„Tritt ein und lausche dem historischen Laufen“: Mit dieser Aufforderung eingangs einer wie ein schwarzer Kubus aussehenden Zeitkapsel auf dem Laufenplatz bot die 17. Laufenburger Kulturnacht am Samstag einen wuchtigen Schritt zurück in die Vergangenheit. Wuchtig deshalb, weil es im Inneren nicht nur hör-, sondern auch spürbar donnerte und grollte. Die zeitgenössische Installation machte die Naturkraft des Laufen, der für den Kraftwerkbau vor 110 Jahren gesprengt worden war, beeindruckend in Bild und Ton deutlich. Zeitlich noch weiter zurück führte die Parallelveranstaltung „Leben und Arbeiten in einem Denkmal“.

Eindrücklich: In der Zeitkapsel auf dem Laufenplatz – ein Erlebnis für die Sinne.
Eindrücklich: In der Zeitkapsel auf dem Laufenplatz – ein Erlebnis für die Sinne.

Die Laufenburger Altstadt steht seit 50 Jahren unter Denkmalschutz, weshalb mit Vorträgen und Stadtführung 800 Jahre Stadtentwicklung frisch aufgerollt wurden. Das war es dann aber schon mit der Vergangenheit. Denn die grenzüberschreitende Kulturnacht war vor allem ein Anlass, der sich im Hier und Jetzt bewegte, quasi ein Schmelztiegel der Gegenwart.

Elegant: Die Ballettschülerinnen bekamen viel Applaus. Bilder: Peter Schütz
Elegant: Die Ballettschülerinnen bekamen viel Applaus. Bilder: Peter Schütz

Künstlerinnen und Künstler quer durch alle Sparten zeigten ihr Können und ihre Werke an 30 Stationen auf beiden Seiten des Rheins. „Wahrscheinlich schaffen sie nicht alle“, vermutete Stadträtin Regina Erhard am Eröffnungsakt in der Mitte der Laufenbrücke. Ähnlich Bürgermeister Ulrich Krieger: „Es wird unmöglich sein, alle Orte zu besuchen, aber das ist ein Luxusproblem.“ Der Versuch war es gleichwohl wert, denn die Vielfalt und Qualität der Präsentationen in Privathäusern und Museen, auf öffentlichen Plätzen, in versteckten Gärten und alten Kellern machte müde Beine wieder munter. Die Kulturnacht habe einen „riesigen Stellenwert in Laufenburg“, fand Regina Erhard, „sie zeigt die große Vielfalt, die wir hier haben“.

Alle Kunstformen vertreten

Einen ersten Eindruck dieser Vielfalt lieferten die Ballettschülerinnen von Luise Krey auf der Brücke mit einem Vorgeschmack auf ihre neue Produktion „Drachenherz“. Ähnlich das Theater WIWA: Das Ensemble unter Regie von Martin Willi zeigte Passagen aus dem für November geplanten Schauspiel „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ von Rainer Werner Fassbinder. Und im Rehmann-Museum führte Daniel Waldner in seiner tags davor eröffneten Ausstellung vor, wie aus gefundenen Gegenständen Kunstwerke entstehen können.

Ausblick: Das Theater WIWA gab Einblicke in die neue Produktion.
Ausblick: Das Theater WIWA gab Einblicke in die neue Produktion.

Die Laufenburger Kulturnacht war also nicht nur eine Veranstaltung zum Hinschauen, sondern auch ein Anreiz, selber kreativ zu werden. So kreativ wie zum Beispiel das Fotokunstprojekt „Der Thron“ von Steffi Griner, in dem Menschen auf einem mit Samt bezogenen Sessel in allen möglichen Positionen zu sehen waren, von der kecken Pose mit oder ohne persönliches Attribut bis hin zum Kopfstand. Keramik, Malerei, Steinbildhauerei, aus Holz oder Draht geformte Objekte, Tanz, Gesang, Musik, Sprache, Literatur – die von langer Hand vorbereitete Veranstaltung war wie eine Reise durch die Welt von Kunst und Kultur. Bunt und originell, überraschend und mutig, fröhlich und nachdenklich.

Zum guten Ton: Die Töpfereien bei Ulrike Marquart.
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