Nur ein paar Schritte sind es vom tiefsten Punkt der Andelsbachstraße durch den dunklen Tunnel unter den Eisenbahnschienen hindurch und dann tut sich eine andere Welt auf. Das Brummen des Straßenverkehrs wird wie durch Zauberhand durch das muntere Plätschern des Andelsbachs abgelöst, die Luft ist kühler, frischer, und die Sonne blitzt durch die Baumkronen.

Brücken, Häuser und Höfe aus Steinen unterschiedlichster Größe formen eine kleine filigrane Stadt.
Brücken, Häuser und Höfe aus Steinen unterschiedlichster Größe formen eine kleine filigrane Stadt. | Bild: Steffi Griner

Hier in der Natur fühlt sich Markus Preußler sichtlich wohl und genau in diesem Wald an diesem Bach hat er angefangen, sein Projekt zu verwirklichen. Häuser und Höfe aus Stein zieren etwa 20 Quadratmeter Fläche im Andelsbach, verbunden durch Brücken und Straßen. Etwas wehmütig blickt Markus Preußler auf sein filigranes Werk: „Heute restauriere ich meine Stadt zum letzten Mal, dann lasse ich sie verfallen.“ Am Abend wird sie noch ein einziges Mal kunstvoll beleuchtet, die Stimmung mit der Kamera eingefangen und dann lässt Markus Preußer los.

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Der Naturmensch mit der künstlerischen Ader suchte anfangs Entspannung und wollte gleichzeitig etwas Schönes erschaffen. „Ich hatte an Wasserläufe im Wasserlauf gedacht“, erzählt er. Als Baustoffe dienen die Steine aus dem Bach und „alles, was so rumliegt“. Zuerst gab es nur eine Burg, später mehrere gleich hohe Gebäude. Doch für Markus Preußler war es nicht komplett. Wege kamen dazu, dann variierten die Steinkunstwerke in der Höhe und wurden zuletzt durch Brücken verbunden.

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Die Häuser sind hohl, für die Statik hat der gebürtige Luttinger so etwas wie Wendeltreppen aus kleinen Steinen im Inneren verbaut. Das hält. Von Beruf ist Markus Preußler Polsterer, hat also im täglichen Leben keine Berührungspunkte mit der Haltbarkeit von Bauwerken. „Ich interessiere mich aber sehr für Architektur“, erklärt er. Wobei seine Kunstwerke nicht auf komplizierten Berechnungen fußen – „Mathematik liegt mir gar nicht“ – sondern auf viel Geduld und mehrfachem Ausprobieren. Viel Zeit hat er in sein Projekt gesteckt, vier Monate lang war er fast täglich sechs Stunden am Andelsbach beschäftigt.

„Aber irgendwann muss Schluss sein“, lacht er, „es ist fast wie eine Sucht.“ Von sich selbst sagt er, er sei ein Perfektionist und werde folglich sowieso nie fertig. Das Beschützen der Steinstadt sei ihm inzwischen auch zu stressig. Kinder und Hunde bringen immer wieder mühevoll errichtete Bauten zu Fall und dann beginnt der Wiederaufbau. Sein größter Wunsch ist es, dass dieses Mal die Natur nach und nach sein Kunstwerk abträgt und es nicht menschlicher Unachtsamkeit zum Opfer fällt. Aber auch, dass die Menschen, die so wie er die Stille des Waldes und die Natur genießen wollen, nicht so viel Müll hinterlassen. Damit die schöne Natur in der Allmende so bleibt, wie sie ist.