Er ist ein Tausendsassa: Martin Willi, 56. Er ist Autor, Schauspieler und Regisseur. Er ist Kursleiter und Kunstmaler. Er ist Betriebsleiter der Kultschüür in Laufenburg. Und er ist Teilzeit-­Pöstler. „Von etwas muss ich ja schließlich leben“, sagt er schmunzelnd beim Gespräch.

Fußspuren hinterlassen

In den gut 30 Jahren, in denen Willi nun schon im Fricktal kulturell aktiv ist – zuerst in Herznach, nun in Laufenburg – hat er deutliche Fußspuren hinterlassen. An die 40 Theaterstücke hat er geschrieben, 30 bearbeitet, in unzähligen Produktionen mitgespielt und Regie geführt.

Kultur liegt ihm im Blut. Das Schreiben ebenso. 1995 war es, als er wieder einmal ein fremdes Theaterstück las und bei sich dachte: Das kannst du auch. Er konnte. „Das Stück kam gut heraus, den Zuschauern gefiel es“, blickt er zurück. Vor 12 Jahren dann legte Willi seinen belletristischen Erstling vor, einen Jugendkrimi. „Eine ganz andere Art zu schreiben“, stellte er fest – eine Art, die ihm gefiel.

Das könnte Sie auch interessieren

Schnell wuchs der Wunsch, auch einen Krimi für Erwachsene zu schreiben. Er schuf die Figur der Kriminalkommissarin Petra Neuhaus, die 2018 ihren ersten Fall löste. Die Tote: Ein junges Fotomodell. Der Fundort: Laufenburg. Die Ermittlerin: taff, gut im Job – und ganz Mensch. „Mir ist es wichtig, dass meine Figuren nicht eindimensional sind“, sagt Willi. Und so ist Neuhaus im Krimi nicht nur Polizistin, sondern eine Frau, die „noch immer auf der Suche nach dem Glück ist“. Sie hat Schwächen, zeigt Schwächen – „und das macht sie mir sympathisch“, sagt Willi.

Das könnte Sie auch interessieren

Auf die Suche begab sich nach der dreijährigen Schreibphase auch Willi – nach einem Verleger. „Als neuer Autor hat man es schwer“, stellte er schnell fest. Doch er hatte Glück. Einem Basler Verleger mit Bezug zu Laufenburg gefiel der Erstling und er brachte ihn heraus. Mehr noch: Er sah im Kriminalteam um Petra Neuhaus das Potenzial für mehr – und so brachte Willi in den vergangenen 15 Monaten den zweiten Neuhaus-Krimi zu Papier.

Schwieriges Thema

„Das Schreiben fiel mir einfacher als beim ersten Krimi“, sagt er. Allerdings hat er sich ein Thema ausgesucht, das „mich stark forderte“: Kindsmißbrauch. Bei Bauarbeiten für ein Einfamilienhaus in Hirschthal kommt ein Skelett mit abgetrenntem Kopf zum Vorschein. Vieles deutet darauf hin, dass der Tote – er stammt aus dem Mettauertal – sich zu Lebzeiten an Kindern verging, dies sogar in der eigenen Familie. Ein Fall von Selbstjustiz?

Das könnte Sie auch interessieren

Ihm sei es wichtig, nicht reine Phantasie-Gebilde zu erzeugen, sondern Geschichten zu erzählen, die aktuelle und schwierige Themen aufnehmen, Geschichten, die auch ihn bewegen. Den Plot für die Geschichte hat er dabei zwar beim ersten Buchstaben, den er schreibt, im Kopf. „Doch ich lasse stets Raum, damit sich Geschichte und Figuren entwickeln können.“

Entwickeln, so hofft Willi, werden sich auch diesmal die Verkäufe gut. Erscheinen wird der zweite Neuhaus-Krimi „Skelett des Grauens“ im September, rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse.

Für Willi wird es ein goldener Herbst werden: Mit der Kultschüür wird er, sofern ihm Corona keine neuen Striche durch die Rechnung macht, im Herbst wieder kulturell durchstarten und neben dem Krimi kommen gleich noch zwei weitere Bücher von ihm auf den Markt: Ein Gedichtband und ein Bilderbuch, eine Co-Produktion mit seiner Frau.

Nun auch Verleger

Den Text für „Otto, die Blindschleiche will Fussball spielen“ habe er schon lange geschrieben, seine Frau habe die Geschichte nun gezeichnet. Er lacht. „Ein Kinderbuch auf den Markt zu bringen, ist noch schwieriger als einen Roman“, hat er festgestellt. Er gibt ihn deshalb in Eigenregie heraus. Und so kommt zu der Vielzahl seiner Berufe und Berufungen eine weitere hinzu: Verleger.