Die Initiative „Die Pflanzenschützer“ hat eine Aktion ins Leben gerufen, die aufzeigen möchte, was passiert, wenn man den Pflanzenschutz komplett weglässt. „Schau ins Feld“ heißt diese Aktion und sie soll den Dialog zwischen Verbrauchenden mit Landwirtinnen und Landwirten fördern, aber auch aufklären.

Einer von gut 950 Landwirten, die bei der Aktion mitmachen, ist Jörg Matt, Obstbauer aus Stadenhausen bei Laufenburg. Er hat eine sogenannte „Nullparzelle“ auf einer seiner Apfelplantage zwischen Stadenhausen und Laufenburg angelegt und in dieser keinerlei Pflanzenschutz angewendet. Guckt man dort genauer hin, sieht man sofort den Unterschied.

Die unbehandelten Pflanzen leiden an einem Pilzbefall, welches man an den kleinen, verkümmerten Äpfeln erkennen kann. Auch die Blätter ...
Die unbehandelten Pflanzen leiden an einem Pilzbefall, welches man an den kleinen, verkümmerten Äpfeln erkennen kann. Auch die Blätter sind verschorft. | Bild: Andrea Worthmann

Die „unbehandelten“ Pflanzen, in diesem Fall Apfelbäume, sind befallen von einem Schorf, einer Pilzinfektion. Die Äpfel verkümmert. Die mit Pflanzenschutz behandelten Obstbäume hingegen haben größere Äpfel und gesunde Blätter.

Nach der Behandlung durch konventionellem Pflanzenschutz: Gesunde Blätter, große Äpfel
Nach der Behandlung durch konventionellem Pflanzenschutz: Gesunde Blätter, große Äpfel | Bild: Andrea Worthmann

Ein Hinweisschild vor der Parzelle klärt über die Aktion auf. Neben der Behandlung der Bäume selber, gehört auch dazu, den Streifen, auf dem sie stehen, unkrautfrei zu halten. Früher hat man dafür das umstrittene Glyphosat einsetzten. Matt setzt dies allerdings nicht mehr ein, sondern fährt stattdessen mit einer Hacke durch den Baumstreifen. Genauso würde beispielsweise auch eine biologische Pflanzenbehandlung aussehen.

Dass Pflanzenschutz nicht zwingend mit dem Ausbringen von Gift zu gleichzusetzen ist, erklärt Jörg Matt im Video:

Video: Andrea Worthmann

Grundsätzlich sei der biologische Pflanzenschutz eher Pflanzenstärkung, erklärt Jörg Matt, so beispielsweise das Aussetzen von sogenannten Nützlingen, die dann wiederum Schädlinge fressen. Als biologisches Mittel werde oft Kupfer eingesetzt, welches, je nach Austragungsmenge, auch problematisch sein kann. Der Familienbetrieb Matt benutzt für ihre Obstpflanzen konventionelle Pflanzenschutzmittel, aber nicht ausschließlich. „Den Apfelwickler behandeln wir mit biologischen Mitteln“ erzählt Vater Erich Matt im Gespräch.

Bienen sind für Obstbäume wichtig

Insekten und Bienen sind auch ein großes Thema: Jörg Matt ist der Meinung, dass chemische Pflanzenschutzmittel sehr spezifisch angewendet werden können und dass Bienen natürlich auch für Obstbäume wichtig seien. „Wir als Obstbauern profitieren ja von den Bienen, wir wollen ihnen ja nichts Schlechtes. Im Gegenteil, sie ist ja für die Bestäubung unserer Blüten zuständig.“ Außerdem sei der Zeitpunkt der Ausbringung der Mittel wichtig, fügt Mutter Marianne Matt an. Sollten bienengefährliche Mittel benutzt werden, passiert das nachts, damit das Mittel einzieht und am morgen für Bienen nicht mehr gefährlich sein kann.

„Bienen fühlen sich bei uns wohl in den Obstbäumen“, ist sich Erich Matt sicher. Jörg Matt ist sowieso offen für neue Ideen und Verbesserungen: So verzichtet er mittlerweile auch auf Insektizide bei seinen Trauben, da er sich die Methode eines Weinbauern für eine biologische Maßnahme einfach auf YouTube abguckte.

Dialog mit Passanten

Führt denn die Aktion „Schau ins Land“ auch tatsächlich zum Dialog mit Verbrauchenden? Ja. Manchmal freiwillig, manchmal proaktiv. So musste Jörg Matt sich schon des Öfteren von vorbeilaufenden Menschen einen Vogel zeigen lassen, wenn er am morgen Pflanzenschutzmittel ausbrachte.

Nicht selten stieg er dann vom Traktor und suchte das Gespräch. Nicht immer ist Gift im Tank der Pflanzenschutzspritzen. Erich Matt hatte diese mal umgebaut, um Erdbeeren zu wässern und wurde prompt angepöbelt. „Die Schilder vor der Nullparzelle werden gelesen“, sagen Erich und Jörg Matt, die dieses schon öfters beobachten konnten.

Vorbeilaufende Personen können sich über die Aktion „Schau ins Feld“ informieren und direkt ins besagte Feld schauen.
Vorbeilaufende Personen können sich über die Aktion „Schau ins Feld“ informieren und direkt ins besagte Feld schauen. | Bild: Andrea Worthmann

Die Matts geben sich Mühe, so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig auf konventionellen Pflanzenschutz zu setzten. Für sich selbst, aber auch zur Verdeutlichung für den Verbraucher macht Jörg Matt bei der Aktion mit und ist überzeugt, damit ein Stück weit zur Aufklärung über Pflanzenschutz beizutragen.

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