Lörrach Anonyme Entbindung: Kinderklappe im "Eli" soll bestehen bleiben

Trotz der Möglichkeit der vertraulichen Geburt soll die Babyklappe im Lörracher St. Elisabethenkrankenhaus bestehen bleiben.

Seit 2014 wird im St. Elisabethen-Krankenhaus (Eli) in Lörrach die vertrauliche Geburt angeboten. Die Babyklappe gibt es weiterhin und sie werde auch bleiben, sagt Schwester Anemunda Zeh. Der Verband Pro Familia hatte gefordert, die Babyklappen in Deutschland abzubauen. Ebenso solle es neben der vertraulichen Geburt die anonyme Geburt nicht mehr geben. Jedes Kind habe das Recht, seine Herkunft zu erfahren.

„Diese Frauen sind in ganz, ganz großen Notsituationen“, sagt Schwester Anemunda Zeh, Oberin der Vinzentinerinnen am St. Elisabethen-Krankenhaus. Im Mai 2014 trat das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft. Voraussetzung ist, dass die Schwangere zu einer Beratung geht – was sogar direkt vor oder nach der Geburt noch möglich ist. Gegenüber der Beraterin muss sie ihre Identität preisgeben – diese ist jedoch zu absolutem Schweigen verpflichtet. Weder Ärzte noch Klinikpersonal, noch Behörden erfahren den Namen der Frau. Ihre Daten werden in einem versiegelten Umschlag an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben gesandt, wo sie aufbewahrt werden, bis das Kind 16 Jahre alt ist. Nach 15 Jahren kann die Mutter schutzwürdige Belange geltend machen, das Kind enthält dann gegebenenfalls auch nach 16 Jahren keinen Einblick, kann diese Entscheidung aber bei einem Familiengericht prüfen lassen. Die anonyme Geburt ist eigentlich nicht legal. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bleibt sie aber straffrei für die Frauen. „Und natürlich helfen wir der Frau auch, wenn sie ihren Namen nicht nennen will“, sagt Schwester Anemunda Zeh.

Es gebe Umstände, bei denen die Frau gute Gründe habe, ihren Namen nicht zu nennen. Allerdings habe es, seit es die vertrauliche Geburt gibt, im Eli keine anonyme Geburt mehr gegeben. „Keine Mutter, die unter schwierigsten Bedingungen ihr Kind austrägt und zur Welt bringt, macht sich diese Entscheidung leicht“, erklärt Schwester Anemunda.

Deswegen soll auch die Babyklappe bleiben. Schwester Anemunda vertritt die Ansicht, dass Mütter, die sich nicht einmal zur Geburt in die Klinik trauen, dann wenigstens ihr Kind an einen sicheren Ort bringen können. Der Verband Pro Familia, der unter anderem Schwangerenberatung betreibt, sieht die Klappen jedoch kritisch. Babyklappen förderten rechtswidriges Verhalten, denn bislang gebe es keine eindeutige gesetzliche Regelung und das Kind werde um das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung gebracht. Zudem seien gesundheitlichen Risiken bei einer unbegleiteten Geburt sehr hoch.

Pro Familia stützt sich dabei auf eine Empfehlung des Deutschen Ethikrats aus dem Jahr 2009: „Die vorhandenen Babyklappen und bisherigen Angebote zur anonymen Geburt sollten aufgegeben werden.“ Ob die Babyklappen zu weniger Kindstötungen führen würden, sei unklar, da beispielsweise Mütter, die ihre Schwangerschaft nicht bemerkt hätten, häufig im Affekt handeln würden.

Dass Beratung und Begleitung so gut wie möglich gefördert werden müssen, das steht auch für Schwester Anemunda Zeh außer Frage: „Es wäre schon gut, wenn es sich für alle Frauen in Not so ergeben könnte, dass sie vertraulich entbinden.“

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