Wenn der Bagger gräbt, wird es kompliziert für die Stadt Lörrach. Bei Baustellen wie in der Basler Straße fällt überschüssiges Material an, das von dort weg muss, damit die neuen Kanalrohre verlegt werden. Eine Aufgabe, die früher einfacher war – dessen sind sich die Verantwortlichen einig, wie sie auf Nachfrage sagen. Denn heute denken sie schon bei der Planung darüber nach, was mit dem Boden passiert, bevor die Straße überhaupt aufgerissen wird: Kann er wieder verwendet werden? Muss er auf die Deponie? Welche Kosten lauern?

„Seit rund fünf Jahren ist das Thema auf dem Radar“, sagt Klaus Dullisch. Der Fachbereichsleiter Straßen/Verkehr/Sicherheit ist bei der Stadt mit für das Bodenmanagement verantwortlich. Er ist nicht der Einzige: „In den vergangenen Jahren ist es immer schwieriger geworden, mit diesem Thema umzugehen“, sagte Robert Schäfer bei einem Ortstermin an der Baustelle in der Basler Straße. Schäfer leitet den Eigenbetrieb Abwasser. Wenn neue Rohre in den Boden kommen, muss dafür Platz geschaffen werden. Das Material, insgesamt 500 Tonnen, fahren Lastwagen zunächst nach Brombach. Zwischen Wiese und Bundesstraße liegt es dort zunächst. Einen Lagerplatz zu finden – das ist nur der erste Schritt.

Das Boden- und Straßenmaterial wird in Brombach untersucht. Das ist der zweite Schritt. Dullisch erklärt, dass davon abhänge, wie das Material weiter verwendet werden könne. Er nennt das Neubaugebiet Belist als ein weiteres Beispiel. Der Aushub von der dortigen Erschließung wurde zur Aufschüttung am Wiese-Radweg zwischen Tumringen und Tüllingen verwendet. „Das Thema wird in der Planung immer früher berücksichtigt“, sagt Dullisch.

Hierzu entnehmen Arbeiter vor den eigentlichen Arbeiten Proben aus dem Boden. Ziel ist es, die Qualität herauszufinden oder ob belastbares Material unter der Erde liegt. Je nachdem wie der Zustand ist, kann der Aushub nicht mehr verwendet werden. Aber auch die Vorabproben könnten nicht garantieren, ob nicht doch verunreinigtes Material im Boden schlummert. Die Folge daraus ist, dass es für die Planungen schwieriger wird, die genauen Kosten zu kalkulieren.

Wenn das Material so verunreinigt ist, dass es nicht mehr verwertet werden kann, müssen es Lastwagen zu einer Deponie fahren. Es gebe aber immer weniger, sagt Dullisch. Und: Was angeliefert wird, werde genauer untersucht. Der Aufwand für die Deponien steigt. Das hat Folgen: „Die Preise sind im Vergleich zu früher gestiegen“, sagt Dullisch, in den vergangenen Jahren mindestens um 50 Prozent.

Teuer wird es vor allem bei belastetem Material. Im schlimmsten Fall wandert der Boden in den Ofen. „Das ist der Extremfall“, sagt Dullisch. Vorkommen könne es aber, etwa bei Tankstellen oder in der Chemiebranche, wenn es Unfälle gab, und in deren Folge etwas in den Boden gelangte.

Erste Analysen sehen gut aus

Wie der Aushub in der Basler Straße verwendet wird, steht noch nicht fest. Im Idealfall kommen Teile wieder an den Ursprungsort zurück. Die Untersuchungen laufen. Der Geologe Thomas Dobrinski untersucht als Fachplaner für die Stadt den Boden. Die ersten Analysen sähen gut aus: „Das Material kann verwertet werden“, sagt er. Allgemein werde Aushub für Lärmschutzwälle genutzt. Allerdings müsse das Material auch halten. Ob der Aushub von der Basler Straße geeignet ist, sei unklar. Ohnehin gebe es nicht mehr allzu viele Möglichkeiten dafür. Dobrinski erklärt, dass der Aushub auch als Fundament, zum Beispiel für eine Industriehalle benutzt werden könne. Ähnlich wie beim Wall muss das Material verdichtbar sein und halten. Bis das feststeht, bleibt der Boden in Brombach auf dem Lagerplatz. Schäfer, Dullisch, Dobrinski – alle sagen unabhängig voneinander, dass die Suche nach Lagerplätzen ebenfalls schwieriger wird. Wenn Flächen für den Wohnbau knapp sind, dann gilt das auch für die Ablageplätze. Mit der Stelle in Brombach hat die Stadt für den Aushub von der Basler Straße einen Platz gefunden. Das Landsratsamt Lörrach teilt mit, dass die untere Bodenschutzbehörde den Platz grundsätzlich für geeignet hält. Die Stadt wird ihn brauchen.

Auch bei der Erschließung für das Kreisklinikum wird sich die Frage für die Stadt stellen: Wohin mit dem Boden?