Höganäs investiert weiter in seine beiden Werke im Laufenburger Stadtteil Rhina. Vergangenes Jahr bereits schaffte das Unternehmen für mehrere Millionen Euro eine hochmoderne Verdüsungsanlage zur Herstellung von 3D-Druck-Pulvern an. Nun nimmt es eine ähnlich hohe Summe in die Hand, um am Standort eine andere Zukunftstechnik zu stärken. Bis Sommer 2023 sollen die Produktionskapazitäten für wärmedämmende Beschichtungspulver (TBC-Pulver) modernisiert und erweitert werden.

Höganäs-Vorstandsmitglied Shashi S. Shukla.
Höganäs-Vorstandsmitglied Shashi S. Shukla. | Bild: Sabrina Wacker/Höganäs

TBC-Pulver erhöhen durch ihre wärmedämmenden Eigenschaften den Wirkungsgrad von Turbinen und kommen vor allem in der Luftfahrt und im Energiesektor zum Einsatz. Bei der Energiewende und dem Einstieg in die CO2-neutrale Energiegewinnung könnte die Gasturbinentechnologie für eine Zwischenzeit verstärkt als Brückentechnologie genutzt werden. Vor diesem Hintergrund erwartet Höganäs in den nächsten Jahren einen wachsenden Bedarf an TBC-Pulvern. Diese will das Unternehmen deshalb verstärkt produzieren. „Unsere Materialien sind damit auch Teil der Lösung und Antrieb für die Energiewende in Deutschland“, sagt Höganäs-Vorstandsmitglied Shashi S. Shukla, der für die Höganäs-Präsenzen in Europa verantwortet.

Bereits Anfang September hat Höganäs nach eineinhalb Jahren Vorbereitung mit den ersten Maßnahmen begonnen. „Bis Sommer 2023 werden wir die Produktionskapazitäten für TBC-Pulver schrittweise durch mehrere, hochmoderne Produktionsaggregate und Verbesserungen in der Prozesskette deutlich erhöhen“, so Peter Thienel, Produktionschef von Höganäs Deutschland und Standortleiter in Laufenburg.

Höganäs-Standortleiter Peter Thienel.
Höganäs-Standortleiter Peter Thienel. | Bild: Höganäs

Insgesamt würden die Anforderungen an Industriepulver immer höher und die Fertigung damit komplexer, erklärten Shukla, Thienel und der erst seit Januar im Unternehmen tätige neue Direktor Geschäftsentwicklung Customization Technologies, Deniz Yigit, im Gespräch mit unserer Zeitung. Um Produkte herstellen zu können, die den gestiegenen Ansprüchen gerecht würden, seien entsprechende Anlagen notwendig, aber auch Erfahrung bei der Fertigung und qualifizierte Mitarbeiter. Ein gutes Beispiel dafür seien die 3D-Druck-Pulver. Diese in Laufenburg schon seit vielen Jahren hergestellt. Doch seit der Inbetriebnahme der neue Produktionsanlage Ende 2020 sei eine ganz andere Qualität möglich.

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Gegenüber der weltweiten Konkurrenz will sich Höganäs nicht nur durch die Qualität seiner Produkte, sondern auch durch die Nachhaltigkeit seiner Produktion behaupten. Für immer mehr Kunden spiele die Ökobilanz eine entscheidende Rolle. „Wir können Marktführer bleiben, indem wir grüne Metallpulver herstellen“, erklärte Vorstandsmitglied Shukla. Nicht nur besitze Höganäs eine große Erfahrung beim Recycling. Seit 2010 seien bei der Produktion der Energieverbrauch um 8 Prozent reduziert worden, allein 2021 sei der Ausstoß an CO2 gegenüber dem Vorjahr um 30.000 Tonnen verringert worden. Höganäs decke seit dem vergangenen Jahr seinen gesamten Strombedarf in Deutschland aus erneuerbarer Energie und wolle bis 2045 in all seinen Werken klimaneutral produzieren, so Shukla.

Direktor Customization Technologies Deniz Yigit.
Direktor Customization Technologies Deniz Yigit. | Bild: Höganäs

Der schwedische Mutterkonzern, der 2018 die damalige H. C. Starck Division Surface Technology & Ceramic Powders (STC) und damit auch die beiden Laufenburger Werke Enag und Rhina erwarb, stehe hinter dieser Strategie und räume die für die Weiterentwicklung nötige Zeit ein. Shukla: „Unsere technischen Erfolge müssen sich nicht immer sofort kommerziell niederschlagen.“