Oberbürgermeister Jörg Lutz hat ein klares Bekenntnis zum Burghof und zu „Stimmen“ abgelegt. Bei einem Apero zum 20-jährigen Bestehen des Hauses ordnete Lutz den Burghof sowohl wegen seiner Kulturarbeit als auch wegen seiner hervorgehobenen Stellung als Standortfaktor in die Reihe der unverzichtbaren Lörracher Institutionen ein. Auch nahm OB Lutz Burghof-Geschäftsführer Markus Muffler gegen die Kritik der letzten Wochen in Schutz. Muffler selbst erklärte, die Kritik habe ihn sehr getroffen.

Nachdem CDU und Freie Wähler die Gemeinderatsdebatte über die Bilanz der Burghof GmbH für das vergangene Jahr zu einer Generalabrechnung mit „Stimmen 2018“ und der Person des Geschäftsführers Markus Muffler genutzt hatten, stand die Frage im Raum, wie sich diese Missstimmung auf die kleine Feier zu „20 Jahre Burghof“ auswirken würde. Oberbürgermeister Jörg Lutz ließ bei seiner Rede keinen Zweifel daran aufkommen, dass er das Thema nicht unter den Teppich kehren, sondern offensiv damit umgehen will. Zunächst hielt der OB noch einmal fest, was Lörrach am Burghof hat. Erst nach einem Vorlauf von insgesamt mehr als zwei Jahrzehnten wurde die Einrichtung 1998 endlich als das eröffnet wurde, was sie heute noch ist – für Lutz ein „sehr sympathisches Haus“. Mit Blick auf die einstigen Debatten darüber, ob Lörrach eher eine Stadthalle oder ein Kultur- und Veranstaltungszentrum brauche, sagte Lutz, die Entscheidung für ein „kuratiertes Gastspielhaus“ habe sich bewährt.

Markus Muffler
Markus Muffler | Bild: Juri Junkov

Lutz führte an erster Stelle den Burghof als einen Ort für Kunst vor Augen. Es habe seit der Eröffnung immer wieder Veränderungen gegeben, die Verantwortlichen hätten das Programm mehrfach an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst. Zur künstlerischen Erfolgsgeschichte des Burghofs würden auch immer wieder Überraschungen zählen. „Wer hätte gedacht, dass zeitgenössischer Tanz einmal eine ausverkaufte Reihe werden würde?“, fragte Lutz. In Anspielung auf die Image bildende Wirkung des dortigen Guggenheim-Museums sprach Lutz auch den „Bilbao-Effekt“ an. Burghof und „Stimmen“ seien für Lörrach ein ähnlich wichtiger Image- und Standortfaktor. „Wir sollten das Festival nicht schlecht reden“, mahnte Lutz.

In seiner Auseinandersetzung mit der aktuellen Kritik räumte Lutz wie stets auch Geschäftsführer Muffler ein, die Zahlen bei den Marktplatz-Konzerten seien in diesem Jahr nicht zufriedenstellend gewesen. Dies werde zunächst im Aufsichtsrat und dann auch in der Öffentlichkeit zu diskutieren sein. Doch er warne davor, bei der Bewertung „immer von A nach B zu schielen“. Er gönne allen anderen Städten deren Erfolg, aber Lörrach müsse selbstbewusst auf die eigene Situation schauen. Dem unterschwelligen Vorwurf, das diesjährige Marktplatz-Programm sei elitär gewesen, stellte Lutz die vielmillionenfachen Abrufzahlen für die Künstler auf dem führenden Musikportal Spotify entgegen. „Man kann nicht von Nischenproduktionen sprechen“, sagte Lutz. Er rief dazu auf, „respektvoll zu diskutieren“. Er selbst habe kein Patentrezept und wenn jemand eines habe, könne er oder sie sich melden.

Markus Muffler hatte bei der kleinen Feier erstmals die Gelegenheit, öffentlich auf die Angriffe gegen ihn einzugehen – er nutzte den Anlass für eine persönliche Stellungnahme. Er sei „tief traurig“ und „tief verletzt“ sagte er. Die Vorgänge hätten ihn und seine Familie „sehr, sehr belastet“. Gleichwohl verbinde ihn immer noch „Freude, Stolz und Leidenschaft mit dem Haus“ und er bewundere „den Mut der Stadt, 20 Jahre zum Burghof zu stehen“.