Die Geschichte von Schlössle-Madame Mary Codman und ihrem Obergärtner Wilhelm Eichin ist noch nicht zu Ende erzählt. Eichins einzige Enkelin, Uta Eichin Laempe (Jahrgang 1945), hält das Andenken ihres Großvaters in Ehren und ergänzt mit ihren Erinnerungen das Bild des gutmütigen Gärtners und seiner hoch angesehen Arbeitgeberin. Damit schließt sich ihre Geschichte an die ihres Cousins Peter Grüninger an, der unserer Zeitung ebenfalls Einiges über seinen Großvater zu erzählen wusste.

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Das vollständige Mokka-Service vom Madame Codman kommt bei Uta Eichin Laempe sogar manchmal zum Einsatz.
Das vollständige Mokka-Service vom Madame Codman kommt bei Uta Eichin Laempe sogar manchmal zum Einsatz. | Bild: Michelle Güntert

Die Enkeltochter Wilhelm Eichins, die, wie sie selbst sagt, einen Faible für Antiquitäten und urige Gegenstände hat, verfügt über einige Erbstücke aus dem Besitz von Mary Codman. Die großzügige Schlössle-Madame hat einige ihrer wertvollen Besitztümer ihren Angestellten vermacht, sodass auch Gärtner Wilhelm Eichin einige kostbare Stücke erhalten hat.

Codmans ehemaliger Sekretär hat im Wohungsflur seinen Platz gefunden.
Codmans ehemaliger Sekretär hat im Wohungsflur seinen Platz gefunden. | Bild: Michelle Güntert

Nach seinem Tod wurden diese zunächst an seine Kinder und später an die Enkelkinder weiter vererbt. Uta Eichin Laempe erkannte dabei sofort, was für einen besonderen Wert diese Gegenstände aufweisen. So haben in ihrer Wohnung sowohl ein großer Kirschbaumschrank, ein Bücherschrank, ein Sekretär und das ehemalige Schmink-Tischlein von Madame Codman ihren Platz gefunden.

Aufgeklappt wird der kleine Schreibtisch zum Schmink-Tischlein.
Aufgeklappt wird der kleine Schreibtisch zum Schmink-Tischlein. | Bild: Michelle Güntert

Einige dieser Möbel wurden bereits im 18. Jahrhundert hergestellt. Daneben besitzt Eichin Laempe ein gut erhaltenes gelbes Mokka-Service und handgefertigte Teller-Unikate mit Goldbeschichtung, von welchen besonders achtsame Ehrengäste sogar speisen dürfen.

Dieser kleine Schreibtisch mit Original-Samtbezug aus dem 18. Jahrhundert kann auch als Schminktisch umfunktioniert werden und wurde von Mary Codman entsprechend verwendet.
Dieser kleine Schreibtisch mit Original-Samtbezug aus dem 18. Jahrhundert kann auch als Schminktisch umfunktioniert werden und wurde von Mary Codman entsprechend verwendet. | Bild: Michelle Güntert

Zwei von drei überlieferten, vermutlich aus China stammenden Vasen, hat sie dem Museum Schiff in Laufenburg/Schweiz vermacht, welches weitere Gegenstände aus Codmans Besitz und Zeit ausstellt. Weitere Erbstücke sind eine restaurierte Kuckucksuhr, ein Kupferstich des bekannten Gesichts der Laufenburger Doppelstadt und gerahmte Fotos von ihrem Großvater.

Diese undatierte Aufnahme zeigt Wilhelm Eichin (links), der 26 Jahre Obergärtner bei Mary Codman war, mit einem Gehilfen.
Diese undatierte Aufnahme zeigt Wilhelm Eichin (links), der 26 Jahre Obergärtner bei Mary Codman war, mit einem Gehilfen. | Bild: Archiv Peter Grüninger

„Ich denke, dass meinem Großvater gar nicht bewusst war, was für Kostbarkeiten er da besessen hatte“, meint Eichin Laempe. Für sie komme es daher nicht in Frage, die Gegenstände zu verkaufen. Glücklicherweise hat ihre Enkeltochter ebenfalls einen Sinn für die Schlössle-Antiquitäten, sodass sich Eichin Laempe um deren Zukunft keine Sorgen machen muss.

Der Bücherschrank von Mary Codman erfüllt auch heute noch seinen Zweck.
Der Bücherschrank von Mary Codman erfüllt auch heute noch seinen Zweck. | Bild: Michelle Güntert

Neben diesen materiellen Erbstücken hat die Gärtner-Enkelin auch dessen grünen Daumen geerbt, was die vielen Pflanzen in ihrer Wohnung bestätigen. „Mein Großvater Wilhelm Eichin war ein ganz besonderer Mensch, ein echtes Original. Genau wie Madame Codman war er sehr großzügig und intelligent. Ich erinnere mich gerne daran, wie er mit seinem Schnauzbart und dem Kautabak in seinem Sessel gesessen ist und von seiner Zeit im Schlössle erzählt hat“, sagt Eichin Laempe. Die geerbten Besitztümer helfen ihr dabei, diese Erinnerung aufrecht zu erhalten.

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Jeder der kostbaren Porzellan-Teller hat eine eigene Bemalung.
Jeder der kostbaren Porzellan-Teller hat eine eigene Bemalung. | Bild: Michelle Güntert