Lörrach – Ein Jahr ist es nun her, dass die studierte Sozialarbeiterin Vera Stächelin ihren Dienst als erste Babylotsin Süddeutschlands antrat. Das St. Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach ziehe eine erfolgreiche Bilanz, teilte das Landratsamt mit.

Das Modellprojekt „Babylotse in der stationären Geburtshilfe“ startete am 15. Juli 2016 in der einzigen Geburtsklinik des Landkreises Lörrach in Kooperation mit dem Landratsamt Lörrach und seinen Frühen Hilfen. Gemeinsames Ziel ist eine gesunde Kindsentwicklung. Hierfür sollen Familien mit Unterstützungsbedarf zu den vielfältigen Angeboten des Netzwerks Frühe Hilfen im Landkreis Lörrach unbürokratisch vermittelt werden. In kostenlosen und unverbindlichen Beratungsgesprächen mit stationär in der Geburtsklinik entbindenden Müttern erkennt und klärt die Babylotsin einen möglichen Bedarf. Sie fungiert als Schaltstelle zwischen den jungen Familien und Institutionen, die über für sie passende Angebote verfügen. So wirkt sie entlastend und beugt Krisen vor, bevor sie entstehen. „Durch eine persönliche Betreuung im Krankenhaus und eine individuelle Vermittlung sinken Zugangshemmnisse zu Angeboten; sie werden öfter in Anspruch genommen“, resümiert Stächelin.

Im vergangenen Jahr haben knapp 35 Prozent aller Wöchnerinnen das Angebot der Babylotsin genutzt und sich zu Themen rund um die Frühen Hilfen informieren lassen. Circa 70 Prozent davon konnte mit einem einmaligen Beratungsgespräch geholfen werden. Die übrigen 30 Prozent wurden intensiver von der Babylotsin begleitet. Konkret konnten rund 400 Vermittlungen an Netzwerkpartner der Frühen Hilfen auf den Weg gebracht werden, die ohne die Babylotsin nicht zustande gekommen wären. Das Spektrum der vermittelten Hilfen reicht von Empfehlungen an Familienzentren über eine Unterstützung bei der Hebammensuche und der Organisation und Vermittlung von Haushaltshilfen bis hin zur Begleitung von Arztterminen. Auch beim Ausfüllen von Behördenformularen ist die Babylotsin behilflich.

Einige Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus meldet sich die Babylotsin noch einmal telefonisch bei den Frauen, denen sie ein Angebot der Frühen Hilfen vermittelt hat. Auf diesem Weg können oft noch einmal Hilfen nachjustiert werden. „Alle Eltern wollen gute Eltern sein, doch Familien können gerade in der ersten Zeit nach der Geburt an ihre Grenzen kommen“, sagt der Psychologe Günter Koenemund von der Psychologischen Beratungsstelle in Lörrach. „Schon ein Jahr nach dem Start zeigt sich, dass die Beratung der Babylotsin einen äußerst positiven Einfluss hat und dass die Fortführung dieses innovativen Angebots dringend notwendig ist.“ Das Projekt hat sich zu einem festen Angebot in der Geburtshilfe des St. Elisabethen-Krankenhauses entwickelt. „Damit sind wir im süddeutschen Raum einzigartig und mit Vera Stächelin haben wir eine kompetente und motivierte Kollegin für die Beratung unserer Wöchnerinnen gefunden“, bestätigt Michael Trost, Leiter der Sozialberatung.

Damit auch weiterhin jungen Familien in dieser Form geholfen werden kann, werden Förderer gesucht. Die Finanzierung des Projekts ist nur noch bis Ende des Jahres durch eine Anschubfinanzierung der Aktion „Deutschland rundet auf“ und durch Mittel der Bundesinitiative Frühe Hilfen gesichert. Das St. Elisabethen-Krankenhaus und der Landkreis arbeiten daher mit vereinten Kräften daran, Unterstützer für das Modellprojekt zu finden, um es am Leben zu erhalten, bis Babylotsen an Geburtskliniken hoffentlich einmal zum nationalen Standard werden.

Frühe Hilfen/Babylotse

Nach den Eröffnungen von Fachstellen für Frühe Hilfen in Rheinfelden 2013 und Lörrach 2016 werden Schwangere und Eltern von Kindern bis zu drei Jahren seit April auch in Schopfheim beraten, um zu einer gesunden Entwicklung von Babys und Kleinkindern sowie ihren Familiensystemen beizutragen. Aus einer Hand erhalten sie gebündelt Informationen, klärende Gespräche, Hilfe und auch eine Weitervermittlung an Netzwerkpartner. Das Angebot ist freiwillig, kostenlos und vertraulich. Auf der Internet-Plattform „Palette Frühe Hilfen“ unter http://lörrach.frühehilfen.info finden Interessierte eine Vielzahl von Angeboten zur Entwicklung und Bildung von jüngeren Kindern und zur Stärkung und Unterstützung der Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe.

Das Konzept der Babylotsen stammt aus dem Marienkrankenhaus in Hamburg, wo es im Jahr 2007 eingeführt wurde. Wegen der hohen Wirksamkeit des Konzepts haben inzwischen 31 Kliniken bundesweit das Programm Babylotse adaptiert.

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