Zuhause sein ist für Gabriele Maurer eine komplexe Sache. Laufenburg am Hochrhein ist die Gegend, wo sie herkommt. Hier machte sie ihre ersten musikalischen Schritte in der Stadt- und Feuerwehrmusik. In Mannheim ist die junge Jazzmusikerin jetzt zu Hause. An der dortigen Musikhochschule wird sie in Saxophon und Gesang ausgebildet. Erreicht haben wir die 23-Jährige allerdings am Handy in Budapest, wo sie ein Austauschsemester absolvierte.

Die Laufenburger Jazzstudentin Gabriele Maurer war bei einem Auslandssemester in Ungarn.
Die Laufenburger Jazzstudentin Gabriele Maurer war bei einem Auslandssemester in Ungarn. | Bild: Dávid Gila

Gabriele Maurer hatte sich für das Erasmus-Semester beworben. Erasmus steht für kulturellen Austausch. Die jungen Musiker begeben sich in ein neues kulturelles Umfeld. Seit Anfang April war Mauer in der ungarischen Hauptstadt, lernte die interessante Stadt kennen und hat auch ein Fotoshooting gemacht. Insgesamt zweieinhalb Monate war sie vor Ort: „Besser aber als gar nichts.“ Vorher, von Februar bis April, fand der Austausch wegen der Corona-Pandemie nur digital statt.

Lernen in Budapest

Studiert hat sie an einer angesehenen Adresse: der Franz Liszt-Akademie. Die Fächer waren ähnlich wie in Deutschland: Gehörbildung, Improvisation, dazu kam noch – „was ich sehr cool fand“, wie sie sagt – das Fach Ethik. Außerdem gab es Vorlesungen praktischer Art in ungarischer Musikgeschichte. 80 Prozent des Semesters, sagt Maurer, liefen wegen der Corona-Pandemie digital, erst in den letzten zwei Wochen hatte sie Präsenzunterricht.

Erster Auftritt

Erst kürzlich hat sie nach langer Zeit erstmals wieder einen Auftritt gehabt: „Mein erstes Konzert in einem Jazzcafé in Budapest“, erzählt sie. Zudem war es „das erste öffentliche Nicht-nur-Streaming-Konzert seit bestimmt einem Jahr.“ Entsprechend groß war ihre Vorfreude und die Aufregung. In der ungarischen Metropole gebe es mehrere Clubs, erzählt sie. Tanzclubs und Discos seien wieder offen gewesen und mit einem Corona-Zertifikat sei man überall hineingekommen.

Das Konzert

Das Budapester Konzert, bei dem sie im Duo mit dem ungarischen Pianisten Marton Piller spielte, wurde zudem in den Jazzclub nach Mannheim zum Festival „Denkfest“ gestreamt, als „Livestream from Budapest Jazz Club“. Vormittags wurde das Programm nach Deutschland übertragen und am Abend führten Maurer und ihr Klavierpartner die Stücke nochmals live und öffentlich auf. Zu hören waren „Kompositionen von mir und ein paar klassische Standards, umarrangiert im Sound meiner Musik, dazu noch ein, zwei Popsongs in einem Jazzgewand“, sagt Maurer. Eine einzige Probe mit dem Pianisten gab es und dann gleich darauf das Konzert.

Gegen Vorurteile

Maurers Grundgedanke beim Set ist es, offener für unerwartete Klänge zu werden. Sie klebt nicht am originalen Vorbild. „Ich verstehe Musik als ein Medium, das mir hilft, auf der emotionalen Ebene Gedanken zu implementieren, um Vorurteile und Intoleranzen abzubauen“, sagt sie. In einem Interview mit einer Mannheimer Tageszeitung erklärte Maurer, warum Jazz und Rassismuskritik für sie zusammengehören. Die Jazzmusikerin will nämlich gewisse Botschaften „an den Mann bringen“ und nutzt ihre Musik, den Jazz als Kunstform, dazu.

Das Studium

Im Corona-Jahr 2020 lief auch in Mannheim der Unterricht größtenteils via Internet. Ihr Studium wird die Instrumentalistin und Vokalistin im kommenden Frühjahr 2022 in Mannheim abschließen, mit einem Bachelor-Konzert im Januar. Bei diesem will sie auch Eigenkompositionen spielen und ihre Band mit ins Boot holen. Seit sie in Mannheim wohnt und studiert, ist sie nicht mehr in der Laufenburger Stadt- und Feuerwehrmusik aktiv, wo sie bis 2017 Mitglied war. Und sie spielt auch nicht mehr im Verbands-Jugendorchester Hochrhein mit. Aber durch die familiären und freundschaftlichen Beziehungen „kriege ich noch mit, was die Feuerwehrmusik macht“, sagt sie.

Das vergangene Jahr

Für Gabriele Maurer und ihre Band war 2020 ein sehr ruhiges Jahr. Nur einmal konnte die Musikerin mit ihrem Quintett für ihr neues Programm und das Album proben, das im Herbst produziert wird. Eine geplante Tournee sollte eigentlich im März 2020 in Laufenburg beginnen. Das wegen Corona ausgefallene Auftaktkonzert in ihrer Heimatstadt, für das sich Fans damals schon Karten reserviert hatten, soll nachgeholt werden. Die Tickets behalten ihre Gültigkeit. Nach der hoffentlich bald überstandenen Corona-Krise wird man sich in der alten Heimat auf ein Heimspiel der vielseitigen Saxophonistin, Sängerin und Songschreiberin freuen dürfen.

Zukunftspläne

Die große Tournee soll nun im Frühjahr 2022 losgehen, wobei Gabriele Maurer hofft, dass die Konzerte dann uneingeschränkt möglich sind. Neue Wege führen die Jazzstudentin, die bekannt ist für ihre Songs mit sozialkritischem und politischem Inhalt und nachdenklich machenden Themen, jetzt auch in Weltmusikgefilde. Gern würde sie für Nummern auf der neuen CD Harfe und Lyra mit hineinnehmen, die im Studiengang „Weltmusik“ an der Popakademie in Mannheim gelehrt werden. Ebenso will sie den Musikern Raum zum Experimentieren lassen. Für den Open-Air-Sommer wurde sie von Festivals angefragt: „Da wird sich auf jeden Fall etwas ergeben“, hofft sie. Gabriele Maurer schaut nach vorn und bleibt kreativ. Das ist das Motto dieser frischen jungen Stimme, die ganz im Jazz zu Hause ist.