Das „Hotel Stadt Lörrach“ wächst von Woche zu Woche. Mittlerweile ist es im zwölften Stock (von 19) angekommen, 45 Meter hoch ist es nach knapp anderthalb Jahren Bauzeit, 18 Meter kommen noch dazu. Was kaum einer weiß, weil man es von außen auch nicht sieht: Ein erstes Zimmer wurde inmitten des Rohbaus bereits komplett eingerichtet, mit Duschkabine, Bettdecken, Waschlappen und Toilettenpapier. Es erfüllt seinen Zweck, auch wenn noch niemand darin nächtigt. „Und hier ist die Bar“, sagt Architekt Peter Külby und zeigt auf eine Stelle, wo graue Betonpfeiler zu sehen sind, Schläuche herunterhängen und ein Gerüst aus Metall steht. Am Boden stapeln sich mehrere Rollen Isolationsmaterial. Ein Paar Gummistiefel liegt herrenlos in einer Ecke, ein Eimer liegt umgedreht daneben. Eine Bar? Wo soll die bitteschön sein? Wo bleibt das schäumende Bier, wo der hastig umhereilende Kellner, wo das Kichern von Prosecco schlürfenden Damen? Wer hier eine Bar erkennen will, braucht mehrere Tonnen Fantasie. Aber so ist das eben, wenn man sich ein Hotel anschaut, das erst in einem knappen Jahr eröffnen soll. Da sieht noch nichts so aus, wie es einmal aussehen soll – abgesehen von einem einzigen Zimmer. Aber dazu muss man erst mal drei Stockwerke nach oben stapfen.

Innenausbau beginnt schon jetzt

Dort, wo später einmal der Aufzug Gäste bequem chauffieren soll, befindet sich ein ausgehöhlter Schacht. Das Treppenhaus gibt es bereits, auf staubigen Stufen und neben improvisierten Geländern aus Metall und Holz erreicht man den dritten Stock. Einmal kurz links um die Ecke und schon erkennt man das Zimmerschild. „309“ steht am Türrahmen, und gleich noch einmal rechts neben der Tür: „309“. Vor zwei Monaten hat Architekt Külby das Zimmer einrichten lassen. „Um zu gucken, ob alles funktioniert“, sagt er und drückt die Klinke nach unten: „Hereinspaziert.“Von bunten Farben wird man nicht gerade erschlagen, der Stil wird von gediegenen, dunklen Tönen geprägt. Ein Sessel in schwarz-weißem Karomuster steht vor der Fensterfront, das Bettgestell: Schwarz. Die Kacheln im Badezimmer in braungrauen Erdtönen. Ablagen, Bettwäsche, Tassen: weiß. Ein 32-Zoll-Flachbildschirm hängt an der Wand: Farbfernsehen. Es sei wichtig gewesen, solch ein Zimmer vorab einzurichten, sagt Külby, der bei seinem Rundgang durch die gute Stube die installierte Sprinkleranlage präsentiert, von höchsten Sicherheitsstandards spricht oder von Veränderungen am Toilettenpapierhalter erzählt. „Kleine Korrekturen sind nötig gewesen“, berichtet er. Beim Probeliegen auf der weichen Matratze war ihm aufgefallen, dass sein Ellenbogen gegen den Nachttisch stößt, wenn er sich umdreht. Fünf Zentimeter tiefer soll das Nachttischchen in Zukunft sitzen. „Später soll eben alles perfekt sein“, sagt Külby.

Beim Kleiderhaken im Badezimmer hat man penibel auf seine Höhe geachtet. Zum einen, dass man seinen Bademantel, ohne auf Zehenspitzen gehen zu müssen, aufhängen kann, zum anderen, dass der gute Stoff gleichzeitig nicht auf der Halterung der Toilettenpapierrolle aufliegt. Schwenkbare Lampen hängen links und rechts neben dem Kopfende des Bettes, damit man das Licht beim Lesen individuell einstellen kann. Die Fensterflügel lassen sich exakt 8,9 Zentimeter öffnen, sodass niemand aus dem dritten Stock plumpsen kann. „Auf Geländer haben wir nämlich verzichtet“, betont Külby. Zwölf Stockwerke sind bereits gebaut. Das Gebäude ist derzeit 45 Meter hoch, knapp 63 sollen es am Ende mal werden. Während die restlichen sieben Etagen in den kommenden sechs Monaten dazukommen sollen, sind 40 bis 50 Menschen damit beschäftigt, von unten her auszubauen. „Wir machen das mittlerweile parallel, damit wir nicht so viel Zeit verlieren“, sagt Michael Jäger, der für den Rohbau verantwortlich ist. Im zehnten Stock habe man die Versorgungsschächte abgedichtet, damit bei Regen keine Feuchtigkeit in den unteren Teil des Gebäudes durchdringe. „Ohne diese Maßnahme könnte man gar nicht erst anfangen“, so Jäger.Bis zum sechsten Stockwerk wurden zwischenzeitlich Fenster eingebaut. Estrich kommt nun rein, Isolationsmatten werden eingesetzt, die ersten Gipser, Maler, Elektriker und Plattenleger rücken an. „Wir sind voll im Zeitplan“, sagt Rohbau-Polier Michael Jäger. Das Boardinghaus nebenan wäre laut Külby schon bewohnbar, auch die Konferenzräume im ersten und zweiten Stock nehmen Konturen an. Geplant ist, dass das Hotel in knapp einem Jahr öffnet. Dann sollen alle Zimmer – wenn auch in unterschiedlichen Größen – so aussehen wie das Zimmer 309.