Um Kunst und jene, die sich damit befassen, ranken sich Klischees und geflügelte Worte, wie kreatives Chaos oder künstlerische Abgehobenheit. Die Nacht der offenen Ateliers am Samstag, 15. September, widerspricht diesen Zuschreibungen, denn Organisator Christoph Geisel und die teilnehmenden Künstler haben alles wohl durchdacht: nicht nur die Werkschauen in den Ateliers, sondern auch Laufwege und die kreative Führung der Besucher.

„Die Menschen sollen sich auf den Wegen durch die Stadt begegnen und ich glaube, dass dort durchaus Empfehlungen ausgetauscht werden“, sagt Geisel. Nachdem Mit-Ideengeber René Packeiser mit seinem Atelier aus der Innenstadt nach Brombach umzog, ist der Architekt und Fotograf nun schon zum dritten Mal alleiniger Organisator. Das klappe gut, meint Geisel. Schließlich liefen bei ihm zwar die Fäden zusammen, doch für die Gestaltung des Abends im jeweiligen Atelier sei jeder Künstler für sich der Veranstalter. Begegnung und vor allem Bewegung schafft die Nacht der offenen Ateliers auch unter den Künstlern, denn jedes Jahr müssen dafür neue Werke geschaffen werden.

Staunen, schauen, den Austausch suchen: Die Nacht der offenen Ateliers findet dieses Jahr am 15. September statt.
Staunen, schauen, den Austausch suchen: Die Nacht der offenen Ateliers findet dieses Jahr am 15. September statt. | Bild: Barbara Ruda

„Es würde der Freude an der Veranstaltung nicht gerecht, würden wir jedes Jahr dasselbe zeigen“, meint Geisel. Die geöffneten Ateliers Mitte September geben nicht nur den Besuchern die seltene Gelegenheit, mit Malern, Bildhauern oder Fotografen ins Gespräch zu kommen oder ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Auch für die Künstler ist es eine außergewöhnliche Situation, mit den Besuchern interagieren zu können. Vorbereitend nehmen sich die Künstler ein Motto vor, zu dem sie ihre Gedanken kurz gefasst und per SMS an Christoph Geisel schicken.

Damit hat jedes Atelier zum zuvor gesetzten Leitgedanken ein eigenes Motto, das im Flyer festgehalten wird und den Besuchern Orientierungshilfe bieten soll. In diesem Jahr soll folgende Frage eine Klammer geben: „Kunst kommt von Können – ist das mehr als Handwerk?“ Eine Weile dauere es stets, bis die Antworten via Smartphone eintrudeln. Jeder müsse sich schließlich seine Gedanken machen. Für den Besucher sei die Kombination aus Werken und Zitat interessant. Dadurch könne dieser sich schneller hineinversetzen in die Werke und Gedanken der Künstler, was bei der Auswahl helfen soll.

„Es ist nicht möglich, alle Ateliers in einer Nacht zu besuchen“, sagt Christoph Geisel und berichtet von einem Besucher, der das einmal versucht hat – mit dem Fahrrad. Erschöpft habe er um kurz nach 23 Uhr die Runde durch gehabt und immerhin zwei Werke erstanden. Deshalb ist auch die Auswahl der Ateliers mitsamt der Laufwege kein Zufall. „Es soll niemand auf die Idee kommen, ein Auto zu benutzen“, sagt Geisel. Darum können auch nicht alle anfragenden Ateliers in der Planung berücksichtigt werden. Auch soll die Veranstaltung kompakt bleiben.

Für Bewegung in der Kunstszene stehen nicht nur die Menschen, die in dieser Nacht von einem zum anderen Atelier unterwegs sind, sondern auch die ins Konzept integrierte Ausstellung in der Galerie Haus Sonne. Dort präsentieren die Künstler der Ateliergemeinschaft Schönfärberei die gemeinschaftlichen Werke, die sie in der Kulturnacht im Mai hergestellt haben. Dazu hatten sich verschiedene Künstler an den Haltestellen des Shuttle-Busses verteilt, die binnen weniger Minuten ihre Ideen zu Papier brachten.

Die Busreisenden transportierten das Gemälde dann von A nach B, bis es vom Künstler an der letzten Bushaltestelle komplettiert wurde. Insgesamt 28 Bilder sind auf diese Art entstanden. „Nur der Künstler an der letzten Bushaltestelle hat bisher die fertigen Werke gesehen und das bin ich“, meint Geisel. Jeder der Schönfärberei-Künstler wird zudem ein eigenes Bild ausstellen, damit die Besucher den jeweiligen Stil im Gemeinschaftswerk herauslesen können.

Das Freiraumkunstlager vereint wie die Ateliergemeinschaft Schönfärberei und das Atelier und Werkshaus K18 mehrere Künstler unter einem Dach. Diese haben Werke zum Thema „7“ erarbeitet, weil es die siebte Nacht der offenen Ateliers ist. Für Geisel könnte sich in Lörrach durchaus noch mehr für die Kunst bewegen. Immer ist er auf der Suche nach Ideen und Räumen für zentrale Projekte auch außerhalb der Nacht der offenen Ateliers.

Ateliernacht: Am Samstag, 15. September, 17 bis 23 Uhr, in der Lörracher Innenstadt.