Da ein geplanter größerer Umbau verschoben ist, und das Projekt neu überarbeitet wird, gibt es im Museum Schiff Platz für die Sonderausstellung „Bilder erzählen Geschichten“ mit Aquarellen aus Laufenburg von Friedrich Huster, Renate Kaiser und Rudolf Schütz.

Mit Friedrich Huster hat alles angefangen. Denn Werke des aus Düsseldorf stammenden Kunstmalers mit Wahlheimat Zermatt (1919-2000) mussten seit 2017 im Depot auf diese Werkschau warten. Das Museum Schiff bekam vor drei Jahren das Angebot einer Schenkung mit 35 Aquarellen. Das war der Anstoß zu dieser Präsentation, bei der die Ausstellungsgruppe unter Leitung von Kuratorin Ariane Dannacher sich überlegte, wer sonst noch Aquarelle in Laufenburg gemalt hat.

Fast der Hans-Thoma-Blick: Otto Grafs Ölbild Laufenburg von 1931, eine Leihgabe des Stadtarchivs Laufenburg/Baden für die Dauer der Ausstellung.
Fast der Hans-Thoma-Blick: Otto Grafs Ölbild Laufenburg von 1931, eine Leihgabe des Stadtarchivs Laufenburg/Baden für die Dauer der Ausstellung. | Bild: Picasa

Man kam auf Rudolf Schütz, der die Stadt seit Jahrzehnten künstlerisch-dokumentarisch begleitet: ein malender Chronist, der die städtebaulichen Veränderungen und den Wandel in der Stadtentwicklung festgehalten hat. Mit Aquarelltechnik arbeitet auch Renate Kaiser, die als einzige Motive aus dem badischen Laufenburg beisteuert.

Die neue Schau verfolgt aber als Grundidee nicht nur eine Bilderausstellung, vielmehr wollte man auch weg von den Bildern. Da kam der kürzlich erschienene Band „Kulturdenkmäler der Schweiz“ gerade recht, der sich um Häuser, Quartiere, Biografien und Schicksale dreht, denn man konnte die ausgestellten Arbeiten mit den Geschichten von Leuten ergänzen, die in den Häusern gewohnt und gearbeitet haben.

Altes Rathaus (ehemaliges Spital) am Laufenplatz, ein Bild von Rudolf Schütz aus der Laufenburger Ausstellung im Museum Schiff.
Altes Rathaus (ehemaliges Spital) am Laufenplatz, ein Bild von Rudolf Schütz aus der Laufenburger Ausstellung im Museum Schiff. | Bild: Picasa/Jürgen Scharf

Es handelt sich oft um Geschäfte, Gasthäuser, Gewerbebetriebe etwa die Bäckerei Weber, oder Apotheken, eine Eisenhandlung, ein Textilgeschäft. Aber auch der letzte Gerber und der letzte Berufsfischer werden in Fotografien und originalen Gebrauchsobjekten gewürdigt.

Nicht nur die Aquarelle, auch die Vitrinen erzählen Geschichten von Familien und Personen, die einmal in Laufenburg lebten, im Bärenviertel, in der Markt- und Laufengasse, oder im Münzgässchen, wo bis 1921 die „Totenfrau“ Katharina Spiess wohnte, die Leichen wusch und ankleidete.

Diese Ausstellung ist also weit mehr als eine Kunstschau: ein Zeitfenster und ermöglicht historische Blicke auf Gebäude, die es teils nicht mehr gibt (wie man im großen Bild „Hintere Wasengasse“ von Rudolf Schütz sehen kann), auf ausgestorbene Gewerbe und Handwerksberufe wie Weißwaren oder die Gerberei.

Ein Waschbrett mit Stößel und Kelle erinnert an das Waschhaus an der Unteren Wasengasse.
Ein Waschbrett mit Stößel und Kelle erinnert an das Waschhaus an der Unteren Wasengasse. | Bild: Picasa/Jürgen Scharf

Der Maler Huster kam nur zum Malen von Auftragsbildern nach Laufenburg, während er in Zermatt für Touristen zum Pinsel griff. 50 Jahre lang lagen seine Bilder in einer Mappe, alles Ortsansichten, Gässchen, Ecken, Winkel, Gebäude, fantastisch in den Farben und sehr realistisch. Die Besonderheit in den Arbeiten von Schütz ist, dass er in einem Bild vom Hotel Solbad die Veränderungen der Altstadt auch mit Texten festgehalten hat.

Huster und Schütz haben gerne Architektur gemalt, während Renate Kaiser mehr farblich stimmungsvolle Impressionen von den Sehenswürdigkeiten Laufenburgs in mystischem Turner-Licht beisteuert.

Hat man das Prinzip dieser Ausstellung einmal verstanden, gibt sie einem viele Hintergrundinformationen und Querbezüge. Man sieht auch, dass das Museum Schiff ein stattliches Fotoarchiv mit wertvollen Dokumentionen besitzt. Gehängt wurde thematisch und manches rekonstruiert, wie es wohl einmal war.

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