Lörrach – Das Textilunternehmen Lauffenmühle GmbH & Co. KG steht vor dem Aus am 31. Juli. Davon betroffen sind am Standort Brombach 76 und am Hauptsitz in Lauchringen 166 Arbeitnehmer. Bis Sommer werden die Aufträge laut Insolvenzverwalter Philipp Grub „im Rahmen einer geordneten Ausproduktion“ abgearbeitet. Mit dem Betriebsrat und der IG Metall seien Verhandlungen zum Abschluss eines Interessensausgleichs und Sozialplans aufgenommen worden. Den Mitarbeitern wurde dies am Donnerstagmittag bei Betriebsversammlungen mitgeteilt.

Lauffenmühle hatte im Januar wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Insolvenz beantragt und wurde seither fortgeführt. Das Amtsgericht Waldshut-Tiengen eröffnete zum 1. April das Insolvenzverfahren. Grub von der Kanzlei Grub Brugger (Stuttgart) teilte dieser Zeitung mit, beim Veräußerungsprozess sei kein Investor oder Übernahmeinteressent gefunden worden, der eine Übernahme und Fortführung der Betriebe in Lauchringen und Lörrach sichert. Daher sei es erforderlich, den Geschäftsbetrieb einzustellen. Im Januar hatte Grub sich optimistisch gezeigt, dass das Ende abgewendet werden könnte. Das Produkt stimme, sagte er dieser Zeitung gegenüber und bewertete es als sehr positiv, dass Interessenten das Unternehmen bereits genau unter die Lupe nahmen: „Nun sind die Geschäftsführer gehalten, die richtigen Schritte zu machen.“

Der Lörracher Oberbürgermeister Jörg Lutz und Wirtschaftsförderin Marion Ziegler-Jung befanden sich seit dem Insolvenzantrag mit der Geschäftsführung im Austausch und waren mit möglichen Szenarien vertraut. Sie hofften bis Donnerstag, das Aus könne erneut abgewendet werden(siehe Hinter grund). Die Stadtverwaltung wolle zunächst das persönliche Gespräch mit den Geschäftsführern abwarten, bevor sie sich zur Entwicklung äußert, teilte sie auf Nachfrage mit.

Die Stadt hat sich im Herbst mit einer Vorkaufssatzung, die inzwischen in Kraft getreten ist, das Vorkaufsrecht für das 4 Hektar große Areal beim Haagensteg gesichert. Falls es auf dem Markt angeboten wird, wolle sie dies auch wahrnehmen, sagten Lutz und Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic bei einem Mediengespräch im Januar. Das Gelände solle auf jeden Fall Gewerbegebiet bleiben. „So weit sind wir aber noch nicht, das wäre erst ein nächster Schritt“, betonte Ziegler-Jung am Donnerstag auf BZ-Nachfrage. Dennoch lässt die Stadt derzeit den marktübliche Preis fürs Grundstück ermitteln.

Geschäftsführer Werner Ritzi betonte vor der Betriebsversammlung: „Wir haben gekämpft bis zum Schluss.“ Die Geschäftsleitung habe auf eine große Textilgruppe gehofft, die den Standort ausbauen würde. Die habe aber wegen der von ihr erkannten Risiken die Übernahme abgesagt. Zu den Vorwürfen eines Missmanagements meinte er: „Sagen sie mir ein Management, in dem kein Fehler gemacht wurde.“ Nach Ansicht von IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Franz Ritter wurden bei Lauffenmühle Managementfehler gemacht. „Das braucht man nicht zu verschweigen.“ Dies sagte beim wütenden Protest der Mitarbeiter in Lauchringen auch Betriebsratsvorsitzender Murat Atalay. Man habe sogar neue Produktionsrekorde aufgestellt. Die Beschäftigten leisteten in den letzten Monaten Überstunden und Sonderschichten. Die Belegschaft setze ihre letzte Hoffnung nun in die Direktanschriebe an weitere mögliche Investoren und Kunden. „Aufgeben kommt nicht in Frage“, so Atalay.

„Der Strukturwandel der Textilindustrie am Hochrhein hat mit der Insolvenz der Lauffenmühle sein trauriges Ende genommen“, kommentierte die SPD-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (Waldshut) die Entwicklung.