Wenn sich Elke Arzner heute an ihre Schulzeit erinnert, dann vor allem daran, dass sie als Sehbehinderte auf sich selbst gestellt war. Die heute 52-Jährige kann, bedingt durch einen Gendefekt, nur Umrisse sehen und hat zusätzlich ein eingeschränktes Gesichtsfeld. Sie hat noch zwei Prozent Sehkraft und hat damit vor dem Gesetz inzwischen den Status „blind“.

Einziges Hilfsmittel war die Lupe

Das alles interessierte vor über 40 Jahren nicht. Es gab noch keine Inklusion, auch keine geeigneten Hilfsmittel. So stand die Schülerin Elke Arzner in den Pausen zwischen den einzelnen Schulstunden ganz nah an der Tafel, um lesen zu können, was da geschrieben stand. Zu Hause las die Mutter vor, und Elke Arzner lernte das Gehörte auswendig. Einziges Hilfsmittel war eine alte Lupe der Oma. „Ich musste im Vergleich zu den anderen immer 200 Prozent leisten“, erinnert sich Elke Arzner an ihre Anstrengungen, mit den nicht sehbehinderten Schülern mitzuhalten.

Für unser Gespräch hat die gelernte Masseurin vor sich verschiedene moderne Hilfsmittel aufgebaut: „Wenn es das früher schon gegeben hätte, wäre alles einfacher gewesen“, deutet Elke Arzner auf ihr Smartphone, i-Pad und ein mobiles Lesegerät. Der PC steht in ihrem Arbeitszimmer. Sie war schon 38 Jahre alt, als sie über ihre Kinder zum ersten Mal in Kontakt zu einem PC kam. „Ich saß mit der Nasenspitze am Bildschirm“, lacht Elke Arzner, realisierte aber sofort, dass für sie als Sehbehinderte in dieser Technik enormes Potential steckt. In einem speziellen Computerkurs bekam sie, wie sie selbst sagt, zum ersten Mal eine reale Vorstellung von dem, was alles möglich war.

Für Elke Arzner bedeutet es Selbstständigkeit

Heute ist moderne Heimelektronik ein fester Bestandteil im Leben von Elke Arzner: „Es bedeutet ein Stück Selbstständigkeit. Und es ist wichtig für alle sozialen Kontakte.“ Andernfalls bräuchte es einen Betreuer, was Elke Arzner so lange wie möglich vermeiden will.

Auf ihrem PC ist eine spezielle Software für Sehbehinderte „aufgesetzt“, die Schriften vergrößert und ermöglicht, dass Elke Arzner „invers“, also mit schwarzem Bildschirm und weißer Schrift arbeiten kann. Es gibt auch eine Vorlesefunktion, zum Beispiel für lange Mails oder eingescannte Rechnungen. Elke Arzner macht auch Onlinebanking. Die TAN-Nummer kommt per Handy und wird ihr vorgelesen, so dass sie die Nummer auf ihrer Großschrifttastatur eintippen kann. Eine Maus benutzt Arzner kaum: „Da geht wenig. Ich mache viel über Tastenkombinationen, die Short Cuts.“

Eine ganze Reihe von modernen Hilfsmitteln wie Smartphone, i-Pad und ein mobiles Lesegerät erleichtern Elke Arzner den Alltag.
Eine ganze Reihe von modernen Hilfsmitteln wie Smartphone, i-Pad und ein mobiles Lesegerät erleichtern Elke Arzner den Alltag. | Bild: privat

Eine echte Hilfe ist außerdem das mobile Bildschirmlesegerät mit Vorlesefunktion. Mittels einer eingebauten Kamera können Texte und Bilder, die untergelegt werden, auf einem Bildschirm wiedergegeben werden. Elke Arzner nutzt dieses Lesegerät zum Beispiel auch, um Formulare auszufüllen. In Echtzeit kann sie dann auf dem Bildschirm mitverfolgen, ob ihre Eintragungen korrekt sind.

Wenn das iPhone vorliest

Als Handy benutzt Elke Arzner ein iPhone, so wie die meisten Sehbehinderten. Grund ist die VoiceOver Funktion, eine durch Gesten gesteuerte Funktion zum Vorlesen von allem, was auf dem Bildschirm passiert: Wenn der Finger über den Bildschirm zieht, liest VoiceOver vor, auf welchem Objekt sich der Finger gerade befindet. Auch Bilder kann VoiceOver beschreiben, nennt den Namen des Anrufers oder gibt den Batteriestatus an. Elke Arzner benutzt das Handy auch als Navi, wenn sie eine exakte Adresse hat: „Der Navi spricht und gibt mir den Weg vor.“

Auch andere moderne Hilfsmittel kommen zum Einsatz. Zum Beispiel ein kleiner Farbscanner, der den Farbwert der Oberfläche misst und die Farbe dann ansagt. „Das ist gut, um die zusammengehörenden Sockenpaare zu finden oder beim Einkaufen von Kleidern und Schuhen“, so Elke Arzner. Alexa, der Voice Service von Amazon, tut ebenfalls Dienst: „Ich kann fragen, wie das Wetter draußen ist, kann nach Zugverbindungen fragen, nach dem Müllkalender, und ich lass mir morgens die Nachrichten vorlesen“, erzählt Elke Arzner, die Alexa außerdem zum Hören von Hörbüchern nutzt.

Sprachnachrichten ermöglichen Chatbeteiligung

Dank der Möglichkeit von Sprachnachrichten kann Elke Arzner auch in Chats aktiv werden: „Wenn ich ein technisches Problem habe, antwortet der Apple Chat innerhalb von wenigen Minuten.“ Immer mit Elke Arzner unterwegs ist eine Smartwatch. „Die sagt mir die Uhrzeit an und kann auch einen Notruf absetzen.“

Das Fazit von Elke Arzner, mittlerweile als Gesundheitspädagogin tätig: „Für uns ist die digitale Technik ein Segen. Auch im Arbeitsleben. Früher lernte ein Blinder zwangsläufig Masseur, heute kann er auch Informatiker werden.“ Frau Arzner engagiert sich auch im allgemeinen Blindenverband ABSH e.V. ehrenamtlich.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €