur“ heißt eine kleine Sparte. Zum Auftakt der Reihe kommt eine „musikalische Korrespondenz“ zwischen der Musikerin Franziska Hölscher und Roger Willemsen auf die Bühne. Das Ensemble TMT bietet eine Textfassung von „Martin Luther und Thomas Münzer“. Regie führt Niggi Ullrich, der mit Markus Muffler auch für das Zappa-Projekt verantwortlich ist. Auch die Familie Flöz bespielt wieder die Burghof-Bühne, diesmal mit dem Stück „Teatro Delusio“.

Das komplette Programm 2019/2020 im Internet:
http://www.burghof.http://com