Faire Preise, hohe Verfügbarkeit, schelle Lieferung – mit diesen Versprechen wirbt die BHS Binkert Schweiz GmbH mit Sitz in Frick für ihr Sortiment an Elektro- und Elektronikprodukten. Nur: Der Online-Händler hält seine Versprechen nicht. Im Gegenteil: Auf diversen Online-Portalen zieht die Firma eine Flutwelle der Entrüstung geprellter Kunden auf sich.

Anwälte werden zugerufen

Etwa auf der Bewertungsplattform „Trustpilot“, auf der weit über 100 Kunden ihrer Wut über „Technikworld.ch“ – einen Online-Shop, den die BHS Binkert Schweiz GmbH betreibt – Luft machen. Das Wort „Betrüger“ und „unseriös“ sowie die Warnung „Finger weg“ fallen hier zuhauf. Gar 323 Einträge seit Sommer 2018 über „Technikword.ch“ findet man auf der Plattform „Reklamation.ch“.

Der Tenor dort: Kunden haben ihre bestellte Ware im Voraus bezahlt, diese aber nicht erhalten; ebenso wenig wie ihr Geld zurück. Einige Kunden drohen in ihren Einträgen, einen Anwalt einzuschalten oder den Online-Shop zu meiden. „Sollte ich mein Geld nicht in den kommenden Tagen erhalten, werde ich meinen Anwalt einschalten. Ich kann nur allen dazu raten, nicht bei dieser Firma zu bestellen“, heißt es dort etwa in der Reklamation eines Kunden.

Unternehmen darf keine Ware mehr anbieten

Dass es nicht bei diesen Drohungen geblieben ist, steht zweifelsohne fest. So hat denn die Amtsstelle Brugg des Konkursamtes Aargau über die BHS Binkert Schweiz GmbH am Montag den Konkurs eröffnet. Der Grund sind zahlreiche Betreibungen geprellter Kunden, wie die Amtsstelle bestätigt. Klar ist damit auch, dass das Unternehmen keine Ware mehr anbieten darf. Den Sitz nach Frick hat die BHS Binkert Schweiz GmbH im Februar 2019 verlegt. Zuvor war der Online-Händler seit 2009 in Liestal domiziliert. Gemäß des Konsumenten-Magazins „Espresso“ leitete die Staatsanwaltschaft Basel-Landschaft im Dezember 2018 eine Strafuntersuchung wegen des Verdachts auf mehrfachen Betrug gegen den Onlineshop „Technikworld.ch“ ein.

Weil der Geschäftsführer in Deutschland wohnt, ging das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen über. „Die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen hat gegen ihn beim Amtsgericht Waldshut-Tiengen den Erlass eines Strafbefehls wegen mehrfachen Betrugs beantragt. Das Amtsgericht hat den Strafbefehl erlassen. Der Beschuldigte hat gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt“, sagt Michael Blozik, Erster Staatsanwalt. Die Sache wurde bisher noch nicht vor Gericht verhandelt. Solange kein rechtskräftiges Urteil vorliegt, gilt die Unschuldsvermutung.

„Lieferschwierigkeiten und Probleme mit unserer IT“

Noch am Mittwoch hieß es auf der Seite von „Technikworld.ch“, dass es zurzeit „eine technische Störung mit unserem Shop-System“ gebe und man mit Hochdruck daran arbeite, „dieses zu beheben“. Am Donnerstag war der Eintrag über die technische Störung entfernt. „Es ist nicht zutreffend, dass wir den Eindruck erwecken, ein Problem zu beheben. Der Konkurs wurde am Montag eröffnet und mittlerweile sind nur noch unsere Kontaktdaten auf der Seite erwähnt“, äußert sich der Geschäftsführer.

Warum einige seiner Kunden weder die bestellte Ware erhalten noch ihr Geld nach Vorauskasse zurückbekommen haben, dazu der Geschäftsführer: „Wir hatten Lieferschwierigkeiten wegen Probleme mit unserer IT, dazu kam die Coronakrise.“ Zudem: Viele Produkte kämen nicht ab eigenem Lager, sondern würden von Lieferantenlagern abgerufen. „Leider konnten wir diese Probleme trotz einer zuletzt sehr guten Auftragslage nicht nachhaltig lösen und es kam nun zum Konkurs“, schiebt der Geschäftsführer nach. Dass es so weit gekommen ist, bedauert er sehr. „Wir entschuldigen uns bei all unseren Geschäftspartnern aufrichtig.“ Gläubigern rät er, ihre Forderung beim Konkursamt anzumelden.