Die Baugenossenschaft Lörrach legt für das Geschäftsjahr 2018 glänzende Zahlen vor. Mehr als eine Million Euro bleiben unterm Strich als Gewinn übrig, der zum größten Teil in die Rücklagen fließt. Damit erreicht die Baugenossenschaft einen Höchststand an Eigenkapital, was das Unternehmen für anstehende Aufgaben stärkt. Die Baugenossenschaft spricht von einem „bilanziell sehr erfolgreichen“ Jahr. Ein uneingeschränkt sehr gutes Jahr hätte es werden können, wenn die Genossenschaft beim Bauprojekt Lerchenhof vorangekommen wäre.

Mit 918 Wohnungen ist die Baugenossenschaft Lörrach nach der städtischen Wohnbau die zweitgrößte Wohnungsgeberin in der Stadt. Wenn es nach dem Unternehmen gegangen wäre, könnten schon mehr als 40 Wohnungen hinzugekommen sein. Doch für das Bauvorhaben Lerchenhof zwischen Brühl- und Kreuzstraße steht noch immer die Baugenehmigung aus. Wie berichtet, hätte die Genossenschaft dabei gerne ein Stockwerk höher gebaut. Geplant war ein höheres Eckgebäude an der Brühlstraße mit sieben und ein Gebäuderiegel mit sechs Geschossen. Wunsch der Stadt war es, dafür einen Wettbewerb auszuschreiben, was wiederum die Baugenossenschaft nicht wollte – aus Kostengründen und weil man die Herrschaft über das eigene Projekt nicht einer Jury überlassen wollte, wie Aufsichtsratsvorsitzender Theo Fräulin und Geschäftsführer Andreas Seiter am Mittwoch im Bilanzpressegespräch sagten.

Der Kompromiss war, ein Stockwerk zurückzunehmen und statt eines Wettbewerbs einen neuen Bebauungsplan aufzustellen. Dieses Verfahren ist aufwändig und zeitraubend – und für die Baugenossenschaft auch noch mit negativen Folgen behaftet. Durch die Zeitverzögerung entstehen Mehrkosten von 500 000 Euro und statt der rund 45 Wohnungen entstehen nun nur 36. Dies wiederum schmälere die Wirtschaftlichkeit des Projekts und sei für die Beseitigung des Wohnungsmangels nicht zielführend, kritisiert die Baugenossenschaft.

Lörrach werde bei der Wohnraumoffensive das Ziel verfehlen, befürchtet Seiter. „Wir sehen das nötige Tempo nicht“, sagt der Geschäftsführer der Baugenossenschaft. In der Verwaltung müsste ein Projektmanagement dafür sorgen, dass die unterschiedlichen Stellen zügiger zusammenarbeiten. Vor allem aber müsse man den Mut haben, dichter zu bauen. Dies sei nicht nur zur Lösung der Wohnungsnot, sondern auch im Zusammenhang mit Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Mobilität wichtig.

„Uns wirft man immer vor, wir wollen keine Qualität, sondern nur Quantität“, beklagt Seiter. Dabei sei es im ureigensten Interesse einer den Mietern gehörenden Genossenschaft, gute und bezahlbare Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Der möglichst effiziente Umgang mit der Ressource Boden sorge nicht nur an Ort und Stelle für mehr Wohnraum. Vielmehr werde dadurch auch die Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft gestärkt. „Nur wenn wir Erlöse haben, können wir am Markt bestehen und neue Wohnungen bauen“, erklärt Seiter. Beim Lerchenhof hofft die Baugenossenschaft, trotz des noch nicht abgeschlossenen Bebauungsplanverfahrens und trotz der noch immer ausstehenden Baugenehmigung in diesem Jahr beginnen zu können. Zehn Millionen Euro wird der Neubau zwischen Brühl- und Kreuzstraße kosten, weitere zwei Millionen Euro investiert die Baugenossenschaft in ein bestehendes Wohnhaus an der Brühlstraße, das aufgestockt und mit Aufzügen versehen wird. Neubau und sanierter Bestandsbau werden anschließend ein einheitliches Erscheinungsbild haben.

Die wirtschaftliche Basis hat die Baugenossenschaft durch die guten Resultate der vergangenen Jahre gelegt, vor allem 2018 lief erfolgreich. Die Erwartungen seien übertroffen worden, berichten Geschäftsführung und Aufsichtsrat. 1,05 Millionen Euro beträgt das Betriebsergebnis, von dem 973 000 Euro zurückgelegt und 80 000 Euro als Dividende ausgeschüttet werden (1,75 Prozent auf die Mitgliedsanteile). Exakt 41,2 Prozent an der Bilanzsumme (44 Millionen Euro) sind Eigenkapital. Zur Vergrößerung der Spielräume bei künftigen Aufgaben trägt auch die Rückführung von Darlehen bei. 1,8 Millionen Euro Schulden hat die Baugenossenschaft getilgt, 450 000 Euro waren Sondertilgungen. Dennoch investiert die Baugenossenschaft kräftig in den Bestand. 1,9 Millionen Euro wurden 2018 für diesen Zweck ausgegeben, das sind 37 Prozent der Mieteinnahmen. 2019 will die Genossenschaft 4,7 Millionen Euro investieren, 3,1 Millionen davon für die erste Tranche beim Neubauprojekt.