Der Bau des Laufenburger Wasserkraftwerks, Anfang des 20. Jahrhunderts, gilt in technikgeschichtlicher Hinsicht als Pioniertat. Es ist das älteste quer zum Fluss stehende Laufkraftwerk am Rhein und war damals das leistungsstärkste Flusskraftwerk in Europa. Durch einen glücklichen Umstand kam die Stadt Laufenburg kürzlich zu einer umfangreichen Bilddokumentation über die Zeit des Baus.

Um das Flussbett zu erweitern waren auch Sprengungen unter Wasser notwendig. Das Bild ist auf den 5. April 1913 datiert.
Um das Flussbett zu erweitern waren auch Sprengungen unter Wasser notwendig. Das Bild ist auf den 5. April 1913 datiert.

Martin Blümcke, Stadtarchivar der Stadt Laufenburg, staunte nicht schlecht, als er im Oktober einen Anruf der Bad Säckinger Stadtarchivarin Eveline Klein erhielt, die ihm mitteilte, dass ein gewisser Joachim Scheffzek, Oberstudiendirektor im Ruhestand aus Esslingen, etwas habe, das mit Laufenburg zu tun hätte. In der irrigen Annahme, dass Laufenburg keinen Archivar habe, wandte sich Scheffzek zunächst nach Bad Säckingen. Und ein zweites Mal staunte Martin Blümcke dann über das, was Joachim Scheffzek in seinem privaten Besitz hatte und sich als ein höchst interessantes rund acht Kilogramm schweres Album mit rund 540 originalen Fotografien aus der Zeit des Kraftwerkbaus erwies. Der Enkel des ursprünglichen Besitzers überließ das Album der Stadt. „Das ist ein wunderbares Geschenk für die Stadt Laufenburg“, freut sich Martin Blümcke. Das Album wird nun im Stadtarchiv sicher verwahrt und stellt einen wesentlichen Teil des Stadtarchivs dar, wie Blümcke betonte.

Das Bild zeigt Arbeiter und einen Ingenieur auf der Jahrhundertbaustelle bei Gesteinsbohrarbeiten entlang des Rheins.
Das Bild zeigt Arbeiter und einen Ingenieur auf der Jahrhundertbaustelle bei Gesteinsbohrarbeiten entlang des Rheins. | Bild: Repros Charlotte Fröse

Zusammengetragen wurden die Aufnahmen in dem etwa 15 Zentimeter dicken Album von Josef Koder, Reg. Baumeister, dem Großvater von Joachim Scheffzek. Josef Koder war in der Zeit von 1908 bis 1913 an führender Stelle der Mannheimer Firma Grün & Bilfinger am Bau des Kraftwerks tätig. Die Firma war unter anderem für die Fundation des Maschinenhauses und der Turbinenkammern zuständig. Ebenso führte Grün & Bilfinger auch die Rheinkorrektion aus.

Taucher übernahmen die gefährliche Arbeit unter Wasser. Das Bild ist mit dem Datum 12. September 1912, versehen.
Taucher übernahmen die gefährliche Arbeit unter Wasser. Das Bild ist mit dem Datum 12. September 1912, versehen.

Im Zuge der Bauarbeiten wurden Felsen gesprengt und eine Gleisverbindung für den Materialtransport am Flussufer gebaut. Der Felsabtrag wurde für den Bau von Dämmen und Böschungsverkleidungen verwendet. Der Laufen und die Enge wurden von einer rauen Schlucht zu einem Kanal ausgeweitet. Über 300.000 Kubikmeter Fels wurden für den Bau des Kraftwerks weggesprengt. Bei Hochwasser waren diese Baustellen überspült und mussten jeweils geräumt werden.

Bilder zeigen Bauphasen

Eindrücklich zeigen die Bilder etliche Momentaufnahmen der einzelnen Bauphasen. Zeitweise arbeiteten bis zu 1500 Mann auf der Jahrhundertbaustelle, vor allem über dem Wasser des Rheins. Aber auch unter Wasser wurde gearbeitet, Taucher übernahmen diese gefährliche Arbeit. Die Aufnahmen sammelte der Baumeister Josef Koder auf privater Basis.

Über 300.000 Kubikmeter Fels wurden für den Bau des Kraftwerks aus dem Rhein geschafft. Das Bild zeigt Arbeiten an den Felsen.
Über 300.000 Kubikmeter Fels wurden für den Bau des Kraftwerks aus dem Rhein geschafft. Das Bild zeigt Arbeiten an den Felsen.

Das Kraftwerk ließ von der gesamten Bautätigkeit zu Dokumentationszwecken regelmäßig von Berufsfotografen Aufnahmen zu den einzelnen Bauabschnitten erstellen. Josef Koder konnte in diesem Zuge von den Fotografen einige Aufnahmen erwerben, die er in seinem privaten Album sammelte. Einige der Aufnahmen sind mit einem Datum versehen und teilweise gibt es kurze Kommentare zu den Bildern. Im Album ist ein Fotograf mit Namen verzeichnet, es handelt sich um A. Schoder aus Laufenburg. Weitere Namen der Fotografen sind nicht bekannt. Ergänzt werden die Originalfotografien durch Postkarten zum Kraftwerksbau.

Das Maschinenhaus mit dem Turm wurde in den Jahren 1912 bis 1914 erbaut. Die Aufnahme stammt vom 27. März 1913.
Das Maschinenhaus mit dem Turm wurde in den Jahren 1912 bis 1914 erbaut. Die Aufnahme stammt vom 27. März 1913.

Im Museum Schiff in Laufenburg wurden im Rahmen eines Digitalisierungsprojekts in Zusammenarbeit mit dem Kraftwerk der Gesamtbestand an Negativen und Fotopositiven, welche im Archiv des Kraftwerks lagerten, zusammengefasst, welche die Baugeschichte des Rheinkraftwerkes Laufenburg dokumentieren. Dieser Bestand umfasst rund 1800 Abzüge und Negativplatten.

Das Kraftwerk Laufenburg

  • Das Kraftwerk: Das Kraftwerk Laufenburg wurde zwischen 1909 und 1914 erbaut. 1908 wurde das Unternehmen „Kraftwerk Laufenburg“ (heute Energiedienst Holding AG) gegründet, um ein Wasserkraftwerk zu errichten und zu betreiben. Das zwischen dem schweizerischen Laufenburg und seiner badischen Schwesterstadt Laufenburg gelegene Kraftwerk ist das älteste quer zum Fluss stehende Laufkraftwerk am Rhein.
  • Die Erbauer: Schöpferischer Urheber war Alexander Trautweiler (1854 bis 1920) aus Laufenburg. In den Jahren 1886 bis 1898 standen die Projekte Trautweilers den Ideen Sebastian Ziani de Ferranti gegenüber. Der Bauingenieur Heinrich Eduard Gruner (1873 bis 1947) plante das Kraftwerk Laufenburg. Der Schweizer Bauingenieur war bekannt für die Konstruktion von Wasserkraftwerken. Mit der Fundation des Maschinenhauses und den Turbinenkammern wurde die Mannheimer Firma Grün & Bilfinger beauftragt. Der Basler Architekt Emil Faesch zeichnete für den Bau des Maschinenhauses mit dem Turm in den Jahren 1912 bis 1914 verantwortlich. Zeitweise arbeiteten bis zu 1500 Mann auf der Jahrhundertbaustelle.
  • Die Felssprengungen: Für den Bau des Kraftwerkes wurde die Stromschnelle von Laufenburg, auch „kleiner Laufen“ genannt, gesprengt und stattdessen eine Wehranlage errichtet. Im Bereich der Stromschnellen wurden über 300.000 Kubikmeter Fels weggesprengt.
  • Die Inbetriebnahme: Das Wasserkraftwerk ging am 14. Mai 1914 in Betrieb. Mit einer Leistung von 40 Megawatt (MW) war es damals das leistungsstärkste in Europa. Die Jahresstromproduktion der ursprünglich zehn Francis-Maschinen-Gruppen lag bei 310 Millionen Kilowattstunden (kWh). Bereits Ende der 1920er Jahre wurde es erstmals ausgebaut. Seit 1994 produzieren zehn moderne Straflo-Maschinen-Gruppen Strom mit einer Leistung von 106 Megawatt. Das Kraftwerk Laufenburg steht unter Denkmalschutz.
  • Die Kritik: Durch die Sprengung und Flutung der europaweit bekannten Stromschnellen innerhalb der Bauarbeiten erregten großes Aufsehen und führten zu einer hitzigen Debatte über Eingriffe der Technik ins Landschaftsbild. Es kam zu einer Protestwelle seitens der Heimatschützer. Unter anderem waren die Rheinfischer Leidtragende des Kraftwerksbaus. Die Salmenfischerei kam zum Erliegen. (cha)

Quellen: Kraftwerk Laufenburg; Kantonale Denkmalpflege Aargau; Bruno Meyer (Vom Jura zum Schwarzwald: Blätter für Heimatkunde und Naturschutz); Wikipedia.