Als ob das Corona-Virus in Uganda nicht schon schlimm genug wäre, jetzt muss auch noch Hochwasser dazu kommen. So war die Reaktion in der Seelsorgeeinheit Laufenburg-Albbruck. Im dortigen Freundeskreis des von Pfarrer Günter Hirt gegründeten Lebenshauses hatte man von den Katastrophen gehört. Doch auf Nachfragen kam Entwarnung: Das Lebenshaus im ugandischen Kyato ist bisher sowohl von Corona als auch von Überschwemmungen verschont geblieben.

Blick in den Batterieraum der Photovoltaik-Anlage, die das Lebenshaus mit Strom versorgt.
Blick in den Batterieraum der Photovoltaik-Anlage, die das Lebenshaus mit Strom versorgt.

„Wir sind alle sehr besorgt, viele andere Gebiete im ganzen Land werden von den Überschwemmungen mitgerissen, Strom gibt es nur noch für Krankenhäuser. In weiten Bereichen droht eine Hungersnot. Uns hier in Kyato geht es immer noch gut“, schreibt Schwester Maria, die Leiterin des Lebenshauses nach Laufenburg. Jetzt zeigt sich auch, wie lebenswichtig die von Helfern aus Deutschland installierte eigene Stromversorgung über Photovoltaik und die eigene Trinkwasserversorgung aus Tiefbrunnen ist. Und dass sich das Lebenshaus weitgehend über die aufgebaute eigene Landwirtschaft ernähren kann. Aber die Familien, die jetzt die Kinder versorgen müssen, leiden mittlerweile Not und müssen vom Lebenshaus unterstützt werden, was nur mit zusätzlichen Spenden aus Deutschland möglich sein wird. Die Lebensmittelpreise steigen in astronomische Höhen, weiß Schwester Maria zu berichten.

Die auf Betreiben von Pfarrer Günter Hirt aufgebaute Landwirtschaft beweist ihre Notwendigkeit in Krisenzeiten.
Die auf Betreiben von Pfarrer Günter Hirt aufgebaute Landwirtschaft beweist ihre Notwendigkeit in Krisenzeiten. | Bild: Raphael Pinheiro Machado Rehm

Um die Kinder und das Personal vor den Infektionen zu schützen, hat sich das Lebenshaus von der Außenwelt abgekapselt. Alle leben in Isolation. Die Kinder gehen nicht mehr zur Schule, sondern wurden zu ihren Ersatzfamilien gebracht. Bei einigen Kindern war dies nicht möglich, sie bleiben im Lebenshaus. Die Betreuerinnen, die Ordensschwestern und ein Koch sind nach wie vor im Lebenshaus und halten den Betrieb und die Betreuung von 24 Kindern auf Sparflamme aufrecht. Der Leiter der Landwirtschaft hält ebenfalls vor Ort die Stellung, um die Gärten und Felder so gut es geht zu bewirtschaften und sich um die Tiere zu kümmern.

Das restliche Team verbringt die Ausgangssperre bei den Familien, die sonst auf sich allein gestellt wären. Weitsichtig wurde noch vor Inkrafttreten der Ausgangssperre in Masaka ein Großeinkauf getätigt. Damit und von den eigenen Landwirtschaftsprodukten kann sich das Team bisher selbst versorgen. „Durch diese Unabhängigkeit ist das Leben weit ab vom Schuss der momentan wohl beste Schutz“, heißt es in einer Nachricht an den Freundeskreis.

Was ist der Grund für die Überschwemmungen im Land und den tagelangen Stromausfall: Eine neun Fußballfelder große schwimmende Insel war vom Festland abgebrochen und war auf dem Victoriasee herumgetrieben. Letztlich wurde die Insel durch die Strömung in den Abfluss des Nils geschwemmt und verstopfte dort zwei Dämme, die zur Stromgewinnung dienen. Die Turbinen stehen bis heute still, schreibt die in Berlin erscheinende TAZ. Seitdem bemüht sich ein ganzes Bataillon von Soldaten und Ingenieuren mit Baggern, Baukränen und Hebeanlagen den schwimmenden Morast aus den Dammmauern zu säubern. Dabei handelt es sich zum Großteil um schwimmende Wasserhyazinthen, die den See und dessen Ufer seit Jahrzehnten wie eine Plage besiedeln.

Hinzu kommen seit rund einem Jahr starke Regenfälle in der ganzen Region des Victoria-Beckens, dem größten Süßwassersee Afrikas und zweitgrößten See weltweit. Durch die Verstopfung der Dämme steigt der Wasserstand mittlerweile auf ein Rekordhoch von 13 Metern über dem Normalstand. Der See überschwemmt immer mehr Marschland und Sumpfgebiete. Starke Regenfälle verursachen zahlreiche Erdrutsche, wodurch zahlreiche Menschen verschüttet wurden.

Ernteausfälle durch Fluten könne die Krise noch verschärfen. Hoffnung sei nicht in Sicht: Die meteorologischen Institute der Region kündigen für die nächsten Wochen weitere Regenfälle an.

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