Lörrach – Auch Monate, nachdem die Bäume auf dem Grundstück Finkenweg 3a gefällt wurden, wollen sich die Anwohner nicht mit der Fällaktion abfinden. Sie befürchten nun, dass bei einer geplanten Bebauung dem kleinen Biotop Krottenweiher am unteren Ende des Hangs das Wasser abgegraben wird. Zwischenzeitlich sind auch die Gemeinderäte alarmiert. Auf den Grundstücken soll gebaut werden. Was, ist aber noch unklar.

Die gefällten Bäume

Nach wie vor liegen die Bäume am Hang. Ein trauriger Anblick, findet nicht nur Peter Külby, sondern auch die anderen Anwohner des Krottenweihers, die sich versammelt haben, um bei einem Termin mit Vertretern der Gemeinderatsfraktionen und der Presse auf die Situation aufmerksam zu machen. Dass sie immer noch nicht nachvollziehen können, warum im März die mehr als hundert Jahre alten Eichen einfach gefällt wurden. „Sie waren bis ins Mark gesund“, sagt Külby.

Der Baumfäller habe eine schriftliche Beurteilung des Zustands der Bäume abgegeben, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Aus dem gehe hervor, „dass die Bäume zum Teil nicht mehr standsicher sind, und größere Äste auf benachbarte Gebäude und einen angrenzenden Weg stürzen könnten“. Zudem sei der Naturschutzbehörde ein plausibles artenschutzrechtliches Gutachten des Büros faktorgrün vorgelegt worden, aus dem hervorgehe, dass die Bäume unter bestimmten Auflagen gefällt werden können. Eine Begehung des Grundstücks mit Mitarbeitern der Unteren Naturschutzbehörde und dem Baumfäller habe die Notwendigkeit der Fällungen nachvollziehbar gemacht. Zudem sei zur Auflage gemacht worden, Vogel- und Fledermauskästen aufzuhängen und die Baumstümpfe mit Wurzelwerk bis auf Weiteres im Boden zu belassen – aus Artenschutzgründen.

Hätten die Anwohner nicht interveniert und bei der Stadt angerufen, als im Januar begonnen wurde, die Bäume zu fällen, es hätte wohl kein Gutachten gegeben. Denn laut Landratsamt hätten die Arbeiten nicht genehmigt werden müssen: „Es ist wichtig, zu betonen, dass es für die Fällungen in diesem Fall keiner gesonderten Genehmigung durch das Landratsamt bedurfte, da es sich beim betroffenen Grundstück um eine gärtnerisch genutzte Grundfläche handelt und hier ohne gesonderte Genehmigung gefällt werden darf. Es ging also nicht um die Erteilung einer Genehmigung, sondern darum, ob artenschutzrechtliche Bedenken gegen eine (genehmigungsfreie) Fällung sprachen. Dies wurde von unserer Naturschutzbehörde überprüft.“

Ein Unding, finden die Anwohner. Der Wald sei Heimat für Vögel, Fledermäuse und Insekten gewesen, unter ihnen der seltene Hirschkäfer. Das Gutachten von faktorgrün haben die Anwohner so gelesen, das nicht gefällt hätte werden dürfen. Aber die Bäume sind jetzt weg, sagt Külby: „Die holt keiner von uns wieder.“

Das Wasser für den Weiher

Nun geht es den Anwohnern vor allem um die Zukunft des Krottenweihers, der für die Bewohner des Leuselhardts und Stettens mehr sei, als nur eine kleine Wasserfläche. Die Anwohner haben ihn selbst instand gesetzt. Vor einigen Jahren drohte er zu kippen, seitdem wird das Wasser mit Pumpen umgewälzt, die Peter Külby auf eigene Kosten gekauft hat und betreibt. „Es ist ein Biotop, das in der Stadt seinesgleichen sucht“, sagt Nachbar Hermann Harrer. Für die Neubauten am Hang – die Anwohner haben Pläne der Bauvoranfrage, die ihnen zugespielt wurden – müssten mehr als 2000 Kubikmeter Erde bewegt werden. Das Wasser, das den Weiher speist, werde verschwinden, wenn der Hang eingegraben wird, befürchtet Harrer. Hinzu kommt: Um den Hang, der nicht direkt erschlossen ist, zu bebauen, müsste eine Garage abgerissen werden. Und direkt neben dem Weiher die Baumaschinen durchfahren.

„Im Bebauungsplanverfahren wird der Krottenweiher als Lebensraum für besonders geschützte Tiere festgesetzt. Dies beinhaltet auch, dass ein ausreichender Wasserzufluss zum Erhalt des Weihers vorliegen muss und entsprechende Maßnahmen zu treffen sind“, teilt die Stadt Lörrach auf Anfrage mit. Wie das gewährleistet wird oder welche Gutachten nötig sein werden, um das zu sichern, ist noch nicht klar: „Bislang liegt der Stadt eine Bauvoranfrage vor, ein Bauantrag liegt nicht vor. Welche Gutachten zu erbringen sind, wird anhand des konkreten Antrags geprüft. Das können wir abstrakt im Vorfeld nicht definieren. Nachdem es keinen Antrag gibt, können wir aktuell zum weiteren Verfahren nichts sagen.“

Das Bauvorhaben

Laut der Bauvoranfrage sind zwei große Häuser geplant, behaupten die Anwohner. Zudem fürchten sie, die Villa direkt am Krottenweiher könne abgerissen und dieses Grundstück ebenfalls neu bebaut werden. Das ist aber alles noch nicht klar. Denn das Grundstück samt Villa steht noch zum Verkauf, ein Immobilienanbieter hat es im Internet in seinem Portfolio für 1,5 Millionen Euro. Laut der Ausschreibung gehört der Teich zur Hälfte zum 1823 Quadratmeter großen Grundstück dazu. Der obere Bereich, wo die Bäume gerodet wurden, war ursprünglich ein rund 1300 Quadratmeter großes Grundstück, ist nun aber zweigeteilt. Eines der beiden Grundstücke steht ebenfalls noch zum Verkauf: 658 Quadratmeter für 595 000 Euro.

Die Gemeinderäte

Auch die Mitglieder des Gemeinderates haben das Thema auf dem Radar, zum Treffen mit den Anwohnern kamen Vertreter von CDU, SPD, Grünen und Freie Wählern. Gerd Wernthaler (Grüne) merkte an, er habe die Empörung nach den „illegalen Fällungen“ vermisst. Matthias Lindemer (Freie Wähler) bezeichnete die Vorgehensweise bei den Fällungen als „ziemlich verrückt“. Hubert Bernnat (SPD) versprach, zu versuchen, die Zukunft des Krottenweihers zu retten. Petra Höfler (CDU) verwies darauf, dass die Stadtverwaltung auf Antrag der CDU den Gemeinderat über die bisherige Vorgehensweise und die Planungen informieren müsse. Das Thema soll am 18. Juli in der öffentlichen Sitzung behandelt werden, teilte die Stadt mit.