Vor einiger Zeit hat der Sammler Egon Gerteis auf dem Markt ein altes Blatt gekauft und jetzt dem Laufenburger Stadtarchiv geschenkt. Es ist Büttenpapier auf die Größe eines querformatigen Briefumschlags zusammengefaltet. Darauf kann man lesen: „Obligation – also Schuldverschreibung – von der Gemeinde Luttingen gegen Altshausen über 3000 Gulden. 1790.“ Das heißt nichts anderes als: Die Ballei, die Provinz des Ordens der Deutschritter im oberschwäbischen Altshausen – sie war auch für den Besitz in Beuggen zuständig – leiht der Luttinger Gemeindeverwaltung einen stattlichen Geldbetrag zum Zinssatz von vier Prozent.

Wetterschlag und Mäusefraß

Blättert man auf, so findet man von den vier Seiten zwei ganz eng beschrieben. Mit Erstaunen muss man feststellen, dass die Beleihung in einem einzigen ellenlangen Satz festgehalten ist. Immerhin kann man den vielen rechtlichen Floskeln entnehmen, dass Luttingen 1789 einen Wetterschlag, also einen Hagel, erlitten hat, der die erntereife Frucht stark beschädigte. Diese „Gemeind Noth“ wurde noch durch einen großen Mäusefraß verschlimmert, obwohl ein Mauser, ein Mäusefänger, im Dorf beschäftigt ist.

In jener Zeit umfasst Gemeinde und Pfarrei Luttingen auch noch Grunholz und Stadenhausen, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts selbstständig werden. Als Vermittler des Kredits wird ein Ordensritter und Freiherr von Entz genannt, mit dem Zusatz Burggraf Entzberg. Eine Rückfrage bei dem Freiherrn von Entzberg im Schloss Mühlheim an der Donau erbrachte nichts Näheres. Vermutlich muss man im Stuttgarter Hauptstaatsarchiv in den Altshausener Akten forschen. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 gelangte dieses Schloss und das Umland in den Privatbesitz des Hauses Württemberg, dessen Chef mit dem Titel Herzog bis heute dort „residiert“. Bei anderen würde man sagen, dort wohnt.

Zum Schluss der Beleihungsurkunde bezeugen Vogt, Gericht und Bürgermeister mit ihren Unterschriften den Rechtsvorgang: genannt sind Johann Flad, Vogt der Herrschaft Östereich, sowie Felix Sest und Joseph Huber, „bede Burger Meister“.

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